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300-jährige Wandmalereien im Berner Morell-Haus vom Feuer verschont

Der Brand im Morellhaus liess erst das Schlimmste vermuten. Doch die wesentlichen historischen Stücke sollen gerettet werden können.

Die Sanierungsarbeiten am Morellhaus wurden durch den Brand verzögert.
Die Sanierungsarbeiten am Morellhaus wurden durch den Brand verzögert.
Keystone

Der Brand im historischen Morell-Haus in der Berner Altstadt von Anfang Juli hat einen Millionenschaden angerichtet. Vom Feuer verschont blieben die erst kürzlich entdeckten, über 300 Jahre alten Wandmalereien im Obergeschoss sowie die eleganten Barocktäfer im Erdgeschoss. Wie gross aber die Schäden durch Rauch und Wasser sind, muss erst durch einen Restaurator untersucht werden, wie die Stadtberner Behörden am Mittwoch mitteilten. Die Stadt, die seit 1861 Besitzerin des Morell-Hauses ist, hofft, dass die wertvollen Ausstattungselemente mindestens teilweise erhalten und in die neuen Wohnungen integriert werden können. Im Patrizierhaus waren Renovationsarbeiten im Gang, als am Abend des 9. Juli im Dachstock des unbewohnten Gebäudes ein Feuer ausbrach. Die Feuerwehr rückte mit einem Grossaufgebot an. In der eng bebauten Altstadtgasse kamen drei Autodrehleitern zum Einsatz. Nach rund einer Stunde hatte sie die Flammen unter Kontrolle. Auch die angrenzenden Gebäude konnten geschützt werden. Ausgelöst wurde das Feuer durch einen technischen Defekt an einer Elektroinstallation im zweiten Obergeschoss. Weitere Abklärungen laufen noch.

Glück im Unglück Um das Gebäude vor Regenwasser zu schützen, wurde es mit Kunststoffplanen abgedeckt. Unterdessen haben die Arbeiten für ein Notdach begonnen. Weiter wurden die Geschossdecken mit zusätzlichen Stützen entlastet, damit der Brandschutt gefahrlos entfernt werden kann. Wie das Haus getrocknet werden soll, wird derzeit noch mit Spezialisten definiert. «Trotzdem hatten wir Glück im Unglück», meint Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross. «Die wertvollsten Stücke sollten gerettet werden können.» Wichtig sei, dass man alle demontierbaren Teile ausbaue und sie separat behandle, so Gross. Im Fall der historischen Wandtäfelung habe man diesbezüglich Glück gehabt, sagt Kurt Glanzmann, Gesamtprojektleiter Immobilien Stadt Bern und zuständig für die Sanierung. «Die Wandtäfelung konnten wir entfernen, später wird sie abtransportiert und getrocknet.» Danach könne die Wandtäfelung wieder an ihrem angestammten Platz eingesetzt werden.

Aufwendige Löscharbeiten Als die Berufsfeuerwehr Bern am Montagabend gegen halb acht beim Morellhaus eintraf, befand sich der Dachstock schon völlig in Flammen. «Unsere erste Priorität war, dafür zu sorgen, dass der Brand sich nicht ausbreitete.» Martin Allenbach, der Stellvertreter der Berufsfeuerwehr Bern weiss, dass eine brennende Baustelle Vor- und Nachteile hat: «Wir sind natürlich froh, dass es keine Personenunfälle gegeben hat.» Bei einer Baustelle fehlten Türen und Fenster, was das Löschen erschwerte. Dazu käme, dass das Löschwasser von keinem Bodenbelag aufgefangen würde. Deswegen liefe dieses direkt durch die Decke nach unten, so Allenbach. Es gebe zwar keine sichtbaren Brandschäden an der Decke, sagt Denkmalpfleger Gross. Doch durch das Löschwasser sei auch Russ vom zweiten Stock hinuntergespült worden, weswegen einige Spuren an der Decke im ersten Obergeschoss zurückblieben. Weil das Feuer bereits sanierte Gebäudeteile zerstörte oder beschädigte wird die Schadenssumme aktuell auf rund zwei Millionen Franken geschätzt. Wann die Renovation wieder aufgenommen wird, ist noch offen. Klar ist hingegen, dass sich der Bezug der neuen Wohnungen verzögern wird. Ursprünglich geplant gewesen wäre er für Mitte 2019.

SDA/kls

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