Scherben in der Altstadt nach dem Fanmarsch

Nach dem Fanmarsch der FCZ-Fans: Zwischen Casinoplatz und Nydeggbrücke sind zahlreiche Schaufensterscheiben zerstört worden. Ladenbesitzer sind enttäuscht.

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«Ich kann einfach nicht verstehen, wie man so etwas tun kann», sagt Susanne Zweifel. Sie fegt gerade die Scherben zusammen, die vor der Münstergalerie in der Münstergasse liegen. Der Zürcher Fanmarsch hat hier gut sichtbare Spuren hinterlassen. Zwei der drei Schaufensterscheiben sind zertrümmert. Susanne Zweifels Gemälde, die dahinter ausgestellt sind, blieben unversehrt.

«Es mag mich trotzdem», sagt die Künstlerin. «Das kann man nicht einfach so hinnehmen. Dieses Hin und Her der Stadt im Vorfeld, Fanmarsch ja oder nein, das ist für mich nicht nachvollziehbar».

Diverse Sachbeschädigungen in der Altstadt

Wie Zweifel ist es am Ostermontag vielen Ladenbesitzern zwischen Casinoplatz und Nydeggbrück ergangen. Ein gutes Dutzend Scheiben sind beschädigt, was nicht zu Bruch ging, ist zerkratzt oder angeborsten – etwa die drei Riesenschaufenster bei der Münsterkellerei.

Der Sandstein ist teils versprayt. «FCZ» prangt hier und da in blau. Daneben: ein Post-It der Kantonspolizei, welche die Hausbesitzer aufruft, sich bei den Behörden zu melden. Beim Souvenirladen an der Nydegggasse wurden gar die Uhren und Messer aus dem Schaufenster gestohlen. Die Besitzerin, die die Schäden begutachtet, will keine Auskunft geben. «Ich muss zuerst mit der Polizei sprechen.»

Die Künstlerin Susanne Zweifel erfuhr von der Polizei von den Schäden in ihrem Laden. Als sie zu ihrem Geschäft kam, waren die kaputten Fenster bereits mit Karton abgedeckt worden – «ein super Service», sagt sie. Einen zweiten Anruf erhielt sie vom Altstadtleist. «Mir wurde geraten, die Schäden zu melden und Anzeige gegen Unbekannt einzureichen. Das werde ich tun.»

Und wer zahlt? Zweifel ist Mieterin bei der Stadt. «Wessen Haftpflicht zuständig ist, kläre ich morgen ab.»

Altstadtleist kritisiert Schäden

«Das Problem ist nicht der Cupfinal oder der Fussball, sondern der Vandalismus», sagt Stefanie Anliker, Präsidentin der vereinigten Altstadtleiste, auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet. «Unabhängig von der Art der Veranstaltung sind die massiven Schäden an historischen Gebäuden nicht tolerierbar.» Es dürfe nicht vergessen werden, dass es sich bei der unteren Altstadt um ein Unesco-Weltkulturerbe handle. «Deshalb war der Leist auch über die geplante Route des Fanmarsches durch die Altstadt überrascht.»

Die Auflagen und Vorkehrungen hätten offensichtlich nicht funktioniert, kritisiert Anliker. «Bisher mussten Betroffene selbst für Schäden aufkommen, dazu sind wir nicht mehr bereit.»

Hanna Jordi/jmw/gbl

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