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72 Massnahmen für eine bessere Integration

Sozialdirektorin Franziska Teuscher möchte, dass alle Einwohner Berns die gleichen Chancen erhalten.

Die Stadt Bern will die Integration von ausländischen Mitbürgern fördern.
Die Stadt Bern will die Integration von ausländischen Mitbürgern fördern.
Adrian Moser

Javier Mira Montes steht hinter der Theke seines Restaurants La Tribuna und hört aufmerksam zu. In der Gaststube hat Berns Sozialdirektorin Franziska Teuscher Platz genommen. «Angst», sagt die 55-jährige Grüne, «macht schlechte Politik.» Mit der Masseneinwanderungsinitiative der SVP und der Ecopop-Initiative stünden der Schweiz Abstimmungen bevor, die Ängste vor dem Fremden aufnähmen, und, «ja, auch instrumentalisieren».

«Unspektakuläre Massnahmen»

Dabei, findet Teuscher, sei die unterschiedliche Herkunft der in Bern lebenden Menschen und die damit einhergehende kulturelle Vielfalt «eine Chance für die Stadt und nicht etwas, was uns Angst machen muss». Teuscher hat ein Ziel: Sie möchte, dass die Stadt allen ihren Bewohnern – den 105'000 Schweizern und den 33'000 Ausländern aus 161 Ländern – «dieselben Chancen bietet, ihr Potenzial zu entfalten». Mit 72 Massnahmen will die Stadt diesem Ziel in den nächsten Jahren etwas näher kommen. «Integration konkret 2014–2017» heisst der Katalog, der laut Teuscher «viele kleine, unspektakuläre Massnahmen» enthält, in seiner Gesamtheit aber «eine tolle Arbeitsgrundlage» darstelle.

Die Massnahmen reichen von der Frühförderung fremdsprachiger Kinder über das Ankämpfen gegen Einlassverweigerungen in Ausgehlokalen bis zu einer detaillierteren Aufarbeitung von Daten zu Migration und Integration durch die Statistikdienste. Dass sich die Gemeinderätin zur Präsentation der Vorhaben mit dem Velo in Berns Westen aufgemacht hat, hat einen Grund: Das Restaurant La Tribuna ist das Klubhaus des Fussballvereins SC Holligen 94. Der Klub hat 2012 den städtischen Integrationspreis gewonnen – weil er seine Junioren nicht nur Fussball spielen lässt, sondern auch bei den Hausaufgaben oder der Lehrstellensuche unterstützt.

Mit über 30 städtischen Stellen arbeitete das städtische Kompetenzzentrum Integration bei der Erschaffung des Katalogs zusammen. Eine spannende, manchmal aber auch ernüchternde Arbeit sei das gewesen, sagt Ursula Heitz, die Leiterin des Kompetenzzentrums. Wieso ernüchternd? Aufgrund des Spardrucks seien die Möglichkeiten «halt einfach beschränkt», sagt Heitz. 524'000 Franken stehen ihrem Zentrum 2014 für den Fachbereich Integration zur Verfügung – 20'000 Franken weniger als 2013. So war etwa vorgesehen, dass die Stadt Personen mit geringem Einkommen bei der Finanzierung von Sprachkursen unterstützt. Dieses Vorhaben wird nun nicht umgesetzt – obwohl es laut Heitz «sehr wichtig wäre». Doch das Paket enthält auch Massnahmen, die ihr Freude bereiten. Ab diesem Jahr will die Stadt etwa an «Fokusgesprächen» Unternehmer aus der Migrationsbevölkerung und Vertreter des Wirtschaftsraums Bern zusammenbringen – ein «innovatives Projekt», findet Heitz, das helfe, die Anliegen und Potenziale ausländischer Unternehmer zu erkennen.

«Mehr wie ein Computer»

Einer dieser Unternehmer ist Javier Mira Montes, der nun auf der Veranda seines Klubhauses steht und erzählt, wie er vor bald 30 Jahren nach Bern kam, wie er als Strassenbauer und Monteur arbeitete und dann vor zwei Jahren das Klublokal übernahm. Viele Ausländer strengten sich zu wenig an, findet er. Wenn man Deutsch lerne und sich den hiesigen Gepflogenheiten anpasse, sei das Leben hier «ruhig und sicher». Und doch will er irgendwann zurück in sein Heimatdorf in der Nähe der Stadt A Coruña. Die Schweizer, sagt er, lebten «mehr wie ein Computer», sie gingen um acht Uhr zur Arbeit und um fünf direkt nach Hause statt mit den Arbeitskollegen in die Beiz. «Alles ist programmiert» sagt er und lacht. «In Galicien sind wir freier.»

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