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Falscher Zahnarzt soll für 44 Monate hinter Gitter

Berufsverbot, Busse und Freiheitsstrafe: Das fordert der Staatsanwalt für den mutmasslich falschen Zahnarzt am Prozess in Biel.

Der Angeschuldigte bestreitet, sich jemals als Zahlarzt ausgegeben zu haben. (Symbolbild)
Der Angeschuldigte bestreitet, sich jemals als Zahlarzt ausgegeben zu haben. (Symbolbild)
Keystone

Im Prozess um einen mutmasslich falschen Zahnarzt hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Biel eine Freiheitsstrafe von 44 Monaten gefordert. Der amtliche Verteidiger beantragte Freispruch, ausser in einem Nebenpunkt.

Die Anklage wirft dem 53-jährigen Zahntechniker unter anderem vor, sieben Patientinnen und Patienten darüber getäuscht zu haben, dass er nicht die nötige Ausbildung besass, um zahnmedizinische Eingriffe vorzunehmen. Durch seine nicht fachgerechte Arbeit habe er ihnen Schmerzen bereitet und Schäden im Mundbereich verursacht.

Was wussten die Patienten?

Der amtliche Verteidiger meinte, alle Kläger hätten gewusst, dass der Beschuldigte nur Zahntechniker ist. Der niedrige offerierte Preis sei der entscheidende Grund gewesen, ihn zu wählen. Wer aber einen Nichtfachmann beauftrage, nehme in Kauf, dass etwas schief gehen könne.

Staatsanwältin Barbara Henauer betonte, der Beschuldigte habe durch sein Auftreten, seine Praxis und seine Arbeit im Mund der Patienten bewusst den Eindruck erweckt, er sei Zahnarzt. Jenen, die es besser wussten, habe er explizit erklärt, dank einer Weiterbildung dürfe er zahnmedizinische Eingriffe vornehmen. Diese Täuschung sei als gewerbsmässiger Betrug einzustufen.

Körperverletzung begangen?

Mit seinem unbefugten Arbeiten im Mund habe der Beschuldigte vorsätzlich eine leichte Körperverletzung begangen, stellte die Anklagevertreterin fest. In vier Fällen seien die Folgen so gravierend und langanhaltend gewesen, dass von einer schweren Körperverletzung ausgegangen werden müsse.

Das liess der Verteidiger nicht gelten: Keinesfalls liege eine schwere Körperverletzung vor. Sein Mandant habe zwar einige Male unbefugt im Mund gearbeitet, aber nur unter Aufsicht und Anleitung eines von ihm angestellten Zahnarztes.

Alle übrigen Arbeiten seien von den Zahnärzten ausgeführt worden. Die Kläger täuschten sich, wenn sie meinten, der Beklagte sei es gewesen. Dieser habe bloss assistiert. Denn seit 2012 habe er einen Abschluss als Dentalassistent.

Unbedingte Strafen gefordert

Ausser der fast vierjährigen Freiheitsstrafe forderte die Staatsanwältin für die weniger gravierenden Delikte eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen und eine Busse von 5000 Franken. Weiter sei der Mann mit einem Berufsverbot zu belegen, da die Gefahr bestehe, dass er rückfällig werde.

Trotz der Strafuntersuchung habe der Beschuldigte seine Tätigkeit fortgesetzt. Deshalb sei die Prognose für die Zukunft schlecht. Bedingte Strafen seien somit ausgeschlossen.

Der Verteidiger anerkannte bloss eine unrechtmässige Anästhesie und beantragte dafür eine bedingte Geldstrafe.

Schadenersatz und Genugtuung verlangt

Die Anwältin von einigen der Privatkläger gab weiter, die Geschädigten hofften, dass der Tätigkeit des Beschuldigten endlich ein Riegel geschoben werde. Sie verlangte Schadenersatzsummen von 6000 bis 55«000 Franken und Genugtuungssummen von 10«000 bis 20«000 Franken.

Im vergangenen Oktober hatten zwei Klägerinnen zum Teil unter Tränen von Schmerzen während und nach den Behandlungen berichtet. Eine Frau erzählte, sie habe sich nach einem Eingriff des Angeklagten 54 Mal nachbehandeln lassen müssen.

Das Urteil des Regionalgerichts in Biel ist für den 24. März angekündigt.

(SDA)

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