Kriminalität auf Schützenmatte hat zugenommen

Die Sicherheit auf der Berner Schützenmatte hat sich trotz Belebung verschlechtert. Die Reitschule schlägt Alarm und fordert Geld für Prävention – die Stadt zeigt sich offen.

Nicht nur im Sommer ein heisses Pflaster: Die Berner Schützenmatte.

Nicht nur im Sommer ein heisses Pflaster: Die Berner Schützenmatte.

(Bild: Christian Pfander)

Allen Belebungsversuchen und Polizeieinsätzen zum Trotz hat sich die Sicherheitslage rund um die Berner Schützenmatte nicht verbessert. Im Gegenteil: Laut einem am Freitag von der Reitschule verschickten offenen Brief an den Gemeinderat haben Drogenhandel, Diebstähle, Gewalt und sexuelle Übergriffe in den letzten Monaten zugenommen. Im Schreiben ist gar von einer «explosiven Dynamik» die Rede. Dem Gemeinderat wirft die Reitschule vor, die Probleme auf der Schützenmatte allein mit Repression lösen zu wollen. Um die Situation zu verbessern, fordert die Reitschule vom Gemeinderat die Bildung einer Arbeitsgruppe, Geld für Prävention und den Verzicht auf die «fragwürdigen» Polizeieinsätze.

Stadt gibt sich dialogbereit

Dass sich die Sicherheitslage auf der Schütz in den letzten Monaten deutlich verschlechtert hat, gibt auch der Gemeinderat zu. «Die Analyse der Reitschule über die Probleme deckt sich weitgehend mit jener der Stadtbehörden», schreibt Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) in einer Stellungnahme auf den Brief. Daher seien diverse Anliegen der Reitschule «nachvollzieh- und diskutierbar». Für den Stadtpräsidenten zeigt der Brief, «dass die Reitschule bereit ist, ihren Teil der Verantwortung zu übernehmen». Die Stadt sei ihrerseits bereit, das Gesprächsangebot anzunehmen, und bestrebt, «mit der Reitschule einen umfassenden, konstruktiven und ergebnisoffenen Dialog in Gang zu setzen».

Was die Polizeieinsätze angeht, bleibt von Graffenried jedoch hart: «Aus Gründen des Schutzes der sich im Raum Schützenmatte aufhaltenden Jugendlichen ist ein entschiedenes, auch polizeiliches Vorgehen gegen den Drogenhandel erforderlich.» Eine Verbesserung der Sicherheitslage erhofft sich die Stadt weiterhin von einer Aufwertung der Schützenmatte und der Eröffnung des Jugendclubs auf der Grossen Schanze.

Von der Aufhebung der Parkplätze und der Aufwertung des Platzes hatten sich nicht nur Stadt und Gemeinderat eine Verbesserung der Sicherheitslage erhofft. Aus Sicht der Reitschule ist jedoch eher das Gegenteil eingetroffen: «Insbesondere wurde das Areal durch die Aufhebung des Parkplatzes deutlich weitläufiger, was es schwieriger macht, die Situation im Areal als Ganzes im Blick zu behalten», schreibt die Mediengruppe.

Auf die Frage, wie Prävention konkret aussehen könnte, kommt die Antwort, dass die Stadt beispielsweise jedem Betrieb, der an die Schützenmatte angrenzt, «eine 80-Prozent-Stelle» zusprechen könnte, «die sich ausschliesslich um die sozialen Phänomene im gemeinsamen Areal kümmert». Die Forderung nach sozialer Arbeit statt Polizei kommt auch beim Verein Platzkultur, der mit der Belebung der autofreien Schützenmatte beauftragt ist, gut an. «Wir unterstützen die Forderung der Reitschule nach mehr Ressourcen für zusätzliche Stellen für soziale Arbeit», sagt Platzwart Christoph Ris.

Nun gibt es in der Stadt aber bereits diverse Stellen, die sich mit Prävention befassen. Neben der Gassenarbeit etwa die Interventionstruppe Pinto (Prävention, Intervention, Toleranz). Bei der Reitschule wird diese aber eher als verlängerter Arm der Polizei angesehen. Für eine anerkennende und «akzeptierende Soziale Arbeit» sei Pinto «in ihrem heutigen Auftreten» nicht geeignet, heisst es denn auch bei der Mediengruppe.

Jugendarbeit nicht präsent

Nicht unter Repressionsverdacht steht die offene Jugendarbeit. Warum ist sie nicht auf dem Platz präsent? Sie versuchten mit ihrer Arbeit eine Beziehung zu den Jugendlichen aufzubauen, sagt Stephan Wyder, Co-Geschäftsleiter der offenen Jugendarbeit der Stadt Bern. «Auf dem Vorplatz herrscht aber eine Dynamik, bei der das schwierig ist. Viele Jugendliche stammen nicht aus Bern und möchten im Ausgang auch nicht unbedingt von Erwachsenen angesprochen werden.»

Die offene Jugendarbeit sieht ihr Wirken daher eher indirekt: Mit Angeboten in den Quartieren sollen die Schützenmatte und der Vorplatz entlastet werden. Laut Wyder finden immer wieder mit der Reitschule und der Stadt Gespräche darüber statt, wie die Jugendarbeit zur Verbesserung der Situation auf dem Vorplatz beitragen könnte. Letztlich geht es aber auch für Wyder nicht ohne Repression: «Mit den Mitteln der offenen Jugendarbeit können wir nicht verhindern, dass geklaut oder gedealt wird. Das sind ordnungspolitische Belange, für die wir nicht zuständig sind.»

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