Was macht Herr Binggeli an der Trampressekonferenz?

Die kantonale Verkehrsdirektorin Barbara Egger warb am Montag für Tram Region Bern. Dies gemeinsam mit den Präsidenten der drei beteiligten Gemeinden – und seltsamerweise auch mit Velo-Unternehmer Thomas Binggeli.

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Simon Thönen@SimonThoenen

Die Schulferien sind vorbei, der Abstimmungskampf für Tram Region Bern kann beginnen. Gestern warben die kantonale Verkehrsdirektorin und Regierungspräsidentin Barbara Egger-
Jenzer (SP) und die Gemeindepräsidenten von Bern, Ostermundigen und Köniz für die Vorlage. Am 28. September wird das Volk dieser drei beteiligten Gemeinden über Tram Region Bern abstimmen. Allerdings läuft der Abstimmungskampf schon seit Wochen, und die Kantons- und Gemeindebehörden haben ihre Position an früheren Medienkonferenzen längst dargelegt – der «Bund» wird in seiner Serie zur Tramvorlage auf die Argumente der Befürworter und Gegner des 10er-Trams zurückkommen. Von der Pressekonferenz am Montag gibt es vorerst nur zwei Neuigkeiten zu vermelden: zum einen der Bildauftritt. Zum andern der Auftritt eines Neulings in der Tramdebatte, welcher den «Bund»-Bericht­erstatter etwas ratlos zurückliess.

Die hohe Kunst des Puzzles

Zur Illustration ihrer Argumentation setzten die Gemeindepräsidenten ein Puzzle zusammen. Der Schwierigkeitsgrad hielt sich in Grenzen. Denn die Puzzleelemente, welche die drei am Tramprojekt beteiligten Gemeinden symbolisierten, waren exakt gleich gross – wie auch der Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) mit einem gewissen Erstaunen konstatierte. Er konnte sich mit der Bemerkung eines Journalisten trösten, man sehe ja deutlich, dass Bern als 
Mittelstück das zentrale Element sei. 
In der Tat wäre das 10er-Tram gescheitert, falls das Stadberner Volk die Vorlage ablehnen sollte. Falls zum Beispiel nur das Könizer Volk ablehnte, dann würden Bern und Ostermundigen das 10er-Tram zumindest zur Hälfte bauen. Eine Aussicht, die den Könizer Gemeindepräsidenten Ueli Studer (SVP), der sich vom Skeptiker zum engagierten Befürworter des 10er-Trams gewandelt hat, offensichtlich beschäftigte. Das Trammodell müsse auch nach Köniz fahren, mahnte er. «Das wollen wir dann erst noch sehen», kommentierte Tschäppät wenig kollegial. Platzieren durfte Egger das Trammodell. «Denn letztlich ist es ein kantonales Projekt», betonte sie. In der Tat übernimmt der Kanton gemeinsam mit dem Bund den Löwenanteil der Kosten von Tram Region Bern.

Binggelis Revanche

Im übertragenen Sinn ein dekoratives Element war der fünfte Teilnehmer des Anlasses, der Könizer Velo­unter­nehmer Thomas Binggeli («Thömus Veloshop»). Er bezeichnete sich als «fremdes Element», als «kleiner und bescheidener Velounternehmer», der am Anlass «umgeben von lauter Politikerinnen und Politikern» war. Er habe sich «natürlich die Frage gestellt, warum ich eingeladen wurde». Das fragt sich auch der «Bund».

«Ich bin durchaus ein politisch interessierter Mensch», beteuerte Binggeli zwar – um sogleich nachzuschieben: «Aber die Politik überlasse ich gerne den hier anwesenden Behördenmitgliedern.» Nun haben doch etliche Velofahrer wegen der Schienen Vorbehalte gegen das Tram. Auf der Internetseite der Tramgegner wurde ihm prompt «Verrat an allen Zweiradfahrern» vorgeworfen. Allerdings dürfte Binggelis Auftritt den Gegnern des 10er-Trams wenig schaden – und den Befürwortern wenig nützen. Dazu war sein Votum dann doch zu lahm. Zum Problem der Schienen fiel ihm lediglich ein, dass dies für viele Elektrobikes (wie den von ihm entwickelten Stromer) mit ihren breiteren Reifen keine so grosse Gefahr sei. Immerhin weiss auch er, dass die Busse auf der 10er-Linie heute überfüllt sind. Ein eigenes Urteil, ob das Tram die richtige Lösung ist, traute er sich aber nicht zu. Brav gratulierte er aber den Behördenmitgliedern «für ihren Mut zum Tramprojekt». Warum also trat Binggeli am Montag auf? 
Man darf vermuten: Er revanchierte sich dafür, dass die Könizer Behörden sich für die Legalisierung seines 
Firmensitzes in Oberried eingesetzt hatten. Offensichtlich fehlte ihm aber die Zeit, sich auch noch inhaltlich mit der Vorlage zu befassen.

Der Bund

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