Schulleiter weigert sich, selber zu kündigen

Ipsach will seinen beliebten Schulleiter entlassen. Eltern, Lehrpersonen und Schüler laufen dagegen Sturm.

In Ipsach soll ein beliebter Schulleiter entlassen werden. Eltern, Lehrpersonen und Schüler laufen dagegen Sturm.

In Ipsach soll ein beliebter Schulleiter entlassen werden. Eltern, Lehrpersonen und Schüler laufen dagegen Sturm.

(Bild: Stefan Anderegg (Archivbild))

Reto Wissmann@RetoWissmann

Eigentlich hätte die Trennung ohne Aufsehen über die Bühne gehen sollen. So zumindest hatte es sich die Schulkommission vorgestellt, als sie Daniel Weibel im Herbst eröffnete, dass sie ihn ab kommendem Schuljahr nicht mehr in Ipsach als Schulleiter haben wolle. Bis Ende Januar gab sie ihm Zeit, seine Kündigung einzureichen. Weibel liess das Ultimatum jedoch verstreichen, wie er gestern dem «Bund» sagte. «Ich konnte meine Kolleginnen und Kollegen nicht einfach anlügen und ihnen erzählen, ich wolle mich beruflich neu orientieren.» Jetzt droht ihm die Entlassung.

Unterdessen beschäftigt der Fall die ganze 4'000-Einwohner-Gemeinde bei Biel. Eltern haben eine Petition für den Verbleib des beliebten Schulleiters lanciert, eine Mahnwache abgehalten und eine Facebook-Seite eröffnet. Aber auch die Kinder haben Unterschriften gesammelt und sind in Solidaritäts-T-Shirts im Unterricht erschienen. Und: Praktisch das ganze 40-köpfige Kollegium ist bei der Schulkommission vorstellig geworden. In einem Elternbrief hat es zudem geschrieben: «Stets begegnet uns Daniel Weibel mit Wertschätzung, Respekt und Vertrauen. Diese Werte haben uns ermutigt, unsere Ideen weiterzuentwickeln und die Arbeitsmotivation hochzuhalten.» Laut Weibel hat inzwischen aber mindestens eine Lehrperson wegen des Konflikts gekündigt.

Vorwürfe bleiben diffus

Was die Schulkommission dem Schulleiter vorwirft, bleibt diffus. «Die Gründe werden nicht kommuniziert», sagt Gemeindepräsident Bernhard Bachmann (SP). Er musste das Schuldossier interimistisch übernehmen, nachdem die zuständige Gemeinderätin unter anderem wegen des Konflikts mit dem Schulleiter zurückgetreten ist. In einem Schreiben, das dem «Bund» vorliegt, heisst es, das Vertrauen sei «aufgrund verschiedener Vorkommnisse für eine erfolgreiche Zusammenarbeit nicht mehr vorhanden». Ein weiteres Schreiben geht mehr ins Detail. Darin ist von mangelnder Loyalität und Wertschätzung gegenüber der Gemeinderätin sowie von einer mangelhaften Kommunikation die Rede. Ausserdem seien von Weibel «öfter Worte statt Taten» gekommen. Der Schulleiter habe auch Mitarbeitergespräche nicht wie vorgeschrieben geführt sowie bei der Anstellung eines Lehrers zu wenig Abklärungen getroffen.

«Es war ein Schock für mich», sagt Weibel, der wegen der Belastung durch die Situation zu 50 Prozent krankgeschrieben ist. Er gesteht ein, bei der Anstellung eines Lehrers, der sich nachträglich klar als Fehlbesetzung erwiesen hatte, Fehler gemacht zu haben. Nach über sechs Jahren im Amt und rund 50 Stellenbesetzungen könne dies aber einmal passieren. Ansonsten sei er überzeugt, die Arbeit gut gemacht zu haben.

Thomas Prescher, ein Vater, der die Unterschriftensammlung koordiniert hat, kann dies nur bestätigen: «In dieser Schule arbeiten Eltern, Kinder und Lehrpersonen Hand in Hand und jedes Kind wird seiner Begabung entsprechend gefördert. Dies ist zu einem rechten Teil Weibels Verdienst.» Es sei zwar möglich, dass der Schulleiter nicht das grösste Organisationstalent sei, so Prescher, dafür habe er im pädagogischen Bereich sehr viel geleistet. Der Vater will alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Schulleiter in Ipsach zu halten.

Weibel hat Hoffnung aufgegeben

Weibel selber aber hat unterdessen die Hoffnung aufgegeben, seine Stelle in Ipsach behalten zu können. Für seine Rechte und seinen guten Ruf als Schulleiter will er trotzdem weiterkämpfen. Die seiner Meinung nach «willkürliche und widerrechtliche» Entlassung werde er auf jeden Fall anfechten, so Weibel. Zunächst gewährt ihm nun die Schulkommission diese Woche noch das rechtliche Gehör. Mitte Februar soll dann der definitive Entscheid fallen.

Weibel ist nicht nur engagiertes Mitglied des Berufsverbands Bildung Bern (bisher Lebe), sondern sitzt auch im Vorstand des kantonalen Schulleiterverbands. Co-Präsidentin Pia Käser kann zum konkreten Fall zwar keine Stellung nehmen, betont jedoch: «Um Konflikte zu vermeiden, ist es wichtig, die Zuständigkeiten zwischen Anstellungsbehörde und Schulleitung genau zu klären.» Dass Ipsach kein Einzelfall ist, zeigt das Thema der nächsten Verbandstagung: «Zusammenarbeit Schulleitung und Behörde». Normalerweise werden solche Fälle jedoch ohne Aufsehen erledigt.

Der Bund

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