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Stadt greift für neuen Car-Terminal in die Tasche

6,6 Millionen Franken kostet der Ausbau des Terminals im Berner Neufeld. Die Stadt übernimmt 4,6 Millionen Franken. Busunternehmer wie Flixbus drücken sich.

Der heutige Ausbaustandard im Neufeld muss als rudimentär bezeichnet werden.
Der heutige Ausbaustandard im Neufeld muss als rudimentär bezeichnet werden.
Stefan Anderegg

Unbefriedigend und unattraktiv, so nennt die Stadt Bern das Providurium für Fernbusse im Neufeld. Von Benutzern des Car-Terminals sind auch kräftigere Ausdrücke zu hören wie etwa Hinterhof, Unort oder Schandfleck. Nun will der Gemeinderat für die Verbesserung der Infrastruktur, die derzeit aus Containern und mobilen Plastiktoiletten besteht, maximal 4,6 Millionen Franken ausgeben. Das sind 70 Prozent der Baukosten von 6,6 Millionen Franken. Darüber befinden muss der Stadtrat. Verantwortlich für Bau und Betrieb des Terminals ist die Autoeinstellhalle Waisenhausplatz AG (Awag), deren Aktien mehrheitlich im Besitz der Stadt Bern sind.

Fernbusse als Ergänzung

Die Stadt sei zum Schluss gekommen, dass Fernbusse ein «kollektives, komplementäres und effizientes Reisemittel» darstellten, sagt Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL). Es sei ein günstiges Zusatzangebot zum Zug und werde auch von der Berner Bevölkerung genutzt. Zu denken sei an die Migrationsbevölkerung von der iberischen Halbinsel oder Ex-Jugoslawien. Für sie sei der Fernbus oft die einzige Alternative zum Auto. Ein weiteres Zielpublikum seien Seniorinnen und Senioren als Teilnehmer von Busfernreisen. «Darum befürworten wir die Investition, auch wenn wir im Stadtrat noch Überzeugungsarbeit leisten müssen.»

In der Vergangenheit hiess es im Rat, es sei nicht Aufgabe der öffentlichen Hand, Infrastrukturanlagen für Unternehmen wie Flixbus oder Domo zu finanzieren. Diese sollten selber zahlen. Doch mit dieser Forderung stiess die Stadt bei den Unternehmen auf taube Ohren. «Eine alleinige Finanzierung durch die Busunternehmen funktioniert nirgends in der Schweiz und auch nicht im nahen Ausland», so von Graffenried. Immerhin werde der Betrieb aber durch Gebühren der Fernbus-Branche mitfinanziert.

Die Stadt hat auch zahlreiche andere Standorte geprüft. Zentral gelegen wäre etwa die Postautostation auf dem Dach des Hauptbahnhofs. Das scheiterte aber bereits an der Höhe der Reisecars, die Durchfahrten sind zu niedrig. Zudem wäre es fraglich, ob dort genügend Platz vorhanden wäre. Letztlich schnitt das Neufeld bei der Evaluation am besten ab. Innenstadt und Eisenbahnverbindungen sind mit den Buslinien 11 und 103 gut zu erreichen. Das Bundesamt für Strassen (Astra) ist bereit, das Areal längerfristig zur Verfügung zu stellen. Ihm gehört das Gelände.

Mit der Planung für den Ausbau sei man schon relativ weit, sagt Awag-Geschäftsführer Jacques Chèvre. Das Areal soll Platz bieten für mindestens 14 überdachte Haltekanten, zudem ist ein Infrastrukturgebäude mit Toiletten, Verpflegungsmöglichkeit und Warteräumen vorgesehen. «Wir finanzieren die fehlenden zwei Millionen Franken aus eigenen Mitteln und tragen auch das Risiko für den Betrieb», sagt Chèvre. Mit Widerstand in der rot-grünen Stadt sei zu rechnen. Es sei klar, dass der Ausbau von Velowegen populärer sei. «Ich glaube aber, dass die Leute sehen können, dass der heutige Zustand nicht mehr haltbar ist.»

«Besser als zu fliegen»

Bei der SP ist keine grundsätzliche Opposition auszumachen. «In Bern gibt es für Cars aktuell keine gute Lösung», sagt Co-Präsidentin Edith Siegenthaler. «Deshalb ist es richtig, dass die Stadt dafür sorgt, dass sich dies ändert.» Der Terminal werde gerade auch von Menschen mit kleinen Budgets für Reisen nach Osteuropa oder nach Spanien benutzt. «Das ist sicher die bessere Variante als zu fliegen.» Die SP verlangt aber, dass die Unternehmen wie Flixbus auch finanziell in die Pflicht genommen werden. Geradezu begeistert ist die CVP: «Endlich tut sich etwas bei der traurigsten Visitenkarte für Bern- Besuchende.»

Das Geschäft mit Reisebussen wächst. Die Infrastruktur ist aber nicht nur in Bern ungenügend. Der Nationalrat hat mit einer Motion verlangt, der Bund solle ein nationales Konzept für die Terminals vorlegen. Der Ständerat hat sich jedoch dagegen ausgesprochen. Trotzdem will Stadtpräsident von Graffenried die Hoffnung auf Bundeshilfe nicht begraben. «Es ist durchaus möglich, dass der Bund über kurz oder lang die Infrastruktur für Fernbusse mitfinanziert.»

Für die Modernisierung des Terminals braucht es eine Zonenplanänderung, darüber wird das Stimmvolk an der Urne befinden. Mit dem Baustart ist frühestens in der zweiten Hälfte 2022 zu rechnen.

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