Techniker studieren künftig im «Klee»

Der geplante 264-Millionen-Neubau des Bieler Fachhochschulcampus Technik wird konkret: Die Zürcher Pool Architekten haben die Jury überzeugt.

Wie ein riesiges Kleeblatt soll sich der Campus ins Stadtbild einfügen.

Wie ein riesiges Kleeblatt soll sich der Campus ins Stadtbild einfügen.

(Bild: zvg)

Reto Wissmann@RetoWissmann

Als «Projekt, wie es besser nicht sein könnte», als «Leuchtturm für den Kanton Bern» und als «Meilenstein für die Entwicklung von Biel» würdigten die Verantwortlichen am Dienstag das Siegerprojekt für den geplanten Campus Technik der Berner Fachhochschule (BFH). Dieser soll bis 2021 hinter dem Bieler Bahnhof entstehen und die heute auf zehn Standorte in Biel, Bern und Burgdorf verteilten Abteilungen der Bereiche Architektur, Holz, Bau, Technik und Informatik vereinen. 54 Teams aus dem In- und Ausland hatten Ideen für diesen Campus entwickelt. Am meisten überzeugt hat die Jury das Projekt «Trèfle» der Zürcher Pool Architekten.

Aus Holz gebaut

«Trèfle» bedeutet so viel wie Klee – bei den französischen Jasskarten auch Kreuz. Die Form des Gebäudes, das dereinst rund 2000 Studierenden Platz bieten soll, lehnt sich denn auch an die Form eines dreiblättrigen Kleeblatts an. Anstatt einen riesigen Klotz zu bauen, wollen die Planer drei grosse Baukörper ineinander verschachteln und damit Offenheit gegen aussen zeigen. Die Fachleute nennen das «eine sich dreimal einstülpende Blockrandbebauung». Dadurch entstehen rund um das Gebäude verschiedene Plätze, die zum Beispiel als Aussenraum für ein Café oder die Mensa genutzt werden können.

Für den gut 23 Meter hohen, fünfstöckigen Bau soll vorwiegend Holz verwendet werden – weil der Kanton Bern als grosser Waldbesitzer einheimische Baustoffe fördern will und die BFH als einzige Schweizer Fachhochschule auch Holz­ingenieure ausbildet. Als Wetterschutz ist derzeit eine Leichtmetallfassade vorgesehen. Die Gesamterscheinung bezeichnete Angelo Cioppi, Leiter Bauprojektmanagement bei der kantonalen Bau­direktion, am Dienstag als «starkes architektonisches Zeichen».

Die Jury liess sich aber auch von den inneren Werten überzeugen. «Trèfle» schaffe eine Vielzahl von internen Begegnungsmöglichkeiten und setze die Idee eines Campus in einem zusammenhängenden Gebäude um. «Das Projekt bringt eine transparente Lernlandschaft, die Austausch nicht nur ermöglicht, sondern mit geschickt platzierten Kommu­nika­tions­punkten unumgänglich macht», sagte Baudirektorin Barbara Egger (SP). Und BFH-Rektor Herbert Binggeli hofft sogar darauf, dass der Neubau eine «massgebliche Entwicklung der Qualität von Forschung und Lehre» bringen wird.

Auch von Seiten der Stadt Biel sind die Erwartungen an den 264 Millionen Franken teuren Neubau enorm: Der Campus werde den «Charakter der Stadt entscheidend» verändern, sagte Stadtpräsident Erich Fehr (SP). Das seit der Expo.02 ziemlich unwirtliche Gebiet zwischen Bahnhof und See habe sich in den letzten Jahren bereits rasant entwickelt. Der Campus vollende nun das «Streben der Stadt in Richtung See». Der Stadtpräsident verspricht sich aber auch einen kulturellen Aufschwung durch die Studierenden und insbesondere durch die geplante Campus Hall. Dank der Firma Rolex entsteht im neuen Gebäude nicht nur eine normale Aula, sondern ein Saal für 1000 Personen, der auch für Konzerte benutzt werden kann.

Burgdorf hofft auf Kompensation

Im Frühling 2012 hatte der Grosse Rat entschieden, die technischen Bereiche der BFH in Biel zu konzentrieren. Zwei Jahre später sprach er in seltener Einstimmigkeit den Projektierungskredit von gut 24 Millionen Franken. Der Baukredit von 240 Millionen wird ihm voraussichtlich 2017 vorgelegt, so dass ein Jahr später mit dem Bau begonnen und 2021 Eröffnung gefeiert werden kann.

Ungelöst ist allerdings noch die Frage der Kompensation für die Stadt Burgdorf, die ihr «Tech» verliert. Der Kanton möchte in der Emme-Stadt ein neues Cleantech-Kompetenzzentrum aufbauen, die Skepsis in der Region ist jedoch noch gross.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt