Anwalt an vielen Fronten

In der Kontroverse um das Gurlitt-Erbe mischt auch Peter Bratschi mit, einer der renommiertesten Wirtschaftsanwälte der Schweiz. Der Berner mit breitem Netzwerk hat eine illustre Vergangenheit mit grossen Punktsiegen.

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Peter Bratschi macht selten Furore. Peter Bratschi ist aber dabei, wenn andere Aufsehen erregen. Der Name des 72-jährigen Berner Wirtschaftsanwalts taucht dann auf, wenn bekannte Figuren und viel Geld im Spiel sind. Und dies seit bald 40 Jahren. Nicht nur in Bern, wo ­Peter Bratschi 1975 mit einer Ein-Mann-Kanzlei begonnen hat. Sondern im ganzen Land, wo die zur Grosskanzlei fusionierte Bratschi, Wiederkehr & Buob mit Sitz in Bern, Basel, Zürich, St. Gallen, Lausanne, Zug und mit über 70 Juristen mittlerweile tätig ist.

Wer nach Peter Bratschi sucht, stösst etwa auf Ex-Botschafter Thomas Borer, auf Ex-Swissfirst-Banker Thomas Matter, auf den Mystery-Park in Interlaken, auf einen kuwaitischen Staatsfonds, den Bratschi 27 Jahre lang als Verwaltungsratspräsident der Luxushotelkette Jungfrau-Victoria-Gruppe vertreten hatte. Oder auf James Bond. Und, seit neustem, auf Cornelius Gurlitt, den deutschen Kunsthändler, der dem Berner Kunstmuseum über 1000 umstrittene Kunstwerke vererbt hat.

Bratschi und die Mäzenin

Folgte Peter Bratschis bisherige Arbeit einer gewissen beruflichen Logik, bleibt die Gurlitt-Connection nebulös. Bratschi ist Anwalt von Eberhard Kornfeld. Der Kunsthändler der Berner Galerie Kornfeld pflegte lange Zeit florierende Geschäftsbeziehungen mit dem Deutschen Gurlitt (der «Bund» berichtete). Der 92-jährige Kornfeld, der gegenüber Medien seit geraumer Zeit keine Stellung mehr nimmt, verkaufte offenbar Dutzende von Werken aus der umstrittenen Sammlung Gurlitts im Gesamterlös von Hunderttausenden Franken, wobei er es mit den Steuer- und Zollbestimmungen gemäss «Süddeutscher Zeitung» nicht so genau genommen haben soll. Gemeinsam mit Kornfeld sitzt Bratschi auch in der Stiftung Graphica Helvetica, die den Ausbau und die Erweiterung der Gugelmann-Sammlung in der Schweizerischen Landesbibliothek bezweckt.

Peter Bratschi vertritt aber auch Mäzenin Ursula Streit, die dem Kunstmuseum Bern eine Million Franken für den Aufbau einer Gurlitt-Provenienzforschungsstelle spenden will. Aber nur ­unter Bedingungen, wie Bratschi kürzlich klarmachte. Dass tags darauf ausgerechnet Peter Brand, SVP-Fraktionschef im Grossen Rat, einen Vorstoss einreichte, um die Gurlitt-Übung beim Kunstmuseum via Kanton auf Eis zu legen, erstaunte zusätzlich, ist doch Brand quasi Peter Bratschis Hausnotar, pflegt geschäftliche Beziehungen und hat ein eigenes Büro in Bratschis Kanzlei. Gurlitt ist Thema zwischen Tür und Angel.

Welche Fäden Peter Bratschi in der Gurlitt-Kontroverse zieht, ist unklar. Während einige den grossen Strippenzieher befürchten, trauen andere dem 72-Jährigen das nicht mehr zu. Bratschi selber wollte trotz mehreren Anfragen aus beruflichen und zeitlichen Gründen nicht mit dem «Bund» sprechen. Per Mail teilte er einzig mit: «Auch ich befürworte eine Annahme der Sammlung durch das Kunstmuseum Bern und hoffe, dass dies zum Klappen kommt.»

Bratschi und die Medien

Peter Bratschi, einer der renommiertesten Wirtschaftsanwälte der Schweiz, ist ein Mann mit breitem Netzwerk. Als «smart» und «Koryphäe» bezeichnete ihn einst die «Weltwoche». Die «Bilanz» kürte ihn 2006 zu den einflussreichsten Anwälten des Landes. Firmendeals, Pleiten, Übernahmekämpfe, Vertragsstreitigkeiten sind seine Welt, eine «ebenso diskrete wie lukrative Branche», in der Anwälte wie Bratschi die ­Fäden im Hintergrund ziehen.

Etwa um Gegenparteien in die Knie zu zwingen. Wer gut vertreten sein will, geht offenbar zu Peter Bratschi. Thomas Borer, dem der «Sonntagsblick» einst eine Affäre in der Schweizer Botschaft in Berlin nachgesagt hatte, sah es so. Und dies, zumindest aus Borers Sicht, zu Recht. 2002 musste sich das Boulevardblatt öffentlich entschuldigen. Der spektakuläre Deal war ein Novum in der Schweiz. Ringier musste Borer acht Millionen zahlen. Auch Thomas Matter, ehemaliger Swissfirst-Banker und heute SVP-Nationalrat, setzte auf Bratschi, der selber in den 1990er-Jahren kurze Zeit für die SVP im Muriger Gemeinderat gesessen hatte. Wegen ­Berichten über Matters Bankergebaren klagte der Anwalt 2007 gegen «Blick» und «SonntagsBlick». Beide entschuldigten sich auf der Frontseite. Die «NZZ am Sonntag» kam ebenso an die Kasse. Der Boulevardjournalismus breite sich aus und beanspruche zu viel «Narrenfreiheit», sagte Peter Bratschi 2010 dazu.

Bratschi und die Hauptstadtregion

Der Wirtschaftsanwalt mit internationalen Kontakten blieb aber seinen Berner Wurzeln stets treu. Peter Bratschi vertrat 2006 nicht nur die Interessen des Grossaktionärs Oskar Schärz im Debakel rund um den Mystery-Park in Interlaken, 2006 half er mit, Berns Botanischen Garten vor seiner unsicheren Zukunft zu retten. Als Stiftungsratspräsident ist er bis heute beim Boga engagiert. Gemeinsam mit anderen Vertretern der Wirtschaft setzte er sich 2011 gar für die Ständeratskandidatur von ­Sozialdemokrat Hans Stöckli ein. Auch weibelte er vehement für den Papiertiger Hauptstadtregion Bern und diktierte der «Berner Zeitung» Sätze wie: «Die ­Zeiten grosser Berner Firmen sind vorüber.» «Dass der ländliche Teil Bern bremst, ist evident.» Oder: «Ja zur Hauptstadtregion zu sagen, bedeutet, schwierige Entscheide zu fällen. Zum Beispiel zu einer Subvention an eine Mehrzweckhalle im ländlichen Kantonsteil Nein zu sagen und dafür das Stadttheater noch stärker zu unterstützen.»

Bratschi und der Wasserfall

Selbst den Kampf gegen einen Wasserfall im Elfenaupark liess sich Peter ­Bratschi nicht nehmen, fuhr den Stadtbehörden im letzten Frühling an den Karren und sprach von «planerischem Wildwuchs». Erfolgreich war er in diesem Fall allerdings nicht. Das Wasser plätschert seit vergangenem April.

Bleibt noch James Bond. Die Werkstätte des Anwalts im historischen, etwa 1920 am Bollwerk gebauten Sandsteingebäude ist cineastisch verewigt worden. Der 007-Streifen «On Her Majesty’s Secret Service» von 1969 zeigt nicht nur Berns Bahnhof im Bau, Schweizerhof und Brésil Bar, sondern auch den Eingangsbereich von Peter Bratschis späterer Kanzlei. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.03.2015, 09:01 Uhr

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