Bekennervideo von 031 wirft Fragen auf

Maskierte Täter versprayten Ende Oktober vor der Reitschule einen Bernmobil-Bus. Ein neues Video zeigt, wie skrupellos die Sprayer-Gang vorging. Die Polizei räumt Unstimmigkeiten bei der Kommunikation ein.

Rund ein Dutzend Vermummte versprayten Ende Oktober vor der Reitschule einen Bernmobil-Bus.

Rund ein Dutzend Vermummte versprayten Ende Oktober vor der Reitschule einen Bernmobil-Bus.

(Bild: Screenshot)

Adrian Müller@mueller_adrian

Rund zwei Monate nach der erneuten Graffiti-Attacke auf einen Bernmobil-Bus vor der Reitschule ist im Internet ein Bekenner-Video der Sprayer-Bande 031/OWZ aufgetaucht. Das 2,5 minütige Propagandafilmchen zeigt auf, dass der Überfall auf den Bus 21 Bremgarten–Bahnhof minutiös geplant war: Erst zündeten die Vermummten auf der Neubrückstrasse ein Feuerwerk. Dann stürmte von der Reitschule her eine Gruppe mit zwei Absperrgittern auf die Strasse und blockierte damit den Bus. Der sichtlich verdutzte Buschauffeur verharrte regungslos auf seinem Sitz; Insassen beobachteten durch die Fenster die unheimliche Szenerie. «Ich fühlte mich ohnmächtig und hatte ein mulmiges Gefühl», sagte einer der Passagiere dem «Bund».

Die Polizei hat laut Sprecher Christoph Gnägi Kenntnis von dem Video, auf dem Täter «bei der Verübung einer strafbaren Handlung» zu sehen seien. Bislang sei im Zusammenhang mit der Tat niemand angehalten worden, die Ermittlungen seien aber noch im Gang. «Bis auf die erhobenen Aussagen des Buschauffeurs sind keine Hinweise zum Hergang oder zur Täterschaft eingegangen, obwohl zum Zeitpunkt der Tat zahlreiche Personen zugegen waren.»

Polizei räumt Fehler ein

Wie der Clip weiter zeigt, verschmierten rund ein Dutzend teils mit Sturmhauben maskierte Personen den Bus auf der Seite komplett. Am Heck brachten sie den Schriftzug «Fuck the Police» an. Die Polizei blieb während der Spray-Attacke aussen vor. Im Clip ist zu sehen, wie die Vermummten den 21er-Bus weiterfahren lassen, ohne dass Einsatzkräfte direkt eingeschritten wären. Dies deckt sich mit entsprechenden Zeugenaussagen. Ganz anders tönte es in der Mitteilung der Kapo vom 31. Oktober 2015: «Durch den Mitteleinsatz konnte die Lage beruhigt werden. In der Folge gelang es den Einsatzkräften, den Raum für die Aufräumarbeiten freizuhalten und den Bus schliesslich wegfahren zu lassen.»

Die Polizei verbreitete also Informationen über den Vorfall, der sich nicht so zugetragen hatte. «Es ist richtig, dass im Nachhinein betrachtet die Darstellung des Ablaufs verkürzt und nicht ganz korrekt war», räumt Gnägi ein. Bei der Erstinformation habe man sich auf Kurznotizen und Rücksprachen mit Einsatzkräften gestützt. «Die Polizisten mussten sich bei diesem Angriff auf den Selbstschutz und die Täterschaft konzentrieren.» Darum hätten die Einsatzkräfte nicht mehr mit Sicherheit sagen können, ob der Bus vor oder nach dem «Mitteleinsatz» weitergefahren war. Diese Passage habe man seinerzeit denn auch gegenüber dem «Bund» korrigiert, so Gnägi.

Sprayer-Gang mit Hang zur Gewalt

Bereits im Juni 2013 versprayte eine Sprayer-Gruppe ein Tram im Weissenbühl und verletzte den Chauffeur mit Pfefferspray. Im Oktober desselben Jahres stoppten Personen aus dem Umfeld von 031 beim Bollwerk einen 21er-Bus und verschmierte ihn. Sprayen ist nur die sichtbarste Tätigkeit der Gang. 031 wird immer wieder in Zusammenhang mit anderen schweren Delikten gebracht. Zuletzt wurde ein mutmassliches Mitglied von 031 im März 2015 wegen eines Angriffs auf einen Polizisten verurteilt.

Der Bund

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