Wo liegen die Plateaux de Berne?

Ein Bauprojekt in der Region zeigt lehrbuchmässig, wie man teure Wohnungen vermarktet.

Von den Plateaux aus sei die Aussicht auf die Stadt Bern wunderbar.

Von den Plateaux aus sei die Aussicht auf die Stadt Bern wunderbar. Bild: zvg

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Ist es vielleicht ein Ausflugsziel im Berner Jura? Oder eine wenig bekannte Felsformation im Saanenland? Weit gefehlt, die Plateaux de Berne sind erst im entstehen. Der erste Spatenstich fand vergangenen Monat statt. Es handelt sich um eine Terrassensiedlung gehobenen Standards, 22 Wohnungen à 3,5 bis 5,5 Zimmer.

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Wo die kleine Siedlung denn gebaut werde, fragen sich die geneigten Leser womöglich. Leider nicht in der Stadt Bern, wie der Name nahelegt. Immerhin sei von den Plateaux aus die Aussicht auf die Stadt Bern wunderbar. Dort, in der Stadt, würden sich die Wohnungen mit ihren grossen Terrassen wohl verkaufen wie warme Weggli.

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Doch angesichts des Standorts der Eigentumswohnungen müssen die Verkäufer alle Register ihres Marketingkönnens ziehen. Beim Bahnhof Bern sei man «mit dem E-Bike in 15 Minuten», verspricht die Website des Bauprojekts. Mit dem öffentlichen Verkehr sind es 20 Minuten. Und: «Alles andere liegt quasi direkt vor der Haustür.»

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Nun gut, länger können wir es nicht verheimlichen. Das «­exklusive urbane Wohnen» wird in «Bern-Ostermundigen» angeboten, und zwar im Steingrüebli, quasi am äussersten Rand der Gemeinde. Klar, Ostermundigen ist nicht als gehobene Wohn­lage bekannt. Doch lohne es sich trotzdem, dort für eine 4,5-Zimmer-Wohnung bis zu 1,7 Millionen Franken auszugeben. Das legen uns die Verkäufer des Baukonzerns Frutiger nahe – und werden ganz sinnlich: «Am sonnigen Südhang des Hättenbergs, im Sichtfeld der Überbauung Plateaux de Berne, reifen die Früchte zur Herstellung von aromatischem Pinot Noir und fruchtigem, sonnenverwöhntem Weisswein aus Müller-Thurgau- und Chasselas-Trauben.»

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So schön kann das Leben sein, in diesem Ostermundigen, dem «Tor zur Stadt». Und 2025, nur fünf Jahre nach der Fertigstellung der Siedlung, werde das neue Tram den vollen Bus ersetzen, verspricht der Baukonzern. Bei aller Marketingkompetenz hat er jedoch ein schlagendes Verkaufsargument vergessen. Der «Bund» liefert es gerne kostenlos nach: Bereits 2025 könnte Ostermundigen Teil der Stadt Bern sein – womit die Käufer dann plötzlich doch noch eine Wohnung in der Stadt Bern besitzen würden. (Der Bund)

Erstellt: 21.01.2019, 14:20 Uhr

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