Werkhof Kirchlindach wird vielleicht doch ausgelagert

Kirchlindach wiederholt die Ausschreibung – der Gemeinderat zieht das Geschäft zurück.

Der bestehende Werkhof Buchsacker ist nicht zonenkonform und weist Sicherheitsmängel auf.

Der bestehende Werkhof Buchsacker ist nicht zonenkonform und weist Sicherheitsmängel auf.

(Bild: Valérie Chételat)

Eigentlich hätte die Gemeindeversammlung von Kirchlindach am 19. Mai 2014 über die Zukunft des Werkhofs befinden sollen. Die Exekutive empfahl, diesen an einem neuen Standort selbst weiterzubetreiben. Diese Empfehlung überraschte – hatte die Gemeinde doch kürzlich eine Ausschreibung für die Auslagerung des Werkbetriebs durchgeführt und mit der Schwendimann AG eine Gewinnerin aus der Region gefunden, die mit ihren 78 Mitarbeitenden schon heute den Haus- und Gewerbekehricht in der Gemeinde entsorgt.

Nach der Prüfung des Angebots befand man aber, dass die Betriebskosten eines eigenen Werkhofs mit 579'630 Franken pro Jahr das Angebot von Schwendimann um rund 20'000 Franken unterbot. «Wir sehen keine Möglichkeit, durch die Auslagerung Kosten zu sparen», teilt die Gemeinde in der Abstimmungsbotschaft mit.

Nachofferte von Schwendimann

Mit dieser Argumentation hatte Matthias Schwendimann, Geschäftsleiter der Schwendimann AG, Mühe. Schliesslich ging er als unglücklicher Gewinner aus der Ausschreibung hervor. «Wir mussten eine Offerte für vorgegebene 5900 Arbeitsstunden einreichen. Wir wussten aber, dass wir die gewünschte Leistung mit rund 5000 Stunden erbringen können.» Dies erklärte Schwendimann auch den Gemeindevertretern. Und es hat sich gelohnt. Gestern teilte die Gemeinde mit, man werde das Geschäft zurückziehen. «Schwendimann hat eine zuverlässige Nachofferte eingereicht. Diese können wir rechtlich zwar nicht verwenden, doch nehmen wir die Hinweise auf», sagt Hans Soltermann, Gemeindeschreiber von Kirchlindach. Deshalb wird die Ausschreibung wiederholt.

Soltermann verneint aber, dass die erste Ausschreibung fehlerhaft war. «Wir haben die Stundenanzahl selbst ermittelt.» Die neue Ausschreibung wird sich nicht nach Arbeitsstunden, sondern nach einer genau definierten Dienstleistung richten. Matthias Schwendimann freut sich über den Bescheid. Er weiss aber, dass sein Unternehmen keinesfalls als Gewinnerin feststeht. «Wir hoffen, dass wir der Gemeinde nun ein passendes Angebot machen können.» Die Gemeinde wird nun an der Versammlung im Dezember entscheiden, wie sie den Werkbetrieb künftig gestalten will. Auch bei einer günstigeren Offerte kann sich das Volk gegen die Auslagerung aussprechen. Einig ist man sich darüber, dass etwas gehen muss. Der Werkbetrieb ist heute auf mehrere Standorte verteilt, was eine effiziente Arbeit erschwert. Der Hauptstandort beim Bauernhof Buchsacker ist nicht zonenkonform und genügt hinsichtlich Brandschutz und Unfallverhütung nicht. Zudem werden von vier Mitarbeitenden bald zwei Personen pensioniert. Eine Alternative zur Auslagerung bleibt die Miete eines neuen Gebäudes. Dieses hätte man mit der Halle von Steinerbus AG (Ortschwaben) gefunden. «Wir halten uns die Option offen, falls die Gemeinde im Dezember Nein zur Auslagerung sagt», so Soltermann.

Überzeugt von der Variante Auslagerung ist man in Münchenbuchsee. Dort führt Schwendimann seit 13 Jahren den Werkbetrieb. «Wegen Problemen beim Personal sowie der Infrastruktur haben wir damals die Wirtschaftlichkeit einer Auslagerung geprüft. Diese hat sich in der Vergangenheit immer wieder bestätigt», sagt Patrick Trummer, Ressortleiter Tiefbau. Trotzdem will er keine Empfehlung an die Nachbargemeinde aussprechen. Die Frage der Auslagerung müsse jede Gemeinde für sich klären.

Der Bund

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