Tod vor Sexclub: Berner Obergericht bestätigt langen Freiheitsstrafe

Die Tötung vor dem Sexclub Lätti fällt eindeutig nicht unter Notwehr.

Die Tat geschah beim Club 3000 in der Gemeinde Rapperswil.

Die Tat geschah beim Club 3000 in der Gemeinde Rapperswil. Bild: Archiv/Keystone

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10 Jahre Freiheitsstrafe wegen vorsätzlicher Tötung: So hatte die Vorinstanz die Bluttat vor dem Sexclub Lätti in der Gemeinde Rapperswil von Mitte September 2013 beurteilt. Der Verurteilte, ein heute 44-jähriger Mazedonier, akzeptierte das Urteil des Regionalgerichts Berner Jura–Seeland vom Frühling 2015 nicht.

Sein Verteidiger Hugo Feuz gelangte im Vorfeld des oberinstanzlichen Prozesses an die Medien. Der Anwalt hatte wie schon bei der Vorinstanz einen Freispruch verlangt. Unter dem Titel «Grab oder Gefängnis?» schrieb er, sein Mandant habe sich «mit einem Taschenmesser» gegen den Angreifer gewehrt. Dieser sei quasi ins Messer gerannt und danach an den Folgen der Verletzungen gestorben.

Hätte sich sein Mandant nicht gewehrt, wäre er vermutlich selbst bei der Auseinandersetzung umgekommen: «Abwehren oder sterben?» Diesen Aspekt hob er auch in der Verhandlung vor dem Obergericht hervor. Zudem hatte er betont, dass niemand seinen Mandanten habe zustechen sehen. Der Staatsanwalt hatte eine Strafe von 12 Jahren gefordert («Bund» vom Mittwoch).

Obergericht: Keine Notwehr

Das Dreiergremium der 2. Strafkammer des bernischen Obergerichts sah dies gestern ganz anders, wie der Vorsitzende Andreas Weber gleich zu Beginn der rteilsbegründung klar machte. «Wo isch Kolleg?», habe der Angeschuldigte vor dem Sexclub Lätti berufen. «Hier bin ich», habe dieser gerufen. Das nachmalige Opfer sei später als seine Kollegen aus dem Auto ausgestiegen und habe sich dem Angeschuldigten nicht hastig, sondern langsam genähert. Anhand von Videoaufnahmen und Zeugenaussagen war für das Gericht klar, wie sich die Auseinandersetzung abgespielt hat.

Demnach gab es zwischen verschiedenen Männern im Bereich des Clubs eine Auseinandersetzung. Zwei Schweizer Kollegen und einige Salon-Damen konnten diese schlichten. Drei setzten sich danach ins Auto und fuhren weg, überlegten es sich aber anders und kehrten nach einigen Minuten zum Club zurück. Dort wartete der Angeschuldigte, der eifersüchtig war.

Täter mit Messer bewaffnet

Er war auch der einzige, der bewaffnet war, und nicht mit einem kleinen «Sackmesser», wie das Gericht befand, die Waffe habe immerhin eine Klingenlänge von 11,6 Zentimeter gehabt. Der kurze Dialog zeigt für das Gericht, dass eine «Absichtsprovokation» vorlag, dass eine Rauferei in gegenseitigem Einverständnis stattfand. Deshalb könne man nicht von Notwehr sprechen.

Im Gerangel verabreichte der Angeschuldigte einige «Schwedenküsse», also Stösse mit dem Kopf. Er selbst bekam einen Faustschlag. Mit dem Messer stach er dem Opfer in den Kopf, wobei die Klinge durch die Augenöffnung in den Schädel eindrang bis in den Hirnstamm. Das Opfer erlag trotz rascher ärztlicher Intervention den schweren Verletzungen, da eine Hauptschlagader betroffen war. Mindestens einmal trat der Angeschuldigte gegen den am Boden liegenden Kontrahenten, der laut Zeugen «wie eine Tanne» zu Boden gegangen war. Dann fuhr er mit dem Auto weg.

Das Gericht nahm nicht zwingend an, dass er den Gegner töten wollte, er habe dies aber in Kauf genommen, denn im Gerangel sei es unmöglich, mit einem Messer so zu zielen, dass es bei leichten Verletzungen bleibe. Es sei von einem Eventualvorsatz auszugehen. Da der Angeschuldigte einen Faustschlag kassiert habe, sei er zu Gegenwehr berechtigt gewesen, aber der Einsatz des Messers sei «nicht mehr nötig» gewesen. Das Obergericht bezeichnete den Täter als einen Mann, der «nicht rechtsgetreu» lebe, er habe sich schon früher etliches zuschulden kommen (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.11.2016, 18:26 Uhr

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