«Eine Minderheit zerstört alles»

Die Divino-Bar gewährt nach 22 Uhr nicht mehr jeder Person Zutritt. Man reagiere so auf die allabendlich aufgeheizte Stimmung in der Aarbergergasse.

Hier kommt nicht jeder rein: Fussballfans während der WM vor der Divino-Bar.

Hier kommt nicht jeder rein: Fussballfans während der WM vor der Divino-Bar.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Bei der Divino-Bar hängt ein Plakat neben den Eingängen, das eine deutliche Sprache spricht: Ab 22 Uhr wird Personen der Zutritt ins Lokal verwehrt, die die Betreiber zu wenig gut kennen, ein Gewaltpotenzial aufweisen oder beim Ryfflibrunnen, der direkt vor der Bar ist, «durch unkorrektes Verhalten auffallen». Diese Massnahme sei nötig, sagt Fritz Affolter, Geschäftsführer der Divino-Bar. «Meine Frau und ich haben 2005 die Bar übernommen. Was in den letzten Monaten an den Wochenenden passiert ist, kann man nicht in Worte fassen.»

Immer wieder seien Taschendiebe, Drogenhändler oder sonstige Unruhestifter zur späten Stunde ins Lokal eingedrungen und hätten die Gäste bedroht. Auch die Toilette sei massivst demoliert worden. In regelmässigen Abständen war Affolter gezwungen, Einrichtungsgegenstände in der Toilette zu ersetzen. «Sowohl das Pissoir als auch das Lavabo wurden zerstört», sagt er. Solche Leute sind in der Bar nicht willkommen. Er sei um die Sicherheit der Gäste besorgt.

«Die Vorfälle haben Stammgäste erschreckt.» Das Plakat verdeutliche nun die Hausordnung, die als ein Element des Sicherheitskonzeptes sei, welches zur Erlangung der Betriebsbewilligung dem Regierungsstatthalteramt vorgelegt werden müsse. Diese wurde gutgeheissen. Gemäss seinen Aussagen habe sich die Situation in und vor der Bar unterdessen merklich verbessert.

«Kein gangbarer Weg»

Die Gefahr besteht, dass durch Eingangskontrollen Personen mit bestimmtem ethnischen Hintergrund der Zutritt verweigert wird. Das könnte auch bei der Divino-Bar der Fall sein. «Leider konnte ich feststellen, dass Personen mit höherer Gewaltbereitschaft sowie Taschendiebe oft aus dem Balkan bzw. aus Nordafrika sind. Dennoch wird jede Person unabhängig von ihrer Herkunft beim Einlass beurteilt», sagt Affolter. Es gehe nur um das Verhalten und das Gewaltpotenzial, das die Personen aufweisen. Wer schon mal negativ aufgefallen ist, kommt nicht rein. «Alle, die anständig sind, sind willkommen», sagt Affolter.

Jürg Häberli von der Vermittlungsstelle Nachtleben ist das ein besonderes Anliegen: «Solange gewissen Leuten nicht wegen Vorurteilen der Zutritt verwehrt wird, ist das Vorgehen der Betreiber legitim.» Er könne sich aber nicht vorstellen, dass das Beispiel Schule mache. «Das ist kein gangbarer Weg für die Bars und Clubs in der Ausgehmeile.» Schliesslich wolle man als Betrieb Geld verdienen und nicht Leute ausschliessen.

Das Divino-Team entscheidet nach gewissen Kriterien. Affolter zählt zwei auf: Erstens genüge es ihm, wenn Personen die gewaltbereiten Gruppen beim Brunnen kennen, mit ihnen plaudern und dann in seine Bar wollen. «Dann lassen wir sie nicht hinein.» Zweitens ist der Zustand entscheidend: Das Divino-Team kontrolliert am Eingang Ausweise. Falls Personen dabei negativ auffallen, sagt Affolter Nein. Findet keine Kontrolle vor dem Divino statt gilt das Gleiche für Personen die sich in der Bar aufhalten.

Problem Ryfflibrunnen

Der Ryfflibrunnen ist seit längerer Zeit ein Problem für die Bar. An den Wochenenden treffen sich spätabends immer wieder Leute, die dort Alkohol konsumieren und auch mal laut werden. Laut Betriebsbewilligung müsste Affolter nach 0.30 Uhr jene vom Brunnen wegweisen, die negativ auffallen. «Wie soll ich das als Privatperson machen? Ich bin ja keine Sicherheitskraft oder Polizist», sagt Affolter. Er habe genug damit zu tun, das Wohlbefinden seiner Gäste aufrechtzuerhalten. Am Ende sei die Brunnensituation ein Problem der Stadt. Häberli sieht es nicht so negativ. «Die Situation am Ryfflibrunnen hat sich in letzter Zeit verbessert. Die Polizei ist im Bild und kennt die Situation bestens.»

Auch Marc Heeb, Leiter der Orts– und Gewerbepolizei Bern, schlägt in die gleiche Kerbe: «Seit das Sicherheitskonzept als Teil des Konzepts Nachtleben im September eingeführt wurde, hat sich die Situation beim Brunnen erheblich verbessert.» Das Plakat am Eingang der Bar zeige aber auf, dass sich Affolter mit dem Thema Sicherheit auseinandergesetzt habe.

Der Austausch des Betreibers mit der Polizei findet rege statt. Am letzten runden Tisch, der Teil des Konzepts Nachtleben der Stadt ist, nahm Affolter zum ersten Mal teil. Er hat dabei den Ryfflibrunnen thematisiert. «Es ist eine Minderheit, die alles zerstört», sagt er. Die Polizei bei Vorfällen zu alarmieren, sei wichtig, doch könne diese «nicht mehr machen, als vorbeizukommen». Auf die Frage, inwiefern man gewaltbereite Leute von der Aarbergergasse fernhalten könne, sagt Affolter: «Man könnte höhere Bussen aussprechen. Solche, die richtig wehtun.»

Auch ein Rayonverbot sei eine Option. Häberli kann sich ein Verbot vorstellen – jedoch nur in ganz extremen Fällen. Zu höheren Bussen äussert er sich nicht: «Das ist Sache der Polizei und der Justiz.»

DerBund.ch/Newsnet

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