So erhöhte die Stadt Bern den Frauenanteil im Kader

Fast ein Drittel der Kader in der Berner Stadtverwaltung sind Frauen – ohne eine Frauenquote. Möglich wurde das unter anderem mit gezielter Talentförderung.

Es werden fleissig Plakate und Schilder gemalt für den Frauenstreik.

Es werden fleissig Plakate und Schilder gemalt für den Frauenstreik.

(Bild: Susanne Keller)

Frauen sind in Kaderpositionen deutlich untervertreten, auch bei der öffentlichen Verwaltung. Gemäss dem neusten «Schilligreport» sind dort schweizweit nur 18 Prozent der Kaderstellen mit Frauen besetzt. Darum kommt oft die Forderung nach einer Frauenquote auf. So auch in der Stadt Bern.

Im September 2012 verabschiedete der Stadtrat einen Vorstoss, der eine Quote von 35 Prozent verlangte. Damals betrug der Anteil von Frauen in Kaderpositionen 27 Prozent. Heute liegt er bei 30,3 Prozent. Was ist geschehen?

Mit Alexandre Schmidt (FDP) kam 2013 ein neuer Finanzdirektor an die Spitze der Personalpolitik. Er wollte zuerst dem Problem des tiefen Frauenanteils auf den Grund gehen und liess abklären, wie viele Bewerbungen auf Kaderstellen von Frauen eingingen. Zwischen August 2013 und Januar 2014 wurden in der Stadtverwaltung 28 Kaderstellen ausgeschrieben. Von den total 678 Bewerbungen kamen aber nur knapp 20 Prozent von Frauen. Von diesen wurden zwar 86 Prozent zu einem ersten Vorstellungsgespräch eingeladen.

Wenig Bewerberinnen

Letztlich konnten doch nur etwas mehr als ein Viertel mit Frauen besetzt werden. «Das Problem war die geringe Anzahl Bewerberinnen», sagt Schmidt im Rückblick. Er liess darum zusätzliche Massnahmen erarbeiten. Seit Mitte 2014 verfügt die Stadt über 28 Instrumente, um die Vereinbarkeit von Familie und Karriere zu vereinfachen. Dazu zählen flexible Arbeitszeitmodelle und Jobsharing.

Auch ein Vorrang für Frauen bei gleichen Qualifikationen kannte die Stadt bereits. Neu wurde in allen Stellenausschreibungen für Kaderpositionen die Möglichkeit, 80 Prozent zu arbeiten, in der Überschrift erwähnt und der Satz «Bewerbungen von Frauen sind besonders erwünscht» hinzugefügt. Die Stadt intensivierte Telearbeit, um es Kaderleuten zu ermöglichen, zu Hause zu arbeiten. Auf die Quote verzichtete sie.

Als besonders wertvoll erwies sich die Talenterhebung und spätere Förderung bei der Stadt selbst, damit sich mehr Frauen, die schon dort arbeiteten, für eine Kaderposition bewarben. Mitarbeiterinnen wurden gefördert und mit einem Karriere-Mentoring begleitet. 2015 meldeten sich mit 38 Prozent fast doppelt so viele Frauen auf Kaderstellen wie 2013. Insgesamt konnten von 36 offenen Kaderpositionen etwas mehr als die Hälfte (19) mit Frauen besetzt werden.

2016 wurde Schmidt abgewählt. Die Entwicklung hält aber unter seinem Nachfolger Michael Aebersold (SP) an, wie die Stadt auf Anfrage bestätigt. Dies obwohl die Wechselrate bei den Frauen höher ist. Die Stadt hat sich ein Zwischenziel gesetzt: Bis Ende 2020 soll der Frauenanteil im Kader 33 Prozent betragen, bis 2022 sollten die vom Stadtrat geforderten 35 Prozent erreicht werden.

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