«A pleasant city to smoke a cigarette»

Film

Hollywood ist zu Gast in Bern – dank der Verfilmung von Pascal Merciers Bestseller «Nachtzug nach Lissabon». Oscar-Preisträger Jeremy Irons lobt die Stadt über Gebühr.

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Peter Bieri alias Pascal Mercier und Jeremy Irons – der Berner Autor und der Oscar-Gewinner. Es ist ein ungleiches Paar, das sich heute Nachmittag im «Salon Royal» des Berner Nobelhotels Bellevue vor der Presse präsentiert und Auskunft gibt über die Verfilmung von Merciers Besteller «Nachtzug nach Lissabon».

Der «Nachtzug nach Lissabon» nimmt seinen Anfang auf der Kirchenfeldbrücke. Der Lateinlehrer Raimund Gregorius, im Film von Irons verkörpert, begegnet dort einer schönen Portugiesin und der «Nachtzug» rollt an.

«Wunderschöne Stadt»

Die Bundeshauptstadt war während der vergangenen Tage nun auch die erste Station des Filmteams, das Bieris Roman auf Leinwand bringt. Am Sonntag fingen die Kameras des dänischen Regisseurs Bille August die schicksalhafte Begegnung auf der Kirchenfeldbrücke ein, gedreht wurde aber auch im Gymnasium Kirchenfeld selber, in einer Altstadtwohnung, im Buchantiquariat Wild und am Hauptbahnhof.

Während Jeremy Irons im Blitzlichtgewitter der Kameras eher gelangweilt wirkt, scheint Peter Bieri nicht ganz in seinem Element. Die Fragen der Journalisten beantwortet er zurückhaltend, während Irons bald ins Schwärmen gerät.

Jeremy Irons findet Bern eine «wunderschöne Stadt». Angenehm nicht nur fürs Filme drehen, sondern auch einfach um draussen an der Sonne eine Zigarette zu rauchen, oder shoppen zu gehen. In seinen Worten: «A pleasant city to just sit outside and smoke a cigarette.»

«Die Bilder meiner Phantasie»

In die Lobeshymne auf die Bundesstadt stimmen der Reihe nach auch Regisseur und Produzenten ein. Sie preisen die zuvorkommenden Leute und die Kulisse. Bern habe vorgelegt, sagt Peter Reichenbach von der Produktionsfirma C-Films. «Wir hoffen, dass uns nun auch Lissabon mit offenen Armen empfängt.»

Peter Bieri sagt, für ihn sei es «essenziell» gewesen, in Bern zu filmen. Er sei hier aufgewachsen, im Kirchenfeld zur Schule gegangen. «Die Bilder meiner Phantasie, die sich zu dem Roman verdichtet haben, stammen von hier.»

Das Filmplakat, vor dem Filmleute und Autor auf der Podiumsbühne sitzen, zeigt einen Mann, der aus einer düsteren Bahnhofshalle hinaus ans Licht geht. Der Slogan unter dem Titel «Night Train to Lisbon» lautet: «Only when you are lost can you truly find yourself.»

Ob dieser Satz seinem Roman gerecht werde, wird Bieri von einer skeptischen Journalistin gefragt. «Diesen Satz lese ich gerade zum ersten Mal», antwortet Bieri, nachdem er sich umgedreht und das Plakat studiert hat. Es sei jedenfalls kein Zitat aus dem Buch. Und fügt an: «Um ihnen die Wahrheit zu sagen – ich kann in diesem Satz nicht viel Sinn entdecken.» Der Satz klinge gut, aber als Philosoph müsse er sagen: «konzeptionell ziemlich unkohärent».

Produzenten und Regisseur reagieren mit Lachen. Reichenbach ergreift das Wort: Es stehe ausser Frage, dass man nun eben gemeinsam mit Bieri einen Satz finden werden, der die Essenz des Buches auf den Punkt bringe. «Einen, der auch gut klingt», fügt er schmunzelnd hinzu. Man müsse aber klar sehen: Der Film sei noch nicht im Kasten und niemand wisse genau, wie er letztlich werde. «Not until you drink it, you actually smell it», ergänzt Irons.

«Der Film ist der Film, das Buch ist das Buch»

Ob er denn Einfluss darauf nehme, dass der Film seinem Buch gerecht werde, wird Bieri gefragt. „Der Film ist der Film, der Buch ist das Buch“, antwortet Bieri. Er sei ja am Drehbuch beteiligt. Wenn es aber gewisse Unterschiede gebe, sei das nicht weiter schlimm: «Ich bin zuversichtlich, dass hier ein sehr guter Film entsteht.»

DerBund.ch/Newsnet

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