Bern will das Schwob-Haus nicht mehr verkaufen

Der Gemeinderat macht seinen Entschluss rückgängig und berücksichtigt das Testament einer Künstlerin.

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Der Berner Gemeinderat hat am Donnerstag eine Kehrtwende vollzogen. Noch vor einem Monat war die Stadt gewillt, das Susanne-Schwob-Haus in der Länggasse zu verkaufen.

Am Donnerstag teilte der Gemeinderat mit, dass ein Verkauf «nicht mehr im Vordergrund» stehe. Jetzt wolle man eine «langfristige Strategie für den Umgang mit dem Schwob-Haus ausarbeiten.

Dieses Gebäude am Falkenhöheweg  15 wurde vor einem halben Jahrhundert von der Kunstmalerin Susanne Schwob (1888–1967) an die Stadt Bern vererbt – mit der Auflage, dass ihre Wohn- und Arbeitsstätte zur Förderung der bildenden Künste verwendet und «nicht veräussert» werde.

Dennoch wollte die Stadtregierung die Liegenschaft, die Künstlerateliers beherbergt, verkaufen und mit dem Erlös anderorts Proberäume und Ateliers finanzieren.

Gegen den Verkauf des Hauses bildete sich Widerstand. Ein ehemaliger Mieter des Schwob-Hauses und ein Kunstschaffender schlugen vor, dass eine Stiftung das Haus für 1,3 Millionen Franken kaufen sollte.

Die Stadt verlangte jedoch 2,5 Millionen Franken. Eine Nachbarin, die Beschwerde gegen den geplanten Verkauf erhob, verlor im April vor dem Verwaltungsgericht.

Die Stadt könnte also das Haus verkaufen. Warum krebst der Gemeinderat zurück? «Ursprünglich hatte die Stadt den Eindruck, dass die Umsetzung des kulturpolitischen Ziels im Susanne-Schwob-Haus nicht möglich ist», sagt der Berner Finanzdirektor Alexandre Schmidt auf Anfrage.

Künstlerischer Output zu gering

Im Jahr 2013 lebten und arbeiteten nämlich nur drei Personen in dem Gebäude. Die Ursprungsidee, dass sich Künstler laufend die Hausschlüssel weitergeben, funktionierte nicht mehr. Auf grosser Fläche habe es einen zu geringen kulturellen Output gegeben.

«Mit den 13 Künstlern, die derzeit in diesem Haus arbeiten, konnten wir neue, positive Erkenntnisse und Erfahrungen gewinnen», sagt Schmidt. Nun würden in dem Haus «die Kulturinhalte wieder stimmen». So habe die Stadtregierung mehr Optimismus gewonnen.

Dennoch möchte die Stadt am Rotationsprinzip festhalten. «So würden die im Haus tätigen Künstler immer wieder wechseln», sagt Schmid. Zusätzlich will die Stadt ein Vermietungskonzept festlegen, das präzisieren soll, «welche bildenden Künstlerinnen und Künstler unter welchen Voraussetzungen Arbeitsateliers mieten können».

Sanierung notwendig

Laut der Abteilung Kulturelles der Stadt Bern ist das Susanne-Schwob-Haus «in gewissen Bereichen in einem schlechten Zustand». Die Fassade bröckle, und bei Regen bilden sich im Wintergarten kleine Pfützen. «Nun werden wir schauen, welche Bestandteile des Hauses baufällig sind, um anschliessend Kostenvoranschläge einzuholen und die Finanzierung zu prüfen», kündigt Schmidt an.

Der Bund

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