Vermittler bügeln Fiasko aus, das die BLS angerichtet hat

Die Begleitgruppe empfiehlt Chliforst-Nord als Standort für die neue BLS-Werkstätte.

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Dölf Barben@DoelfBarben

Ein Wechsel von der Südseite der Bahnlinie auf die Nordseite. Eine Verschiebung um zwei Kilometer nach Westen. Und eine Grössenreduktion um einen Drittel: Dies sind, in aller Kürze, die Unterschiede zwischen dem ursprünglichen Plan der Bahngesellschaft BLS für eine neue Werkstätte im Westen von Bern und dem Plan, den am Dienstag die Begleitgruppe vorgelegt hat.

Die ganze Sache sieht nach nichts aus, aber es steckt sehr viel dahinter. Ihren Anfang nahm die Geschichte im Frühling 2015. Die BLS stellte überraschend Pläne für eine neue Werkstätte vor, in der sie ab 2025 ihre Züge warten wollte. Die Anlage sollte in Riedbach zu stehen kommen und hätte 20 Hektaren Land verschlungen.

Die Wogen gingen hoch – und das Hauruck-Projekt unter. In ihrer Not setzte die BLS eine «Begleitgruppe» unter der Leitung des Langnauer Gemeindepräsidenten Bernhard Antener ein. Der ehemalige Grossratspräsident scharte Dutzende Fachleute und Interessenvertreter um sich – und hat am Dienstag das Ergebnis präsentiert: Die Werkstätte sei im Chliforst zu bauen.

Dreier- statt Zweierstrategie

Der Chliforst befindet sich bei der Schiessanlage Riedbach auf Stadtberner Boden. Es sei keine Lösung, die das Prädikat «gut» verdiene, sagte Antener. Aber sie habe weniger Nachteile als andere. Nun liegt der Ball bei der BLS. Diese will, wie sie mitteilte, den Vorschlag «vertieft analysieren». Der Verwaltungsrat werde voraussichtlich bis Ende Jahr entscheiden, welchen Standort er für den Neubau «favorisiert».

Die BLS bezeichnete die Arbeit der Begleitgruppe in ihrer Mitteilung als «gewichtigen Beitrag zur Entscheidfindung». Für die BLS wird der Entscheid nicht einfach sein. Die Begleitgruppe hat nämlich ein grundlegendes Kriterium hinterfragt. Der Standort Chliforst setzt voraus, dass die BLS auf drei Werkstätten setzt und nicht nur auf zwei, wie sie das plant.

Heute hat sie vier Werkstätten: in Bönigen, Spiez, Bern-Aebimatt (beim Hauptbahnhof) und Oberburg. Vor dem Riedbach-Fiasko hatte sich die BLS für eine Zweierstrategie mit Werkstätten in Spiez und Riedbach entschieden.

Die Begleitgruppe schlägt nun vor, die Werkstätte in Bönigen weiter zu betreiben. Der entscheidende Punkt dabei: Bleiben die «schweren» Instandhaltungsarbeiten in Bönigen, entlastet dies den neuen Standort. Dieser lässt sich entsprechend kleiner konzipieren.

Geprüft wurden insgesamt 42, genauer untersucht schliesslich 5. Und zuletzt ging es noch um 2: Niederbottigen – ebenfalls in Bern-West, beim Coop-Verteilzentrum – und Chliforst. Für diesen Standort sprach sich laut Antener eine knappe Zweidrittelmehrheit der Gruppe aus. Bei diesem Entscheid sei ein übergeordneter Blickwinkel nötig, sagte er.

Betrachte man bloss Einzelaspekte wie den Kulturlandverlust, die Beeinträchtigung des Waldes oder die Betriebsökonomie, «kommt man hier nicht weiter». Gerade die Umweltverbände hätten sich einen Standort näher bei bereits bebautem Gelände gewünscht, sagte er. Sie befürchteten, die Achse zwischen der neuen Werkstätte und der Stadt werde künftig «aufgefüllt», ähnlich wie das im nicht weit entfernten Wangental der Fall war.

Das Stichwort lautet «Wangentalisierung». Weil für die neue Werkstätte eine Erschliessung von Mühleberg her vorgesehen wäre, bestehe diese Gefahr nicht, sagte Antener.

Unterirdisch schiessen

Als «innovative Idee» bezeichnte er den Vorschlag, die benachbarte 300-Meter-Schiessanlage ins Werkstattprojekt zu integrieren. Da ohnehin Terrainaufschüttungen nötig wären, könnte die Anlage unterirdisch erstellt werden. Das Gebiet, wo sie sich jetzt befindet, könnte im Gegenzug ökologisch aufgewertet und zum Teil aufgeforstet werden.

Die am Standort Chliforst-Nord nötige Rodung von rund vier Hektaren Wald bezeichnete Antener als ein «gewisses Risiko» für das Projekt. Angesichts der Rodung müssten «relativ viele Gründe» angeführt werden können, die erklärten, warum die Werkstätte ausgerechnet an diesem Standort gebaut werden müsse.

Antener liess am Dienstag durchblicken, dass er der BLS gern einen Standort im Industriegebiet von Thun vorgeschlagen hätte. Die Hindernisse waren dort aber zu gross. Als sich diese Möglichkeit zerschlug – ein Teil des Areals stand nicht zur Verfügung, ein anderer war zu klein –, war das für die Gruppe laut Antener «ein harter Schlag».

Der Bund

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