Usbekistans Botschafter reiste vergeblich an

Der Flughafen Belpmoos ist fast stillgelegt: Nostalgiker, Reisende und Mitarbeiter sind frustriert über den Konkurs der Berner Fluggesellschaft Skywork.

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Im Bernmobil-Fahrzeug von Belp an den Berner Flughafen ist gerade Ablösung an diesem grauen Donnerstagmorgen. «Es ist wirklich nichts los. Es fliegen heute gerade mal zwei Flugzeuge von Helvetic Airways», ruft die Buschauffeurin dem neuen Fahrer zu, bevor sie sich in die Pause verabschiedet. Als sich der Bus in Bewegung setzt, ist tatsächlich niemand mit Koffern oder sonstigem Gepäck zu sehen. Die dafür vorgesehene Ablage im Fahrzeug bleibt leer.

Der Busfahrer selbst hat auch gerade erst vom Grounding von Skywork erfahren. Die Berner Fluggesellschaft mit rund 100 Mitarbeitern hatte am Mittwochabend Konkurs angemeldet. Der Busfahrer fährt die Strecke fast täglich und wohnt selbst in der Nähe von Belp. Für ihn komme das überraschend.

Video: sda

Bei der Ankunft vor Ort ist auf den ersten Blick von der schweren Krise auf dem Flughafen nichts zu merken. Zahlreiche Menschen wuseln vor dem Terminal und im Café herum. Auf den zweiten Blick merkt man jedoch, dass es sich nicht um Passagiere, sondern mehrheitlich um Journalisten handelt.

Zuvor verbreitete YB noch gute Stimmung

Im Gewusel geht eine Frau mit einer orangen Leuchtweste fast unter. Sie sitzt ausserhalb des Flughafen-Cafés. Kraft- und teilnahmslos stützt sie ihr Kinn mit ihren Händen ab. «Was sollen wir denn machen, wenn wir keine Flugzeuge mehr putzen dürfen?», fragt sie ihren Arbeitskollegen. Dieser zuckt nur mit den Schultern. Wer sich den beiden nähert und eine Frage stellt, erhält die Antwort, dass sie nichts sagen dürften. «Auch wenn es viel zu sagen gäbe», fügt der Kollege noch an. Trotzdem möchte keiner der beiden in dieser angespannten Situation ihren Job noch durch eine unbedachte Aussage gefährden.

Die Frustration ist verständlich, kam doch auch für die Mitarbeiter die Hiobsbotschaft aus heiterem Himmel. Auch die Betreiber des Flughafens erfuhren laut eigenen Aussagen erst wenige Minuten vor den Medien vom Konkurs ihres Hauptkunden. Noch am Mittwoch herrschte auf dem Flughafen eine ganz andere Stimmung. Tanzend und singend kam die Mannschaft der Berner Young Boys von ihrem Erfolg aus Zagreb zürück in die Hauptstadt – mit einer Maschine von Skywork.

Der Botschafter muss auch umbuchen

Unter den Leuten im Terminal befinden sich auch zahlreiche Schaulustige. Einige ältere Herren sitzen draussen vor dem Terminal und diskutieren über die Herausforderungen auf dem Belpmoos. Einer von ihnen stellt sich vor und erzählt, wie er am frühen Morgen mit dem Auto Richtung Flugplatz gefahren sei, als er vom Grounding gehört habe. Ein weiterer redet auf eine Journalistin ein und erzählt ihr, wie sehr er es doch immer genossen hatte, wenn die Flieger über sein Haus düsten.

Obwohl Skywork und der Flughafen den betroffenen Reisenden empfiehlt, nicht anzureisen, sind einige nicht informiert, wie ein Augenschein zeigt. Allen voran der Botschafter von Usbekistan in Deutschland, der nach eigenen Aussagen nach Berlin fliegen wollte – nun muss er eine andere Route nehmen. Weiter trifft man im Café auf eine dreiköpfige japanische Familie, die nun nicht mit Skywork abheben kann.

Kurz vor Mittag trifft dann Matthias Gantenbein ein. Der CEO des Flughafens stellt sich sichtlich ermüdet den Fragen der Journalisten. 60 Prozent der Linien- und Charterflüge gehen dem Flughafen verloren, damit bricht für das Unternehmen ein Drittel des Umsatzes weg. Aufgeben wollen die Betreiber des Flughafen Belps aber nicht: Man sei bereits im Gespräch mit anderen Fluggesellschaften. Diese könnten zumindest die rentablen Linien übernehmen. Plötzlich geschieht aber doch noch etwas auf dem Flughafen Bern. Ein hochglanzpoliertes Flugzeug vom Typ Douglas DC-3 aus dem Jahre 1935 landet auf dem krisengebeutelten Flugplatz. Es ist ein Nostalgieflieger des Vereins Freunde der Swissair. Dieser hat dereinst den Untergang der einst stolzen Swissair überlebt – nun wird er wohl auch das Grounding Skyworks überstehen.

Die Nostalgieflieger fliegen munter weiter. (Aufnahme rund drei Jahre alt.) (Der Bund)

Erstellt: 30.08.2018, 15:51 Uhr

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