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Schwitzen auf dem Bielersee

Die Bootsbauerin Helena Nidecker will den Saunagang auf offenen Gewässern möglich machen. Die Pilotphase soll auf dem Bielersee starten.

So soll das Saunafloss in Biel aussehen.
So soll das Saunafloss in Biel aussehen.
zvg

Campingplatz, Bootshafen und die St. Petersinsel, die bis weit in den Bielersee hinausreicht – die Gemeinde Erlach nahe der Neuenburger Grenze ist ein Ort, der für die Sommermonate konzipiert ist. Im Winter macht die Ufergemeinde eher einen tristen Eindruck. Der Campingplatz ist geschlossen, die Boote taumeln im fünf Grad kalten Wasser. Doch gerade die klirrende Wassertemperatur ist für Helena Nideckers Projekt von grosser Bedeutung. Die Bootsbauerin will zusammen mit Zimmermann Sebastian Schoop ein Saunafloss auf den Bielersee setzen. Eine Idee, welche die schweiz-schwedische Doppelbürgerin aus Skandinavien mitgebracht hat. «In Schweden gibt es viele schwimmende Saunas, bei denen man sich danach im See oder im Meer abkühlt.»

Die Entwürfe klar und simpel: Ein Floss, auf dem eine tonnenartige Sauna steht, eine Leiter, die ins Wasser führt, Rettungsringe. Doch so einfach der Plan, so schwierig die Durchführung. «In der Schweiz ist es sehr kompliziert, ein solches Projekt umzusetzen», sagt Nidecker. Denn ihr Saunafloss wurde in den tückischen Strom des schweizerischen Behördentums getrieben. Seit über zwei Jahren durchschifft sie behördliche Auflagen und Bedingungen. So gelte etwa das Saunafloss nicht als Schiff, sondern als Bauobjekt. «Denn auf Schiffen ist das Feuer, das es für die Sauna braucht, nicht erlaubt.» Nun aber ist Land in Sicht. Verhandlungen für Standortbewilligungen in Erlach und Biel seien fortgeschritten und auch mit Gemeinden am Neuenburgersee seien vielversprechende Gespräche im Gange.

Nidecker und Schoop rechnen damit, dass die Flosse im Winter 2019 zu Wasser gelassen werden können. «In einer Pilotphase soll gezeigt werden, dass das Projekt gewinnbringend ist.» Dazu sollen die Flosse den künftigen Betreibern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Dadurch soll nicht zuletzt dem Tourismus gedient werden. «Das Angebot wird das Seeland während den Wintermonaten aufwerten», sagt Nidecker. Mit diesem Glauben sind sie nicht alleine Das glaubt auch die Berner Volkswirtschaftsdirektion und hat dem Projekt bei Inbetriebnahme touristische Fördergelder in Aussicht gestellt. Zudem steht das Saunafloss auf der Förderliste der Neuen Regionalpolitik. Im Sommer sollen die Flosse dann zu Badeinseln oder Snackbars für Stand-Up-Paddler umfunktioniert werden.

Berlin war schneller

Doch ist die Saunakultur in der Schweiz überhaupt genug verankert, dass ein Bedürfnis nach einer schwimmenden Version besteht? Nidecker hat daran keine Zweifel. «Andere Arten des Saunierens sind schwer im Kommen.» Saunatonnen würde man immer mehr auch in Gärten und Campingplätzen finden. «Es besteht der Wunsch, den Saunagang mit der Natur zu verbinden.» Um Konkurrenz müssen sich die Projektinitianten nicht sorgen. Denn Saunaflosse sind in der Schweiz bisher ein Novum. Auch ausserhalb der skandinavischen Ländern sind sie eher spärlich zu sehen. Im deutschsprachigen Raum ist beispielsweise Berlin dem Bielersee etwas zuvorgekommen. Dort kursiert seit letztem Winter ein Saunafloss auf der Spree.

Auch wenn noch keine definitiven Betriebsbewilligungen vorliegen, rüsten sich Nidecker und Schoop bereits für den Baustart der Flosse. In den vergangenen Wochen sägten sie im Jolimont bereits das Lärchen- und Föhrenholz dazu.«Es ist uns wichtig, dass das Baumaterial aus der Region kommt.» Nun müsse dieses aber zuerst einmal ein Jahr lang trocknen.

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