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22-Jährige verurteilt

Weil sie 2006 in Bern-Bümpliz nach einem Streit die Frau erstach, bei der sie wohnte, ist am Freitag in Bern eine 22-jährige Bolivianerin zu elf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht befand sie der vorsätzlichen Tötung schuldig.

Die Verurteilte, die laut der Gerichtspräsidentin aus wohlbehüteten Verhältnissen stammt, tötete das Opfer mit 13 Stichen in die Brust. Dieses stammte aus der Dominikanischen Republik. Beide Frauen standen unter Alkoholeinfluss, die Täterin laut ihren Aussagen auch unter Drogeneinfluss.

Die junge Frau war Ende 2005 auf der Suche nach Arbeit in die Schweiz eingereist, sie arbeitete ohne Bewilligung und durfte beim späteren Opfer wohnen. Was zum tödlichen Streit führte, ist nicht vollständig klar. Die Täterin sagte vor dem Kreisgericht Bern-Laupen aus, das Opfer habe sie beleidigt.

Laut Gerichtspräsidentin Christine Schaer steht für das Gericht aufgrund des rechtsmedizinischen Gutachtens fest, dass die junge Bolivianerin zustach, als das Opfer stark benommen oder bewusstlos am Boden lag. Wahrscheinlich sei die Angegriffene im Verlauf des Streits umgefallen.

Schaer sagte in der Urteilsbegründung, offenbar habe sich die verbale Auseinandersetzung nach dem Legen von Tarotkarten zugespitzt. Der Rechtsmediziner fand am Kopf des Opfers auch Spuren von stumpfer Gewaltanwendung. Das Gericht geht wegen des psychiatrischen Gutachtens von einer leicht verminderten Schuldfähigkeit aus.

Tat im Affekt: Weder Mord noch Totschlag

Der Staatsanwalt hatte wegen vorsätzlicher Tötung eine Strafe von 12 Jahren verlangt, der Verteidiger plädierte laut dem Staatsanwalt auf Totschlag und eine Strafe von maximal 7 Jahren. Ein Totschlag liegt vor, wenn der Täter in einer nach den Umständen entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung handelte.

Das Gericht kam laut Schaer zwar zum Schluss, die Bolivianerin sei heftig bewegt gewesen. Sie habe in dieser Situation nicht mehr weiter gewusst. Die Täterin habe aber die zum Affekt führende Gemütsbewegung selber verursacht, so dass diese nach geltender Rechtsprechung nicht entschuldbar sei. Es liege aber auch kein Mord vor, unter anderem deshalb, weil die Bolivianerin die Tat nicht geplant habe.

Kindern Genugtuung zugesprochen

Das Opfer, eine 41-jährige Frau, hinterlässt ihren Mann und zwei Kinder. Den beiden Kindern sprach das Gericht im Urteil Genugtuungen von je 20 000 Franken zu.

Die Verurteilte war geständig und befindet sich seit ihrer Auslieferung aus Italien, wohin sie nach der Tat flüchtete, im vorzeitigen Strafvollzug. Sie muss sich nun auch einer ambulanten suchtspezifischen und psychotherapeutischen Behandlung unterziehen. Dies ordnete das Gericht an.

(SDA)

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