Zubringerdienst gestattet?

Am Montag entscheidet der Grosse Rat, ob er Geld aus dem Investitionsspitzenfonds für Verkehrslösungen bei Burgdorf und Langenthal beiseitelegen soll.

Christoph Grimm steht westlich von Burgdorf an der Stelle , wo die Umfahrungsstrasse aus dem Tunnel käme.

Christoph Grimm steht westlich von Burgdorf an der Stelle , wo die Umfahrungsstrasse aus dem Tunnel käme.

(Bild: Adrian Moser)

Dölf Barben@DoelfBarben

Das Thema erinnert an einen Zombie-Film. Die Untoten sind die Umfahrungen von Burgdorf und Aarwangen, besser bekannt als Autobahnzubringer Emmental und Oberaargau. Die Projekte sind seit den 1970er-Jahren im Gespräch.

Der Zubringer Emmental würde gemäss Schätzungen 370 Millionen Franken kosten, jener im Oberaargau 170 Millionen. 2012 schien es, als seien die Projekte endgültig beerdigt worden. Der Bund versagte ihnen den Status «Nationalstrasse» – ohne Bundesgeld sind sie kaum zu finanzieren.

Doch der Grosse Rat gab nicht auf und bewilligte Planungskredite von fast sechs Millionen Franken. Damit sollen bis Ende dieses Jahres Vorprojekte erarbeitet werden, je zwei für jede Region. Eine Variante baut auf eine Umfahrung, die andere auf den Ausbau von Strassen (null plus).

Darüber hinaus ist nun plötzlich wieder viel Leben in die Debatte zurückgekehrt. Bis Ende März muss nämlich klar sein, was mit den rund 200 Millionen Franken passieren soll, die sich noch im Fonds für Investitionsspitzen befinden.

Dieser Fonds war vor fünf Jahren eingerichtet worden, um Geld aus guten Jahren auf die Seite legen zu können – für Grossprojekte. Er wurde jedoch nicht verlängert. Der Regierungsrat sieht vor, das restliche Geld für die beiden Verkehrslösungen einzusetzen.

«Sowieso nicht zielführend»

Obschon es in der Debatte von heute noch nicht darum geht, was schliesslich gebaut wird, sind manche Grossratsmitglieder alarmiert – so wie der grünliberale Christoph Grimm aus Burgdorf.

Schon 2012 hatte er sich erfolglos gegen die Planungskredite gewehrt: Statt in Projekte zu investieren, die «sowieso nicht zielführend sind» – er meinte die Umfahrungen –, solle das Geld in die Varianten null plus gesteckt werden.

«Dass es Verkehrsprobleme gibt, ist unbestritten», sagt Grimm heute, «und dass sie gelöst werden müssen, ebenso.» Nur seien Umfahrungsstrassen der falsche Weg. Nebst den eigentlichen «grünen» Gründen, welche etwa den Kulturland- und den Moorschutz betreffen, führt Grimm die Zeit ins Feld.

Und das Geld. Der Bau einer Umfahrung könnte frühestens 2022 beginnen. Und das Verkehrsproblem wäre erst mit ihrer Eröffnung gelöst – anders bei einer Variante, die auf der Verbesserung des Bestehenden basiere. Jeder Eingriff, sei es bei einer Kreuzung oder bei einem Bahnübergang, würde sofort Wirkung entfalten. «Wir hätten rascher Lösungen, und sie würden erst noch weniger kosten», sagt er, «maximal die Hälfte.»

Und: «Die Mobilität von morgen ist eine andere», sagt Grimm. Heute lerne längst nicht mehr jeder Jugendliche Auto fahren. Immer mehr Leute entdeckten, dass es andere Möglichkeiten gebe, sich in und um eine Stadt herum zu bewegen.

«Man kann sich heute die Einkäufe mit dem Velokurier nach Hause bringen lassen», sagt er – und spricht damit den Umstand an, dass ein wesentlicher Teil des Verkehrsproblems in Burgdorf «hausgemacht» sei.

Diesen Anteil gelte es zu verringern, «auf lustvolle Art», wie er sagt. Die Stadt könnte beispielsweise 1000 Elektrovelos an Leute verschenken, die sonst regelmässig mit dem Auto in der Stadt herumfahren. Einzige Auflage: Das Velo müsste bei Wind und Wetter benutzt werden.

Die Grünliberalen, Grimms Partei, haben für die heutige Debatte zu den Restmitteln des Investitionsspitzenfonds Anträge formuliert: Beide Verkehrsvarianten seien gleichwertig zu prüfen, lautet einer.

Und ein anderer: Umweltvorgaben seien ohne Ausnahmen zu berücksichtigen. Grimm ist überzeugt, dass beim Kanton mit vorgefasster Meinung geplant wird.

«Nichts gegen spielerische Ideen»

Die Burgdorfer Stadtpräsidentin und Grossrätin Elisabeth Zäch (SP) sagt, es sei jetzt nicht der richtige Moment, um Grundsatzdiskussionen zu führen, und sie wolle sich auch nicht darauf einlassen.

Wenn die Varianten Ende Jahr ausgearbeitet seien, werde solides Grundlagenmaterial zur Verfügung stehen. Auf dieser Basis werde man Vor- und Nachteile abwägen und «seriös darüber diskutieren können, was am meisten bringt».

Grimms Aussage, beim Kanton werde mit vorgefasster Meinung geplant, bezeichnet Zäch als Unterstellung. Sie wisse, dass diese Leute «seriös, mit einem Riesenengagement und ergebnisoffen» am Werk seien.

Ein paar grundlegende Punkte führt Zäch doch an: Die Verkehrsprobleme im Raum Burgdorf seien massiv, für viele sei der Leidensdruck hoch. Zudem seien viele Verkehrsprojekte bereits umgesetzt worden – gerade im Bereich des öffentlichen Verkehrs.

Durch zunehmende Verdichtung nehme der Druck auf die Region weiter zu. «Ich habe nichts gegen spielerische Ideen», sagt Zäch, «aber das hier ist kein Spiel, wir reden von einem ganzen Tal, das sich entwickeln können muss.»

Der Bund

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