So verliert die Politik ihre Würde

Die Berner BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon kandidiert für zu viele Ämter. Der Glaubwürdigkeit der Politik erweist sie so keinen Dienst.

BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon hat politisch viel vor.

BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon hat politisch viel vor.

(Bild: Raphael Moser)

Patrick Feuz@patrick_feuz

Die Berner BDP-Regierungsrätin Beatrice Simon und ihre Partei haben lange Zeit über ihre Wählerschaft hinaus besonderen Respekt genossen. Geholfen hat das Image, eine Anti-SVP-Kraft zu sein, nicht zuletzt in politischen Stilfragen. Doch jetzt sind Simon und die BDP drauf und dran, sich selber zu schaden.

Obwohl erst vor anderthalb Jahren mit dem besten Ergebnis in die Kantonsregierung gewählt, bewirbt sich Simon gegenwärtig für jedes politische Amt, das zu haben ist. Sie will 2019 Ständerätin werden und kündigt nun im «Bund» an, auch noch für den Nationalrat zu kandidieren. Da wird einem schwindlig. Erst recht, wenn man den Strategen ihrer Partei zuhört: Nein, das Amt der Nationalrätin würde Simon bei einer Wahl nicht annehmen, in diesem Fall bliebe sie Regierungsrätin. Werde sie aber Ständerätin, wechsle sie vom Berner Rathaus ins Bundeshaus.

Die Not der BDP ist gross: Ihre besten Zeiten sind vorbei, die Zahl der Aushängeschilder – das bekannteste war Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf – wird kleiner und kleiner. Also ist die Partei froh, wenn die populäre Simon zu einer Fake-Kandidatur bereit ist, die womöglich hilft, die drei Nationalratssitze der Berner BDP zu retten.

Dass Politiker als Stimmenlieferanten für beide eidgenössischen Räte gleichzeitig kandidieren, kommt häufig vor; es ist ein legitimer Dienst an der Partei. Dass sich aber ein amtierendes Regierungsmitglied zu einem solchen Manöver hergibt, ist in der jüngeren Berner Geschichte beispiellos – und würdelos. Simon wurde als Regierungsrätin mit dem impliziten Auftrag wiedergewählt, für weitere vier Jahre ihren Job zu erledigen. Jetzt befeuert sie mit ihrem Verhalten den zynischen Eindruck: Politikern geht es nicht um die Sache, ihnen ist nicht zu trauen.

Selbst wenn die Wähler der BDP das Spiel im Wahljahr 2019 mitspielen, also das Kalkül der Parteistrategen aufgeht: Mit ihrer taktischen Doppelkandidatur tut Simon sich selber und der Glaubwürdigkeit der Politiker keinen Gefallen.

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