Vom Verwalten der Rebellion

Greenfield Festival

Wenig Neues, viel Volk: Das 9. Greenfield Festival verzeichnet mit 27'000 Eintritten einen Besucherrekord.

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Ane Hebeisen

Eigentlich tut man das nicht, aus der finalen Pressemitteilung eines Festivalveranstalters zitieren. Doch hier lohnt es sich, mal eine kleine Ausnahme zu machen – zu hübsch der Satz, und wahr ist er obendrein: «The Prodigy faszinierten mit einer energiegeladenen Lichtshow», steht im Schlussbulletin des Greenfield Festival 2013 geschrieben. So energiegeladen war diese Lichtshow tatsächlich, dass man damit das Städtchen Interlaken etwa ein halbes Jahr mit Licht und Wärme hätte versorgen können.

The Prodigy ist aus Sicht der Greenfield-Veranstalter augenscheinlich die einzige Elektro-Band, die man einem Stromgitarrenpublikum zumuten kann. Und nach ihrem Auftritt ist wieder einmal in Erinnerung gerufen warum. Es ist, als hätten die Erfinder des technoiden Breakbeat ihren Sound zusätzlich radikalisiert, als hätten sie ihm neue, grössere Hörner aufgesetzt. Die meisten ihrer Tracks kommen in aktualisierten, rabiateren Fassungen zur Aufführung, und die beiden Animateure Keith Flint und Maxim Reality wirken in ihrem stürmischen Aktivismus garstiger denn je. Auch wenn diese Band, ihre wegweisendsten Statements bereits vor etlichen Jahren in die Musikwelt gewuchtet hat, so verwaltet sie diese auf durchaus verdienstvolle Weise. Doch mit dem Konzert von Prodigy ist bereits Schluss mit Zukunftsweisendem am Greenfield 2013.

Fazit: Nicht viel neues

Nicht viel Neues gibt es etwa von den Haudrauf-Mannen von Slayer zu berichten. Sie klingen nach dem Tod ihres Gitarristen Jeff Hanneman exakt so, wie sie davor geklungen haben. Ihr Ersatzgitarrist Garry Holt ist nun auch schon länger dabei, und er weiss um das Kunstwollen seiner Thrash-Metal-Kollegen: Alles niederstampfen, selbst wenn es sich um Spannungsbögen oder dramaturgische Raffinessen handelt. Slayer tun dies in Interlaken immerhin mit messerscharfer Präzision. Doch will man ein Fazit ziehen aus den 48 Darbietungen des 9. Greenfield Festival und will man daraus einen Zustandsrapport der Rockmusik bosseln, dann gilt es zu konstatieren, dass sich in der Abteilung Innovation und Fortschritt erschreckend wenig zu bewegen scheint.

Vieles, was einst als extrem und aufmüpfig gedacht war, wirkt heute angestaubt und konservativ, richtig kompromisslos ist hier stellenweise nur noch das Beharren auf traditionellen Werten. 27'000 Festivalgänger hat das 9. Greenfield Festival angezogen. Das ist ein Besucherrekord. Dennoch müssen sich die Macher des ersten Spartenfestivals für die rabiate Rockmusik überlegen, ob sich dieses Publikum mit den immer gleichen Headlinern auf die Dauer bei Laune halten lässt.

Der Bund

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