Skywork-Passagiere: Für 50 Franken nach Hause fliegen

Betroffene des Skywork-Groundings profitieren von einer freiwilligen Vereinbarung in der internationalen Luftfahrt.

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Für Passagiere, die nach dem Grounding der Fluggesellschaft SkyWork irgendwo gestrandet sind, bieten mehrere Schweizer Fluggesellschaften vergünstigte Tickets für die Rückreise an. Das Angebot gilt bis und mit 13. September.

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung (IATA) gebeten, die freiwillige Vereinbarung zur Repatriierung gestrandeter Passagiere zu aktivieren. Fluggesellschaften können dann den Gestrandeten Rückreisen zu einem reduzierten Tarif anbieten, sogenannte «Rescue fares».

Aktuell beteiligen sich die vier Fluggesellschaften Swiss, Easy Jet, Helvetic Airways und Germania an solchen Repatriierungsflügen mit «Rescue Fares» an, wie BAZL-Sprecher Urs Holderegger am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Swiss teilte am Freitag mit, dass die Airline zusammen mit Lufthansa, Austrian Airlines, Edelweiss und Brussels Airline betroffenen Passagieren Flugtickets für 50 Franken beziehungsweise Euro anbietet. Die Tickets sind gültig auf Flügen von und an Destinationen, die von SkyWork bedient wurden. Falls keine Direktverbindungen bestünden, gelte das Angebot auch via einen der Lufthansa-Hubs.

Am Mittwochabend gab die Berner Regionalfluggesellschaft SkyWork bekannt, dass sie ihren Betrieb per sofort einstellt. Die Airline ist Pleite. Direkt betroffen sind über hundert Angestellte und rund 11'000 Passagiere.

Das Grounding hat seither tausende Reisende und viele Reisebüros auf Trab gehalten. Passagiere, die über ein Reisebüro gebucht haben, werden von diesen betreut. Wer einen Direktflug bei SykWork gebucht hat, muss sich selber um die Heimreise kümmern.

Die Airline hat am Freitag in einer spärlichen Mitteilung bekannt gegeben, dass sie am Mittwoch die Bilanz beim Regionalgericht Bern-Mittelland mit Antrag auf Konkurseröffnung deponiert hat. Man sei mit dem Gericht in Kontakt. Dieses prüfe nun, ob der Konkurs zu eröffnen sei. Mit einem Entscheid rechnet SkyWork im Verlauf der kommenden Woche.

Kommen und Gehen

SkyWork erlebte finanziell ein Auf und Ab. Letzten Oktober musste die Airline ihre Flugzeuge drei Tage lang am Boden lassen, weil sie den vom Bund verlangten Finanzierungsnachweis nicht erbringen konnte. Wie dieser schliesslich zustande kam, blieb unklar.

Der Flughafen Bern-Belp ist für Fluggesellschaften wirtschaftlich kein einfaches Terrain. In den vergangenen 15 Jahren versuchten diverse Fluggesellschaften, sich dort zu behaupten.

1992 nahm die Air Engiadina ihren Betrieb auf. Weder ein Namenswechsel zu Swisswings noch eine Kooperation mit der holländischen Fluggesellschaft KLM konnte die Berner Airline retten, 2002 musste sie Konkurs anmelden.

Ein herber Rückschlag für den Berner Flughafen bedeutete der Swiss-Rückzug aus Belp: 2003 kappte die Airline ihre Verbindungen zum Flugplatz der Hauptstadt. Kürzere «Gastspiele» gaben die Fluggesellschaften InterSky, Cirrus, Air Alps und Darwin Airline.

Konkurrenzdruck

Ob nach SkyWork nochmals eine Airline mit ganzjährigen Linienflügen in Bern-Belp ansässig wird, ist mehr als offen. Helvetic prüft, ob sie Teile von SkyWork übernehmen will, wie das Unternehmen bereits am Donnerstag bekannt gab.

Helvetic ist die einzige Airline, die bisher neben SkyWork Linienflüge ab Bern-Belp anbot. Die Zürcher Fluggesellschaft bedient im Sommer ab Bern mehrere Flughäfen vor allem in Mittelmeerländern.

Der Flughafen Bern-Belp wird von Reisenden aus der Region wegen der kurzen Anreise, den minimalen Wartezeiten und seinem Komfort geschätzt. Doch die Konkurrenz der Billigflieger ist gross und viele Reisende nehmen für ein billiges Ticket die Anreise nach Zürich, Genf oder Basel ohne Weiteres in Kauf.

Der bernische Volkswirtschaftdirektor Christoph Ammann betonte am Donnerstag denn auch, dass sich gewisse Destinationen ab Bern-Belp rentabel anfliegen lassen. «Dass eine Airline mit einer anderen Heimatbasis solche Destinationen ins Angebot nimmt, erachte ich als durchaus realistisch.»

www.bazl.admin.ch (zec/sda)

Erstellt: 31.08.2018, 13:02 Uhr

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