Arte sucht in Bern den «Dichtestress»

Arte fragt in der Sendung «Metropolenreport» nach dem «Dichtestress» in der Stadt Bern — und ortet ihn bei der Reitschule.

Der Fernsehsender Arte ist auf der Suche nach der Seele Berns – und heftet sich dafür unter anderem an die Fersen der Rapperin Steff la Cheffe.

Der Fernsehsender Arte ist auf der Suche nach der Seele Berns – und heftet sich dafür unter anderem an die Fersen der Rapperin Steff la Cheffe.

(Bild: arte/screenshot)

Das Wort «Dichtestress» wird bereits als Wort des Jahres 2014 gehandelt. Zum politischen Schlagwort in den deutschsprachigen Teilen Europas katapultierten es jüngst die Debatten zur SVP-Initiative «gegen Masseneinwanderung». Für den Kultursender Arte Grund genug, in einem Beitrag seiner Reportagenreihe «Metropolenreport» auffallend oft das Wort «Dichtestress» einzubauen: insgesamt 12 Mal, also fast einmal pro Minute in der 15-minütigen Reportage.

So ist es zwar ein Ritterschlag für die Stadt Bern, neben richtigen Metropolen wie Istanbul oder Berlin Porträt zu stehen. Allerdings verfolgt der Beitrag die Absicht, im «provinziellen und zugleich internationalen Bern» ein Abbild der Schweiz zu erkennen. Das wirkt bemüht. Bekanntlich hat die Mehrheit des Stadtberner Stimmvolks die Masseneinwanderungsinitiative abgelehnt.

Berns Künstlerszene verfallen

Mit Ausnahme von SVP-Stadträtin Nathalie D’Addezio will denn auch keine der prominenten Auskunftspersonen «Dichtestress» wahrnehmen. Die Rapperin Steff la Cheffe sagt, sie sei schon in engeren Städten gewesen, und entführt das Publikum zu ihrem Stammplattenladen, bei dem sich Musikfreunde aus verschiedenen Kulturen treffen. Dem Charme der jungen, urbanen Künstlerszene werden die Reporter dann vor allem verfallen.

Dabei beginnt der Beitrag wie ein konventioneller Reisespot. Die Aufnahmen der Berner Altstadt in nostalgischen Farbtönen liessen Bern Tourismus vor Neid erblassen. Und immer noch kein «Dichtestress»: Die Gassen machen auf die Reporter einen «leeren» Eindruck, auch wenn «die Häuser dicht an dicht» stünden. Harmonie herrscht in den Berner Musikstudios und Ateliers, wenn man Stadtführerin Steff la Cheffe glaubt. Harmonie herrscht in der Wohnwagensiedlung Zaffaraya, die das Filmteam besucht.

Bekannteste Band im Hintergrund

Die Suche nach dem «Dichtestress» führt zur Reitschule, nun wird das Wort für deren Konflikt mit der SVP verwendet. Doch da, in einem Atelier im Kulturzentrum Progr, steht ein Bild, das ein Hochhausgewimmel zeigt. Es heisst... «Dichtestress»! Aber auch der Grafiker Rodja Galli widerlegt die These: «Wenn man näher heran geht, löst sich die scheinbare Dichte der Stadt auf», so Galli.

Wenn er andeutet, wie sich heute die «Kunstproduzenten» des Progr von den «freien Künstlern» unterscheiden würden, ahnt man, was aus dem Beitrag hätte werden können, wenn das politische Schlagwort nicht hineingewurstelt worden wäre. Vielleicht kämen dann gar «Züri West» zu Wort, deren Lied «Güggu» den Beitrag dezent eröffnet.

Den Beitrag «Dichtestress im Paradies» können Sie am Sonntag um 16.50 Uhr auf Arte sehen oder unter diesem Link.

DerBund.ch/Newsnet

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