«Aufgetischt»: Wohlfühlabend im Quartier

Im Ayurvedischen Restaurant im Berner Breitenrain könnte man auch Ferien buchen.

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Anita Bachmann@anita_bachmann

Beim Restaurantbesuch im Rahmen dieser Kolumne fällt die Wahl der Autorin für einmal nicht auf eine Landbeiz mit währschaftem Essen. Nicht dass im Kanton Bern alle Landgasthöfe abgeklappert wären oder man die Fernsicht auf die Alpen nicht mehr schätzte. Doch auch ein Gang in die Stadt hat Vorteile: kurze Anreise mit dem öffentlichen Verkehr und eine andere Auswahl an Restaurants. Ein Ayurveda-Restaurant, ein Betrieb, der sich der traditionellen indischen Heilkunst verschrieben hat, müsste irgendwo im Emmental oder im Oberland wohl erst noch eröffnet werden. Vorsichtshalber werden alle Mitessenden auf das Restaurant 3dosha Ayurveda im Berner Breitenrainquartier eingestimmt. Denn mit Sicherheit gibt es im Vegi-Vegan-Restaurant kein Fleisch. Nein, auch keine Chicken Nuggets und keine Fischknusperli. Das vegetarisch bezieht sich im Übrigen nur auf wenige Speisen.

Interessant sind die Angebote, welche auf den Tafeln vor dem Restaurant angepriesen werden. Ein Wohlfühltag oder Ferien in Bern erwartet man in einem Quartierrestaurant nicht unbedingt. Aber das 3dosha ist mehr als ein Restaurant, dort werden auch Massagen, Ernährungsberatung und Kochkurse angeboten, alles ayurvedisch. Wer sich eine ganze Woche lang beraten und verwöhnen lassen möchte, bucht Ferien in Bern für 750 Franken. Übernachten kann man im Lokal nicht, wie der Wirt auf Nachfrage erklärt. Aber wir stellen uns auf einen entspannten Abend ein. Noch ist das Restaurant leer und sofort ist der Wirt mit den Getränkekarten zur Stelle. Neben den üblichen Getränken gibt es auch Spezialitäten: Rosenwasser, Chi oder verschiedene Tulsi-Tees. Als gute Wahl stellen sich die Mango-Schorle (Fr. 5.10) und der Holunderbeerensirup (Fr. 4.30) heraus. Die Getränke sind fruchtig und erfrischend.

Keine Zeit verliert man hier mit dem Studieren der Menükarte und dem Bestellen. Denn es gibt ein Abend-Buffet (Fr. 27.50 pro Person, à discrétion) und man kann zum Essen schreiten, sobald einem danach ist. Da man sich mehrmals bedienen darf, kann man beim ersten Gang diejenigen Speisen schöpfen, die einem am meisten ansprechen. Zum Beispiel: Bulgur, Kartoffeln mit Chinakohl an einer Currysauce, Blumenkohl und einem Gebäck mit einer Füllung, die vermutlich aus Kapern besteht. Dazu gibt es knusprigen Papadam-Fladen, Raita-Joghurt-Sauce und ein scharfes Chili-Chutney, wobei Letzteres wirklich scharf ist. Aber es gibt auch andere Köstlichkeiten zur Auswahl, erwähnenswert sind die weniger scharfe Cocos-Chili-Sauce oder das Soja-Rüebli-Gericht, das an eine Sauce bolognaise mit Quorn-Gehacktem erinnert.

Zwischen Restaurant und Toilette gibt es eine Art Lädeli, wo man eine Auswahl an Gewürzen, Tees und Räucherstäbchen kaufen kann. Statt zu shoppen, probieren wir das Dessert aus. Nebst Dattel-Mandel-Kugeln, die es nur saisonal gibt, ist auch eine Crème des Tages (Fr. 6.–) im Angebot. An diesem Abend gibt es Aprikosen-Mango-Crème, gewürzt mit Kardamon. Auch inklusive Dessert liegt das Essen nicht schwer im Magen – der ayurvedische Wohlfühlanspruch ist in dieser Hinsicht erfüllt. Und gleichzeitig muss auch nicht hungrig ins Bett, wer sonst in den eingangs erwähnten Landgasthöfen jeweils mit Pommes frites und Chicken Nuggets oder wahlweise Wienerli gefüttert wird. Für einmal tun es auch Reis und Kartoffeln mit Chinakohl.

Der Bund

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