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Falscher Zahnarzt zu 4,5 Jahren verurteilt - und gleich eingesperrt

Das Bieler Regionalgericht verurteilt den «falschen Zahnarzt von Biel» unter anderem wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung.

Ein Zahntechniker hatte unsachgemässe Zahnarztarbeiten im Mund von Patienten ausgeführt.
Ein Zahntechniker hatte unsachgemässe Zahnarztarbeiten im Mund von Patienten ausgeführt.
Keystone

Das Regionalgericht Berner Jura-Seeland sprach den 53-jährigen Mann am Donnerstagmorgen der mehrfachen schweren und einfachen Körperverletzung für schuldig. Auch gewerbsmässigen Betrug, Urkundenfälschung und weitere Delikte hat der Mann begangen. In einzelnen Punkten sprach das Gericht den Mann frei.

Dennoch ging das Gericht mit seinem Strafmass von 54 Monaten über den Antrag von Staatsanwältin Barbara Henauer hinaus. Sie hatte in der vergangenen Woche eine Freiheitsstrafe von 44 Monaten gefordert. Der amtliche Verteidiger des Mannes, Urs Wüthrich, hatte Freispruch beantragt, ausser in einem Nebenpunkt.

Der Zahntechniker und Dentalassistent nahm das Urteil am Donnerstag im Bieler Amtshaus äusserlich unbewegt entgegen.

Schmerzen in Praxis - und bei Nachbehandlungen

Ausführlich schilderte Gerichtspräsident Markus Gross während der zweieinhalbstündigen Urteilsverkündigung insbesondere die Leiden der vier Opfer der schweren Körperverletzung. Ihnen schliff der falsche Zahnarzt beispielsweise unnötigerweise Zähne ab und errichtete unsachgemäss Brücken.

Grosse Schmerzen erlitten diese Personen nicht nur in der Praxis des Zahntechnikers, sondern auch bei den Nachbehandlungen durch echte Zahnärzte. Diese konnten jeweils kaum glauben, was sie sahen. Unter Tränen hatte zu Prozessauftakt eine Frau von 54 Nachbehandlungen berichtet, denen sie sich habe unterziehen müssen.

Der Angeklagte selber sagte vor Gericht meistens, nicht er sei für die Probleme dieser Patienten verantwortlich, sondern die von ihm beigezogenen Zahnärzte. Das liess das Gericht gemäss den Aussagen des Gerichtspräsidenten aber nicht gelten.

Der Mann habe sich jeweils gegenüber den Kunden klar als auch für zahnmedizinische Arbeiten fähige Person ausgegeben und die Arbeiten ausgeführt. Auf den Rendez-vous-Zetteln seiner Praxis stehe auch unmissverständlich «X.Y. Zahnmedizin».

Laut der Anklage täuschte der Mann seinen Titel vor, um mehr Geld verlangen zu können. Anderseits lagen die Tarife des Zahntechnikers laut einem Opfer unter jenen echter Zahnärzte. Gerichtspräsident Gross sagte, fürs Gericht seien die Beweggründe des Mannes «schwer nachvollziehbar». Gross zitierte ein Opfer: Der Mann scheine sich von Gott zum Zahnarzt berufen zu fühlen.

«Äusserst uneinsichtig»

Die Machenschaften des falschen Zahnarzts haben in Biel schon viel zu reden gegeben. Schon 2009 klagte die Bieler Zahnarztgesellschaft, es sei «schwer verständlich», dass die Justiz das Treiben des Mannes nicht unterbunden habe. Schliesslich habe die Gesellschaft schon 2007 Strafklage eingereicht.

Staatsanwältin Henauer sagte im Verlauf des Prozesses zu diesem Vorwurf, sie habe den Auftrag, strafrechtliche Vorwürfe mit aller Sorgfalt zu prüfen. Es handle sich um einen komplexen Fall. Erschwerend komme hinzu, dass der Angeklagte immer weiter delinquiert habe, auch nach einer Beschlagnahmung seiner Instrumente.

Auch das Gericht fand gemäss Gerichtspräsident Gross, das Strafverfahren, das nicht nur von Henauer geführt wurde, habe zu viel Zeit in Anspruch genommen. Es gewährte dem Mann denn auch einen «Rabatt» von zwölf Monaten wegen Verletzung des Beschleunigungsgebots. Sonst hätte der Mann also eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren Dauer erhalten.

Diese harte Strafe begründete Gross mit dem «äusserst uneinsichtigen, unbelehrbaren und dreisten» Vorgehen des Mannes. Dieser habe sich von zwei Berufsausübungsverboten des Kantons Bern und der Schliessung seiner Praxis nicht stoppen lassen, ebenso wenig von einer einmonatigen Untersuchungshaft im Jahr 2009.

Selbst eine Vorladung zum Gericht habe den Mann nicht gebremst. Bis ins Jahr 2015 hinein hat der Mann laut Gross delinquiert. Deshalb scheine dem Gericht nicht nur ein fünfjähriges Berufsverbot angezeigt, sondern auch die sofortige Sicherheitshaft. Sonst bestehe die Gefahr, dass der Mann weitermache.

SDA/zec

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