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Skywork verscherbelt die letzte Serviette

Die konkursite Berner Fluggesellschaft versteigert im Internet ihr Hab und Gut. Bereits sind 70'000 Franken zusammen gekommen.

In den Büros von Skywork ist ausmisten angesagt.
In den Büros von Skywork ist ausmisten angesagt.
Raphael Moser

24 Fläschchen Dôle du Valais für 31 Franken, 1 Kilogramm Skywork-Bonbons für 12 Franken, 2000 weisse Papierservietten für 18 Franken.

Alles, was die Skywork Airlines AG besitzt, wird zu Geld gemacht. Obwohl das Berner Regionalgericht sie Anfang September in den Konkurs schickte, beschäftigt die Fluggesellschaft an ihrem Sitz am Südrand der Piste im Belpmoos immer noch 5 Mitarbeitende, teilweise noch fest angestellt, teilweise nur noch im Stundenlohn.

Sie räumen im Auftag des Konkursamtes Bern-Mittelland auf. Obwohl eine kleine Airline, hat sich in den Jahren einiges an Material und Vorräten angesammelt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Konkursfällen wird die Konkursmasse von Skywork zu einem grossen Teil im Internet versteigert.

«Ich arbeite erst seit Sommer bei Skywork», sagt die Mitarbeiterin, die den «Bund» durch die Räumlichkeiten führt, deshalb sei das Ende der Airline für sie nicht so emotional wie für andere. Tag für Tag fotografiert sie Dutzende Gegenstände und schreibt sie auf der Internet-Auktionsplattform Ricardo aus.

Um den Startpreis der Artikel festzusetzen, recherchiert sie jeweils kurz im Internet. So wurde bald klar, dass etwa die Trolleys bei Sammlern beliebt sind und für mindestens 350 Franken verkauft werden sollen. Geboten wurde für die Getränkewägelchen schliesslich mehrmals über 1000 Franken.

Über 500 Artikel verkauft

Bis heute hat Skywork über diesen Kanal 538 Artikel verkauft, der Ertrag beläuft sich auf rund 70000 Franken. Das Konkursamt rechnet insgesamt mit rund 100000 Franken. Das ist zwar eine stolze Summe – doch im Verhältnis zu den Schulden der Airline wohl eher ein kleiner Betrag. Wie hoch diese genau sind, wird sich erst nächstes Jahr zeigen, wenn die Gläubiger aufgerufen werden, ihre Forderungen einzureichen. Dazu gehören auch die Inhaber ungültig gewordener Flugtickets.

Neben Büromöbeln, Erfrischungstüchlein und Löschdecken, die nun alle auf Ricardo landen, besitzt Skywork auch ein Ersatzteillager für die Flugzeuge. Letztere waren nur geleast und sind nun wieder bei ihren Besitzern, doch die Ersatzteile werden nun verkauft. Darum kümmert sich der frühere Skywork-Chef und -Inhaber Martin Inäbnit zusammen mit einem anderen Mitarbeiter. Damit die Teile – spezialisierte Werkzeuge bis hin zur kleinen Schraube – ihren Wert behalten, müssen sie samt Dokumentation innerhalb der Branche verkauft werden.

Auch die Pilotenuniformen kann das Publikum nicht erwerben: Sie wurden entsorgt, damit sich damit niemand auf einem Flughafen einschleichen kann.

Noch ist der Keller des Bürogebäudes nicht leer. Die gesamte Buchhaltung von Skywork muss noch ins Archiv des Konkursamts gebracht werden. Zudem stapeln sich noch Chips, Mineralwasser und Zuckerbeutelchen. Auch oben im früheren Skywork-Grossraumbüro ist noch einiges zu tun: Ein grosser Panzerschrank hat sich im ersten Versuch nicht verkauft, Lipton-Teebeutel und weiteres Büromaterial müssen noch fotografiert werden.

Spätestens Ende Januar ist dann Schluss: Was sich bis dann nicht verkaufen lässt, wird pauschal einem Händler abgetreten. Bis dahin werden sich die Sammler und Schnäppchenjäger im Internet um die verbleibenden Erinnerungsstücke der letzten Berner Airline reissen.

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