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«Das Gastrecht missbraucht»

Der Mann, der vor einem Jahr einen Türsteher des Nachtclubs Dead End getötet hat, muss 14 Jahre ins Gefängnis. Es ist längst nicht das erste Mal, dass der Somalier die Justiz auf Trab hält.

Vor dem Dead End hat der Täter einem Mitarbeiter der Berner Notschlafstelle mit der Schere auf den Kopf des Opfers eingestochen.
Vor dem Dead End hat der Täter einem Mitarbeiter der Berner Notschlafstelle mit der Schere auf den Kopf des Opfers eingestochen.
Stefan Anderegg

Blutrausch. Drei oder vier Mal hat Gerichtspräsident Daniel Gerber dieses Wort benutzt, während er das Urteil im Prozess gegen den Mann begründete, der vor einem knappen Jahr am Henkerbrünnli in Bern einen Türsteher des Nachtclubs Dead End erstochen hatte. In einem «regelrechten Blutrausch» sei der heute 34-jährige Somalier gewesen, als er mit einer Schere sieben Mal auf sein Opfer eingestochen habe. Einer der Hiebe traf den Mann am Kopf. Die Hirnblutung führte drei Tage später zum Tod. Blutrausch. Mit diesem Wort versuchte Gerber seinen sonst eher technischen Ausführungen wohl etwas Greifbares zu geben, etwas, unter dem sich auch die vielen Zuhörer im Saal etwas vorstellen können. Berauscht war der Beschuldigte am Tatmorgen Anfang Dezember 2016 aber eher von dem, was er zuvor konsumiert hatte. Oder wie es Gerber sagte: «Es hat eine nennenswerte Alkoholisierung verbunden mit einer Drogisierung vorgelegen.»

Beschuldigter spricht von Unfall

Einige Stunden vor der Tat wollte der Beschuldigte das Dead End betreten, wurde vom Türsteher aber abgewiesen. Später, so erzählte es dieser am Dienstag vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland, kam er zurück, um ihn und das spätere Opfer zu beschimpfen. Das spätere Opfer – manchmal ebenfalls als Türsteher im Club tätig – ging darauf zum Beschuldigten, um ihm zu sagen, er solle verschwinden. Als dieser das tat, ging das spätere Opfer ihm nach und rief ihm etwas hinterher. Darauf, so der Türsteher, drehte sich der Somalier um und ging mit der Schere auf sein Opfer los. Die Staatsanwältin und nun auch das Gericht folgten weitgehend dieser Schilderung des Tatablaufs. Dem Beschuldigten hingegen schenkten sie keinen Glauben: Dieser hatte geltend gemacht, das Opfer habe ihn zuerst angegriffen, und die tödlichen Scherenstiche seien ein Unfall gewesen.

Darauf mochte das Gericht aber kaum eingehen. Die Ausführungen des Beschuldigten seien wenig glaubhaft, sagte Gerber zur Begründung. Ganz im Gegensatz zu den detaillierten Aussagen des Türstehers, der die Tat beobachtet hatte. Dieser sei glaubwürdig.

Rassismusvorwürfe gegen Gericht

Das Gericht verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren und verwies ihn danach für weitere 14 Jahre des Landes. Damit liegen die Richter nur wenige Monate unter der Forderung der Staatsanwältin. Der Verteidiger hingegen hatte, angelehnt an die Unfall-Beteuerungen seines Mandanten, lediglich 7 Jahre gefordert. Bereits am Dienstag hatte sich gezeigt, dass der Beschuldigte wenig tut, um ein gutes Bild von sich zu vermitteln. So erhob er nicht näher begründete Rassismusvorwürfe gegen das Gericht und äusserte Zweifel an der Richtigkeit der Aussagen von Gerichtspräsident Gerber. («Du erzählst nur Scheissdreck.»)

Schon mehrmals verurteilt

Bei der gestrigen Urteilsverkündung nun wurde öffentlich, dass der Somalier die Justiz auf Trab hält, seit er 2008 in die Schweiz geflüchtet ist. Sein Asylgesuch wurde abgewiesen, doch weil die Wegweisung unzumutbar wäre, durfte er als vorläufig Aufgenommener bleiben. Schon etliche Male wurde er wegen vergleichsweise harmloser Delikte verurteilt, darunter Körperverletzung, Beschimpfung und Widerhandlung gegen das Ausländergesetz. Hinzu kommt ein Urteil des Regionalgerichts Oberland wegen Vergewaltigung und etwa zehn weiteren Delikten. Dieses ist aber noch nicht rechtskräftig. Auch im Prozess wegen des Tötungsdelikts beim Dead End wurden diverse weitere Delikte mitverhandelt, darunter Brandstiftung, Sachbeschädigung, Gewalt gegen Beamte und Irreführung der Rechtspflege.

Gerichtspräsident Gerber äusserte deutlich seinen Unmut über das Gebaren des Beschuldigten. Die Tötung des Dead-End-Türstehers sei lediglich der «Peak» in dessen Verhalten seit der Einreise in die Schweiz, sagte er. «Man wird den Eindruck nicht los, dass Sie sich um die hiesige Rechtssprechung weitgehend foutieren», sagte er. «Sie haben Ihr Gastrecht in der Schweiz missbraucht.»

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