Frisch, cremig, scharf – vegan

Jeden Dienstagabend verwandelt sich der Breitsch-Träff in ein veganes Restaurant – dank dem Projekt Habakuk.

Der Breitschträff verwandelt sich jeden Dienstagabend in ein veganes Restaurant.

Der Breitschträff verwandelt sich jeden Dienstagabend in ein veganes Restaurant. Bild: Valérie Chételat

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Vegi, flexi oder vegan – es gibt viele Möglichkeiten, wie Mensch sich heute ernähren kann. Klar ist: Der Nachhaltigkeitsgedanke begleitet immer mehr Menschen beim Einkauf – und vermutlich zunehmend bei der Restaurantwahl. Davon profitieren dürfte das vegane Restaurant-Projekt Habakuk.

Projekt Habakuk, das sind drei Freunde auf der Suche nach einem Lokal für ein veganes Restaurant in Bern. Auf dem Weg dahin üben sie mit «Restaurant-Simulationen» im halbprivaten Rahmen, seit September kochen sie wöchentlich im Breitsch-Träff. Beworben und organisiert wird das Ganze über Facebook. Sebastian Leugger, ein Philosoph mit Doktortitel, ist derjenige mit dem Wirtepatent und amtet als Garçon, sein Bruder Tobias, Informatiker, erwirbt gerade noch das Patent und steht zusammen mit Kremena Diatchka in der Küche. Sie ist ebenfalls Informatikerin und als Chef de Cuisine fürs Menü zuständig. Noch arbeiten die drei und ihre Helfer unentgeltlich.

«Italia!» als Thema des Abends

Im Breitschträff ist das Licht gedimmt. Der mit schlichten Holztischen und weissen Lampen eingerichtete Quartiertreff macht sich gut als Restaurant. Die Tische sind herbstlich dekoriert. «Italia!» ist das kulinarische Thema des Abends. Hier wurden aber auch schon spanische, mexikanische, indische und nordafrikanische Spezialitäten aufgetischt. Manchmal verzichten die Köche auch bewusst auf Soja – damit soll mit dem Klischee aufgeräumt werden, die vegane sei eine einseitige, mit Verzicht verbundene Ernährung. Auch wir, zwei Fleisch-Esserinnen, kennen uns nicht aus im Veganismus. Darum probieren wir uns durch die ganze Karte.

Die Speisen sind an diesem Abend einzeln oder als 4-Gang-Menü (49.-) zu haben. Dazu trinken wir den Syrah Villa Veredus (5.-/dl), fruchtig und rund. Zur Vorspeise gibt es Salat, einmal als Antipasto (8.-), einmal als Contorno (5.-). Serviert wird ein ganzes Viertel eines Radicchio-Kopfs, gebettet auf Endivienblätter. Eine naturgemäss etwas bittere Angelegenheit, da dürfte die Balsamico-Glasur durchaus noch etwas süsser sein. Der Beilagensalat mit Rucola und Tomaten ist unprätentiös und gut.

Von wegen Verzicht!

Ernährungsrelevante Gesprächsthemen drängen sich auf. Endlich kann die Begleitung ihre lange gehegte Frage stellen: Dürfen Veganer Honig essen? «Man darf alles», antwortet der Wirt. Sein Kriterium sei, wie sehr sich die Bienenvölker unter der «Bewirtschaftung» mit Zuckerwasser auf unnatürliche Weise veränderten. Ein Ansatz, der uns nicht missionarisch erscheint, sondern durchaus einleuchtet. Wir kommen zu den Primi. Die Pilz-Federkohl-Lasagne (25.-) an einer Sauce aus gebratenen Tomaten und Basilikum ist geradezu cremig, während die hausgemachten Randen-Fettucine und der Broccoli (22.-) eine farbenprächtige Komposition ergeben. Im Geschmack ist der Randen zurückhaltend, intensiv sind dagegen die schwarzen Oliven, und der Peperoncino gibt eine überraschende Schärfe.

Aufmerksam erkundigt sich die Bedienung nach dem Befinden und bringt auf eigenen Vorschlag etwas mehr Olivenöl - unkompliziert in einer Espresso-Tasse. Schon fast satt, teilen wir uns den Secondo: Der Abruzzen-Eintopf (21.-) ist ein weicher Brei aus Linsen, Kürbis und Kastanien, nicht zu kräftig und leicht süss. Nach dem frischen und nicht übersüssten Dolce, einer sizilianischen Teigrolle mit Kastanien-Mandel-Tofu-Ricotta (9.50), haben wir definitiv genug. Mit übervollem Bauch verlassen wir das temporäre Restaurant. Von wegen Verzicht! (Der Bund)

Erstellt: 18.11.2012, 08:04 Uhr

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Die Rechnung, bitte

Karte: Vegane Speisen aus allen Regionen der Welt (Themenabende) und eine übersichtliche Weinkarte, hausgemachter Eistee, Bier und warme, vegane Getränke.

Preise: Beilagen und Vorspeisen Fr. 5 bis 15, Hauptspeisen Fr. 15 bis 25, Dessert ab Fr. 5.

Kundschaft: Veganer, Vegetarier, Flexitarier oder Fleischesser, die sich davon überzeugen wollen, dass vegan nicht eintönig sein muss.

Öffnungszeiten: Dienstags von 18 bis 23 Uhr, bis Ende 2012 (geschlossen am 4. und 25.12.), mit oder ohne Anmeldung an info@projekthabakuk.ch oder unter Tel. 079 534 17 91.

Adresse: Breitschträff, Breitenrainplatz 27, 3014 Bern. www.projekthabakuk.ch

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