Stadt Biel will Ausländer besser integrieren

Unter anderem sollen Mentoren, Vereine und Sozialhilfebezüger die Integration vorantreiben.

Beratung beim Berufseinstieg: Die Stadt Biel will in die Integration der ausländischen Bevölkerung investieren.

Beratung beim Berufseinstieg: Die Stadt Biel will in die Integration der ausländischen Bevölkerung investieren.

(Bild: Jockel Fink (Archiv))

Reto Wissmann@RetoWissmann

Die Stadt Biel wächst. In den letzten Jahren war allerdings praktisch ausschliesslich der ausländische Bevölkerungsteil für das Wachstum verantwortlich. Das stellt die Verwaltung vor Herausforderungen.

Sei es in den Schulen, beim Sozialdienst oder bei der Fremdenpolizei – die gegen 18'000 Ausländerinnen und Ausländer aus fast 150 Staaten zu integrieren, ist keine leichte Aufgabe. «Das Thema beschäftigt die Bevölkerung stark», sagte Sicherheitsdirektor Beat Feurer (SVP) vor den Medien.

Nachdem er bereits im Juni letzten Jahres ein theoretisches Integrationskonzept vorgestellt hatte, folgten am Montag 21 konkrete Massnahmen zu dessen Umsetzung. Der Gemeinderat hat sie aus 74 Vorschlägen ausgewählt und 50'000 Franken pro Jahr dafür gesprochen.

Ein bescheidenes Budget, wie die Integrationsbeauftragte Tamara Iskra eingestand. Allerdings komme noch eine neue Stelle für eine Fachmitarbeiterin hinzu. Und: Auf vielen Ebenen liefen bereits heute Bemühungen. Laut Iskra geht es jetzt vor allem darum, noch bestehende Lücken zu schliessen.

So sollen etwa ausländische Sozialhilfebeziehende zu «Schlüsselpersonen in der Integrationsarbeit» ausgebildet werden. Doch macht man nicht den Bock zum Gärtner, wenn man Migranten, deren wirtschaftliche Integration offenbar noch nicht gelungen ist, zur Unterstützung von anderen heranzieht?

Es gebe tatsächlich einen Interessenkonflikt, so Iskra. Viele Migrantinnen und Migranten verfügten jedoch über Fähigkeiten, die man nutzen könne, auch wenn sie finanziell noch nicht auf eigenen Beinen stünden. Feurer versuchte die Idee mit einem Vergleich zu erklären: «Schüler hören auch viel eher auf einen Mitschüler als auf einen Uniprofessor.»

Weiter will die Stadt Vereine stärker motivieren, sich für Migrantinnen und Migranten zu öffnen. Erreichen will sie das durch eine breite Information der Bevölkerung und eine gezielte Beratung der Vereine.

Innerhalb der Stadtverwaltung und des Stadtrats sollen ebenfalls vorhandene Ressourcen angezapft werden. Die Fachstelle Integration will dort Mentorinnen und Mentoren rekrutieren, die Migranten beim Berufswahlprozess oder bei der Stellensuche helfen.

Es gebe zwar bereits solche Mentoringprojekte, sagte Tamara Iskra, oft sei es aber schwierig, Mentoren zu finden.

Zwang ist nicht möglich

«Wir wollen den Leuten helfen, sich zu integrieren», sagte Beat Feurer. Zwar sprach er auch von Forderungen gegenüber den Migranten. Bei den 21 Massnahmen handelt es sich aber durchwegs um freiwillige Angebote.

«Wir haben kaum Möglichkeiten, etwas zu forcieren», so Feurer, «dafür fehlt uns im Kanton Bern die Rechtsgrundlage.» Zwar könnten zum Beispiel Sozialleistungen an Bedingungen geknüpft werden.

Obligatorische Sprachkurse für Kinder vor der Einschulung, wie sie etwas Basel kenne, seien im Kanton Bern jedoch nicht möglich. Thomas Michel, Leiter der Abteilung Soziales, sagte dazu: «Im Alltag geht es bei der Integration darum zu überzeugen.»

Der Bund

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