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Spritz-Aktion bei Schule war «ein Fehler»

Der Kanton räumt ein: Die umstrittene Behandlung der Föhren bei der Landwirtschaftsschule in Zollikofen hätte so nicht durchgeführt werden dürfen.

Föhren des Anstosses: Die Bäume bei der Hafl in Zollikofen hätten nicht mit Pestiziden besprüht werden dürfen.
Föhren des Anstosses: Die Bäume bei der Hafl in Zollikofen hätten nicht mit Pestiziden besprüht werden dürfen.

Die vier je 10'000 Franken teuren Föhren des Anstosses stehen beim Haupt­eingang der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften Hafl in Zollikofen. Die über zehn Meter hohen Bäume wurden im Zuge des Neubaus 2012 eingepflanzt. Seither rücken immer wieder maskierte Gärtner in Schutzanzügen an und besprühen die zehn Meter hohen, pflegebedürftigen Föhren mit Motorspritzen bis in die Baumwipfel – zuletzt am vergangenen Dienstag. Pflanzenbau-Professor Peter Thomet platzte darauf der Kragen.

Nur im Notfall erlaubt

Laut Angaben des Kantons ist der Einsatz von Spritzmitteln bei Unterhaltsarbeiten vertraglich untersagt. Sie dürften nur nach «Rücksprache mit dem Bauherrn und im äussersten Notfall verwendet werden». Darum hat der vom Kanton beauftragte Landschaftsarchitekt Hans Klötzli beim zuständigen Gartenbauunternehmen, der Meyer Gärten AG in Belp, nach dem gestrigen «Bund»-Artikel umgehend interveniert und eine Stellungnahme angefordert. Das Unternehmen habe darin dargelegt, dass mindestens einmal Insektizide und Fungizide gespritzt worden seien. «Die Firma hätte dies uns vorgängig melden müssen. Die Spritz-Aktionen hätten in diesem Rahmen nicht durchgeführt werden dürfen», so Klötzli. Umso mehr, als der Einsatz bei einer Schule erfolgt sei. Klötzli versteht den Ärger des Professors. «Mit ihren Anzügen sehen die Gärtner aus wie Arbeiter in Fukushima. Klar, dass dies bei der Schule für Verunsicherung sorgt.»

Kampf gegen Pilzkrankheit

Laut Urs Meyer, Inhaber der Meyer Gärten AG, sind die Föhren 2013 viermal gespritzt worden. Heuer sei zweimal eine Spritz-Aktion erfolgt. Verwendet worden sei vorwiegend biologisches Pflanzenstärkungsmittel sowie Flüssigdünger. Da die Bäume derzeit Anzeichen einer Pilzkrankheit aufwiesen, habe man nun auch Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Meyer bedauert, dass der aufsehenerregende Einsatz mit der Motorspritze bei Dozenten wie Studierenden für Verunsicherung gesorgt habe: «Wir haben es unterlassen, die Schule vorgängig zu informieren. Das war ein Fehler.»

Verstoss gegen Dienstweg

Mit diesem Eingeständnis ist die Sache für Hans Klötzli noch nicht erledigt: «Das Unternehmen hat gegen den Dienstweg verstossen. Das ist ärgerlich.» Die verwendeten Mittel seien aber allesamt vom Bundesamt für Landwirtschaft zugelassen und würden auch im Obst- und Gemüseanbau verwendet. «Der Gartenbauer hat zwar einen Fehler gemacht, aber die Umwelt nicht vergiftet», bilanziert Klötzli.

Professor Peter Thomet hofft, dass von nun an keine «Marsmenschen» bei der Hafl einfallen und Pestizide in Schutzanzügen versprühen werden. Er wird jedenfalls weiterhin ein Auge auf die mit Drahtseilen am Boden festgezurrten Bäume haben.

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