«Rettung» der Puppen dauert länger

Der Stadtpräsident will dem Puppentheater helfen, an dringend nötiges Geld zu kommen. Für 22 weitere Kulturhäuser hat das Berner Stadtparlament am Donnerstagabend 32 Millionen Franken gesprochen.

Da Berner Puppentheater an der Gerechtigkeitsgasse.

Da Berner Puppentheater an der Gerechtigkeitsgasse.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Sophie Reinhardt@sophiereinhardt

Der Berner Stadtrat diskutierte gestern Abend über die Leistungsverträge der Berner Kulturhäuser, welche Kultursekretärin Veronika Schaller vor ihrer Pensionierung noch verhandelt hatte. An der Seite im Parlament sass gestern Abend bereits Schallers Nachfolgerin, Franziska Burkhard. Diese atmete erleichtert auf, als die Stadträtinnen und Stadträte die Verträge für die Jahre 2020 bis 2023 allesamt guthiessen. Insgesamt geht es um 32 Millionen Franken Fördermittel pro Jahr – 2,3 Millionen Franken mehr als bisher.

Kaum bestritten blieben höhere Zuwendungen etwa für das Schlachthaus-Theater und für die Kinemathek Lichtspiel. Mit anderen Erhöhungen bekundete das Parlament eher etwas Mühe. Beim Theaterfestival Auawirleben sei die Erhöhung von 330000 auf 600000 Franken jährlich vermessen, fanden FDP, Grünliberale, SVP und BDP/CVP. Sie äusserten sich skeptisch zur Wachstumsstrategie des Festivals, währenddessen andere wie etwa das Matten- oder das Puppentheater leer ausgingen. Die FDP wehrte sich auch dagegen, dem Haus der Religionen mehr Geld zuzusprechen. 200000 Franken müssten weiterhin reichen. Schliesslich sei es nicht die Aufgabe der öffentlichen Hand, einzelne Religionen zu finanzieren, sagte Tom Berger.

Grosse Halle erhält mehr

Ebenfalls auf Widerstand stiess die Erhöhung des Betriebsbeitrags für die Grosse Halle. Auch in Zukunft müsse es möglich ein, dass die Betreiber die Aktivitäten in der Halle mit einigen Grossanlässen querfinanzierten, forderten FDP und BDP/CVP. Doch die Mehrheit des Rats sprach sich für die Erhöhung von 240000 auf 260000 Franken aus.

Sprecherinnen der Ratslinken warnten davor, an einzelnen Beiträgen herumzuschrauben. Dazu fehle dem Parlament die fachliche Kompetenz. Auch sei es vermessen, einzelne Kulturinstitutionen gegeneinander auszuspielen. Die Mehrheit mit SP, GB/JA und GFL/EVP sorgte dafür, dass die Vorlage des Gemeinderats unverändert verabschiedet wurde.

Rettung verschoben

Die Frage, wie es mit der finanziellen Unterstützung für das Puppentheater und das Narrenpack-Theater weitergeht, wurde gestern im Parlament nicht endgültig beantwortet. Weil die beiden Kulturkeller keinen Leistungsvertrag haben, konnte der Stadtrat ihnen im Rahmen der Diskussion keine Mittel sprechen. Dennoch legten verschiedene Parlamentarier dem anwesenden Stadtpräsidenten Alec von Graffenried nahe, die beiden Kellertheater zu «retten». Dieser versprach, sich um die Sache zu kümmern: «Wir wollen schauen, was wir machen können», sagte er. Er könne aber nicht sagen, wie hoch die Unterstützung ausfallen werde. «Wir sind in Kontakt und werden die finanzielle Situation analysieren.»

Noch nicht unter Dach ist der Vierjahresvertrag mit der Reitschule. Er solle unter anderem mit der Sicherheitsvereinbarung und der Betriebsbewilligung koordiniert und dem Stadtrat im Lauf des Jahres vorgelegt werden, sagte von Graffenried. Geplant sei eine unveränderte Subvention, bisher betrug diese jährlich 380000 Franken.

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