Aktivisten behindern Ausschaffung

Obwohl Akpene H. angeblich reiseunfähig ist, soll die Togolesin ausgeschafft werden. Dies versuchten einige Demonstranten am Mittwochmorgen zu verhindern.

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Simon Preisig@simsimst

«Rassistenpack», skandieren die knapp 20 junge Erwachsenen vor dem Regionalgefängnis bei der Schützenmatte. Den aus der Ausfahrt des Gefängnis kommenden Transporter der Securitas AG können sie damit jedoch nicht stoppen. Das Fahrzeug biegt abgeschirmt von gut 20 Polizisten auf die Hodlerstrasse ein.

Im Auto drin sitzt höchstwahrscheinlich Akpene H. Die seit sechs Jahren in der Schweiz wohnhafte Togolesin soll gemäss einem Communiqué des Kollektivs Bleiberecht Bern am Mittwoch in ihr Heimatland ausgewiesen werden. Wie in einem ebenfalls an die Medien verschickten ärztlichen Attest zu lesen ist, leidet die 60 Jahre alte Frau akut an Depressionen und posttraumatischen Belastungsstörungen. Aufgrund dieses Berichts sei eine Rückkehr für H. nicht zumutbar. Der Arztbericht ist vom Psychiatrischen Dienst Biel-Seeland Berner Jura verfasst worden. Bei der Einrichtung handelt es sich um eine Institution des Kantons Bern. Das Datum des Attests und ob seitdem weitere Abklärungen gemacht wurden, geht aus den Unterlagen jedoch nicht hervor.

Das Amt für Personenstand und Migration des Kantons Bern scheint H. für reisefähig zu halten. Zwar wollte die Behörde zum konkreten Fall keine Stellung nehmen. Gemäss der Medienmitteilung des Kollektivs ist die Togolesin aber am Montag verhaftet worden. Dies sei mit dem Ziel geschehen, die Frau möglichst schnell ausser Landes zu bringen.

Demonstranten werden eingekesselt

«Die machen eh was sie wollen, wir versuchen ein bisschen darauf aufmerksam zu machen», so einer der Aktivisten zu seinem Protest gegen die angeblich unzumutbare Ausschaffung. Die Demonstration währt jedoch nicht lange. Nachdem der Securitas-Transporter auf der Lorrainebrücke davongebraust ist, werden die Aktivisten von einer Überzahl an Polizisten eingekreist und müssen ihre Personalien angeben.

Die Fronten zwischen der Polizei und den Demonstranten wirken verhärtet. «Hast du keinen besseren Beruf gefunden?», fragt einer der Festgehaltenen eine Polizistin. Gleichzeitig wird eine Person auf der anderen Strassenseite von zwei Zivilpolizisten gewaltsam zu Boden gedrückt, in Handschellen gelegt und abtransportiert. Der Mann hatte die Szene mit seinem Smartphone gefilmt.

Anhaltung wegen Gegenwehr

Kurz vor Mittag ist der Spuk dann vorbei. Die von der Polizei eingekreisten Aktivisten werden laufen gelassen. Auch der Festgenommene ist wieder auf freiem Fuss. Wie Simona Benovici von der Medienstelle der Kantonspolizei erklärt, ist die Anhaltung des Filmers nicht wegen dessen Videoaufnahmen erfolgt. «Filmen im öffentlichen Raum ist grundsätzlich nicht verboten», so Benovici. «Die Person wurde wegen der Verweigerung und Gegenwehr bei der Personenkontrolle auf eine Wache geführt.» Auf der Wache sei dann festgestellt worden, dass die Person polizeilich gesucht ist und es darum näherer Abklärungen bedurfte.

DerBund.ch/Newsnet

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