Trotz Schlammschicht wieder sauber

Zum ersten Mal beteiligten sich Taucher am Frühjahrsputz im Egelsee. Die Seepolizei begleitete die Aktion und hoffte, Spuren von Verbrechen sichern zu können.

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Im Schilf sitzt ein Schwanenweibchen im Nest und brütet, während sich am andern Ende des Egelsees ein ungewohntes Bild bietet. Drei Männer und zwei Frauen steigen in ihre Tauchausrüstung. Ein Schlauchboot der Seepolizei liegt bereits im Wasser. Papa Schwan schwimmt hin und verfolgt, was vor sich geht. Die Taucher drängen ins Wasser. Sobald sie die Ausrüstung angezogen haben, ist es für sie an Land zu heiss.

Auch die beiden Seepolizisten Urs Käser und Patrick Villiger entern ihr Boot, während sich Jürg Wälti und Yogev Schukrun vom Fischerverein an der Uferzone ans Werk machen. Der Sanitätspolizist Mathias Jakob hält sich an Land für alle Fälle bereit. Heute wird der Egelsee geputzt. Der Angelfischerverein Bern macht dies zwar jedes Jahr. Doch neu unterstützen freiwillige Taucher des Tauchclubs Sprungschicht-Gniesser die Fischer. Sie suchen den See an den tiefen Stellen nach Gerümpel, versenkten Velos und allerlei Unrat ab.

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Gekonnt rudert Polizist Villiger mit dem Gummiboot über den See. Sein Chef versucht, den schlammigen Grund mit einem Seespiegel abzusuchen. Ein Seespiegel ähnelt einem Trichter mit einer Glasscheibe, die dazu dient, unter Wasser den Überblick zu behalten. Doch es bleibt beim Versuch. Das Wasser sei zu trübe, sagt Käser. Die Sicht reiche nur 30 Zentimeter weit; zu wenig, um im bis zu drei Meter tiefen Wasser Müll zu finden.

Es sieht wie ein gemütlicher Nachmittag für die beiden Kantonspolizisten aus. Ihre Aufgabe ist es jedoch nicht, das Gummiboot über den See zu lenken. Sie sind verantwortlich für die Sicherheit auf und neben dem See. Falls die Taucher gar eine Wasserleiche entdecken würden, wäre es mit der Ruhe sogleich vorbei. Das geschieht zum Glück nicht.

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Es dauert nicht lange, da stösst ein Taucher auf einen ersten Fund: einen verrosteten Tresor. Er reicht ihn Jürg Wälti. «Diesen Tresor werden wir mitnehmen und untersuchen», sagt Wachtchef Käser, während Villiger das Boot ans Ufer rudert.

Die Seepolizei interessiert sich für die Putzaktion unter anderem deshalb, weil in Gewässern immer wieder Waffen oder andere Deliktgegenstände auftauchen. «Manchmal finden wir bei der gerichtspolizeilichen Untersuchung solcher Fundstücke sogar noch Hinweise auf die Täterschaft», erklärt Käser.

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Der Egelsee gilt als Naturgewässer, obwohl immer wieder Hand angelegt wird. Er ist ein Überbleibsel aus der letzten Eiszeit und ist dank einer dünnen Lehmschicht auf einer Gletschermoräne entstanden. Im 19. Jahrhundert wurde der kleine Weiher vergrössert. Die Berner nutzten ihn, um im Winter Eis zu gewinnen.

In den 1990er-Jahren ging es dem See schlecht. Mehrmals starben Fische, weil der Sauerstoffgehalt des Wassers zu tief war. Die Stadt sprach einen Kredit. Damit wurde die Uferzone neu gestaltet. Zudem wird seither der Wysslochbach, der im Sommer zu wenig Wasser führt, mit zusätzlichem Wasser gespeist. «Das hat bisher gereicht, um die Qualität des Wassers zu verbessern», sagt Sabine Tschäppeler von der städtischen Fachstelle für Natur und Ökologie.

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Der kleine See sei unter anderem für Vögel von grossem ökologischem Wert, erklärt Tschäppeler. Eisvögel, Gänsesäger und Graureiher fühlen sich hier nebst Enten und Blässhühnern wohl. Das brütende Schwanenpaar hat sich neu angesiedelt.

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Die Taucher haben wieder einen grossen Gegenstand gefunden. Jürg Wälti eilt hin und zieht das Ding an Land. Es ist ein städtischer Kehrichteimer. Vermutlich ein Nachtbubenstreich. Nahe dem ehemaligen Entsorgungshof, wo das Wasser tiefer ist, fördern die Taucher viel Müll zutage: einen Laptop, ein Bügeleisen, nochmals einen Bildschirm und haufenweise Bierdosen. Am Schluss ist eine ganze Schubkarre voll. «Für einen so kleinen Teich ist das ziemlich viel Schrott», sagt Urs Käser.

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Die Fischer und die Taucher haben den See einmal umrundet. Langsam finden sich alle beim «Hüttli» des Schosshalden-Ostring-Murifeld-Leists ein und bestaunen das aus dem Wasser gefischte Zeug. Ein Tisch mit kühlen Getränken steht bereit. Ein paar Enten watscheln ohne jegliche Scheu zwischen den Umherstehenden umher.

Der Bund

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