Von der Waldparty in Köniz kam kein Notruf

Wegen des Todes eines 15-Jährigen, der im Büschiwald bei Köniz aufgefunden worden war, laufen gegen acht Jugendliche Ermittlungen.

Vor einer Woche starb im Büschiwald ein 15-jähriger.

Vor einer Woche starb im Büschiwald ein 15-jähriger.

(Bild: Adrian Moser)

Matthias Raaflaub

In der Nacht auf Sonntag starb im Büschiwald in Köniz ein 15-Jähriger Jugendlicher bei einer Waldparty. Weshalb, ist weiterhin ungesichert. Neue Erkenntnisse zeigen aber, dass mit Sicherheit Drogen im Spiel waren, und dem jungen Opfer hätte geholfen werden können.

Die Jungendanwaltschaft hat gegen acht Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren eine Untersuchung wegen Unterlassung der Nothilfe eröffnet, wie sie am Freitag zusammen mit der Kantonspolizei Bern mitteilte. Der Tatbestand ist laut Strafgesetzbuch erfüllt, wenn jemand einem «Menschen, der in unmittelbarer Lebensgefahr schwebt, nicht hilft, obwohl es ihm den Umständen nach zugemutet werden könnte.» Offenbar reagierten die Jugendlichen nicht angemessen und liessen das Opfer alleine zurück. Gemäss der Mitteilung der Polizei muss davon ausgegangen werden, dass die Jugendlichen nämlich nie einen Notruf kontaktiert haben. Am Sonntagmorgen fand die Kantonspolizei den Jugendlichen leblos vor.

Spuren von LSD

Der genaue Hergang der Unfallnacht wird weiter untersucht. Im Büschiwald feierten Jugendliche in eine private Party. Durch «umfangreiche Ermittlungen» hat die Polizei Jugendliche befragen können, welche ebenfalls dort waren. Es sei auch zu vorübergehenden Verhaftungen gekommen, teilte die Kantonspolizei mit. Eine Person befindet sich derzeit noch in Haft. Für alle gelte die Unschuldsvermutung, schreiben Kantonspolizei und Jugendstaatsanwaltschaft.

Untersuchungen am Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern haben ergeben, dass der Jugendliche unter Drogeneinfluss gestanden hat. Gegenüber der Nachrichtenagentur SDA sagte ein Polizeisprecher, das Institut habe Spuren von LSD nachweisen können. Das Halluzinogen, auch als «acid» bekannt, ist in der Schweiz verboten. Es führt schon bei geringen Dosierungen zu lange anhaltenden Rauschzuständen. Bei Überdosierung kann es unter anderem zu Herzversagen führen. Die Todesursache ist aber nach wie vor nicht gesichert.

Der tragische Vorfall hat die Gemeinde Köniz überrascht. «Wir wissen zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr», sagt Urs Wilk, Gemeinderat von Köniz, auf Anfrage. Es sei einzig bekannt, dass der verstorbene junge Mann aus Wabern stammt. Anzeichen für ein Drogenproblem von Jugendlichen in der Gemeinde scheint es bisher nicht gegeben zu haben. An den Vorsteher der Sicherheitsdirektion der Gemeinde sind bis jetzt jedenfalls keine Signale gelangt, wonach es akute Probleme mit Drogenkonsum unter den Jugendlichen in Köniz oder mit Drogenparties im Büschiwald gebe. Es sei noch zu früh, um nach dem Vorfall Massnahmen zu treffen. «Dafür wissen wir derzeit einfach noch nicht genug», sagt Wilk. Sobald der Fall geklärt sei, werde er mit den Schulen in Kontakt treten, um herauszufinden, ob es sich um einen einzelnen tragischen Unfall handle, oder der Todesfall auf Tendenzen hinweise.

Der Bund

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