Wenn der Flieger das Wohnhaus streift

Am Wochenende krachte ein Kleinflieger beinahe in einen Wohnblock in Belp und stürzte daraufhin ab. Die Unfallursache ist unklar – und wird es wohl noch eine Weile bleiben.

Eine Kleinmaschine ist am Samstagmittag in Belp abgestürzt. Zuvor streifte sie ein Wohnhaus.

Eine Kleinmaschine ist am Samstagmittag in Belp abgestürzt. Zuvor streifte sie ein Wohnhaus. Bild: Anthony Anex/Keystone

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Es hätte alles schlimmer kommen können. Nur ausgesprochen knapp entgingen die Bewohner des äussersten Wohnblocks der Belper Muristrasse einem Samstagmittag mit fatalen Folgen. Die Ereignisse, die sich um 12.45 Uhr abgespielt haben, hätten ein weitaus schlimmeres Ende nehmen können, wie ein Blick auf das Dach zeigt. Wo eben noch der Schornstein stand, sind nur noch Backsteintrümmer zu finden. Ziegel liegen lose herum, Teile des Giebels sind beschädigt. Verursacher des Schadens war ein Kleinflugzeug.

Wie kam es dazu? Das ist eine Frage, die sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht gänzlich beantworten lässt. Die Berner Kantonspolizei hat eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet und wird dabei von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) unterstützt. Die Informationen, die Polizeisprecher Christoph Gnägi vorliegen, sind gering.

Das Flugzeug habe sich auf dem Rückflug zum Flughafen Belp befunden. «Aus noch unbekannten Gründen streifte es dabei das Dach eines Hauses und stürzte danach in das angrenzende Feld.» Der genaue Hergang des Unfalls sowie die Frage, ob es rechtliche Konsequenzen zu tragen gibt, werden nun abgeklärt.

«Zustand nicht kritisch»

Die gelb-orangen Trümmer der zerschellten Maschine verstreuten sich auf dem Feldboden. Der 44-jährige Pilot wurde von Rettungskräften aus dem Cockpit des Wracks geborgen und per Helikopter ins Spital geflogen. Zur aktuellen gesundheitlichen Lage des Verunfallten macht die Polizei keine konkreten Angaben. Nur: «Unseren Informationen zufolge befindet er sich nicht in einem kritischen Zustand», sagt Gnägi. Ausser ihm habe sich keine weitere Person an Bord der Maschine befunden.

Laut unbestätigten Informationen des «Blicks» soll die Maschine der Segelfluggruppe Bern gehören. Gnägi will das weder bestätigen noch dementieren. «Dazu geben wir keine Auskünfte.» Stefan Zlot, Vizepräsident der Segelfluggruppe Bern, bestätigt jedoch gegenüber dem «Bund», dass das abgestürzte Flugzeug zur Flotte der Berner Segelflieger gehörte.

Dabei handelt es sich um einen einmotorigen Viersitzer, der als Schleppflugzeug eingesetzt wird. Mit diesem werden die Segelflieger durch ein 60 Meter langes Schleppseil verbunden und in die Höhe gezogen. Über die Ursachen des Unfalls weiss Zlot nicht mehr als die Polizei. Über mögliche Gründe will er nicht spekulieren. «Fliegen ist eine Angelegenheit von grosser Komplexität.»

Daher sei nie bloss eine Ursache für einen Absturz verantwortlich, dieser werde vielmehr durch eine ganze Reihe von Umständen eingeleitet. Deshalb daure es in der Luftfahrt immer lange, bis abschliessende Berichte zu Unfällen vorliegen. «In diesem Fall können die Untersuchungen über ein Jahr dauern.» Wegen des Unfalls können die Berner Segelflieger in nächster Zeit nur eingeschränkt ihrer Leidenschaft nachgehen. «Unser zweiter Schlepper befindet sich im traditionellen Segelfluglager in Saanen.»

Schwarzer Mai

Die Beinahe-Kollision zwischen Flugzeug und Haus ist nicht der einzige Zwischenfall, der sich im Zusammenhang mit Schleppflugzeugen im Raum Bern ereignet hat. 2003 trennte ein nicht aufgerolltes Verbindungsseil beim Sinkflug eine Hochspannungsleitung.

Die Stromversorgung im Raum Belp sowie in Wabern wurde unterbrochen. Zu einem dramatischeren Vorfall kam es drei Jahre darauf. Der Mai 2006 war ein pechschwarzer Monat für die Berner Segelflieger. Zuerst stürzte eine Schleppmaschine ab, wobei der Pilot unter tragischen Umständen ums Leben kam. Bloss drei Wochen später verunfallte ein Pilot an der Schweizer Segelflug-Schweizermeisterschaft in Belp tödlich. (Der Bund)

Erstellt: 17.07.2017, 21:34 Uhr

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