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5,5 Millionen Nachtschwärmer ziehen durch Bern

Wie viele Clubs haben bis frühmorgens offen? Wie viel Geld spült der Verkauf von Drinks in die Kassen? Eine Studie bringt Licht ins Dunkel des Berner Nachtlebens.

Am Tag der offenen Clubtüre 2015 konnten die Partyeulen nicht nur bereits am Nachmittag auf Clubsafari gehen oder am Podium den Worten von Stadtpräsident Alex Tschäppät (SP) lauschen. Auch aus wissenschaftlicher Sicht wurde das Berner Nachtleben beleuchtet. Remo Sägesser, Präsident von Pro Nachtleben Bern, präsentierte die Studie «Wirtschaftsfaktor Kultur- und Nachtleben in der Stadt Bern» der Uni Bern.

Die Masterarbeit wartet mit beeindruckenden Zahlen auf: Die Betriebe des Berner Nachtlebens zählen hochgerechtet zirka 5,5 Millionen Gäste pro Jahr. «Die Berner Lokale bieten so pro Abend eine Kapazität von 25 000 Leuten», sagte Bonsoir-Chef Bobby Bähler, Vorstandsmitglied der Bar- und Clubkommission Buck. Er fügt an, dass die Angaben mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen seien. Aber: «Die Zahlen zeigen. Das Nachtleben hat in Bern auch wirtschaftlich grosses Gewicht.»

Getränke bringen Umsatz

An Wochenenden gehen tausende Cocktails und Biergläser über die Theken der Berner Klubs. Die Einnahmen aus der Sparte Gastronomie machen denn mit 85 Prozent auch den Löwenanteil des Umsatzes des Berner Nachtlebens aus, durch die Eintritte erzielen die Clubs nur 13 Prozent ihrer Einnahmen. Insgesamt setzten laut der Studie im Jahr 2013 die 27 untersuchten Betriebe 41,8 Millionen Franken um, hochgerechnet auf das gesamte Nachtleben in der Bundesstadt beläuft sich der Umsatz auf 158 Millionen Franken.

Zum Vergleich: Eine Studie in Zürich zeigte jüngst, dass im Nachtleben in der Partymetropole an der Limmatstadt jährlich 380 Millionen Franken umgesetzt werden. «Das Berner Nachtleben ist alles andere als langweilig. Und muss auch einen Vergleich mit Zürich nicht scheuen», sagte Tschäppät. Wie in Zürich rollt der Rubel auch in Bern besonders zur späten Stunde: Die Berner Bar- und Clubbetreiber erzielen rund 40 Prozent ihres Umsatzes nach 0.30 Uhr.

An der Studie haben 50 von 102 angeschriebenen Betrieben mitgemacht. Die Untersuchung zeigt, dass rund zwei Drittel der Lokale ihre Türen zwischen 0.30 und 3.30 Uhr schliessen. Knapp ein Viertel der Clubs hat bis fünf Uhr oder länger offen.

Baubewilligungsverfahren als Gefahr fürs Nachtleben

Obschon der Club Bonsoir weit über die Berner Stadtgrenzen bekannt ist, glaubt Bobby Bähler nicht wirklich an eine rosige Zukunft. «In Bern kann sich das Nachtleben kaum noch weiterentwickeln. Als Club muss man hochkommerziell sein, um Erfolg zu haben.» Experimente lägen kaum mehr drin, so Bähler weiter. Den Berner Ausgehlokalen macht auch die Konkurrenz zu schaffen, wie die Studie zeigt: Aus Sicht der Betriebe wird die Wettbewerbsintensität im Berner Nachtleben eher zunehmen, schreibt Studienverfasser Alain Jäger. Dauerbrenner bleibt das Thema Bauordnung und Baubewilligungsverfahren. «Wenn jemand zu einem bestehenden Klub zieht und dann über Lärm klagt, sollte man ihm dieses Recht absprechen. Gesetzlich ist es derzeit nicht möglich», so Tschäppät weiter. An der Podiumsdiskussion erntete darum einmal mehr Regierungsstatthalter Christoph Lerch Kritik. «Lerch fehlt der Mut für Experimente», so GLP-Stadtrat Claude Grosjean.

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