Weil sonst kein Lichtlein brennt

Die Weihnachtsbeleuchtung in Ostermundigen sorgt schon jetzt für rote Köpfe. Ein Parlamentarier sammelt Geld dafür und stösst damit nicht nur auf Gegenliebe.

Ob Ostermundigen künftig noch eine öffentliche Weihnachtsbeleuchtung hat, hängt von der Spendierfreudigkeit Privater ab.

Ob Ostermundigen künftig noch eine öffentliche Weihnachtsbeleuchtung hat, hängt von der Spendierfreudigkeit Privater ab. Bild: Franziska Rothenbühler

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In Ostermundigen wird die kommende Weihnachtsbeleuchtung noch vor Ostern heiss diskutiert. Der FDP-Parlamentarier Rolf Rickenbach hat am Sonntag eine Sammelaktion gestartet, mit der er die Adventsstimmung im Dorf finanzieren will. Wenn er bis zum 1. April 5000 Franken beisammen habe, sei die Beleuchtung der grossen Tanne gesichert, schreibt Rickenbach im Flyer. Mit 20'000 Franken könne in Ostermundigen wie gewohnt eine festliche Stimmung erzeugt werden.

Grund für die Sammelaktion ist das überarbeitete Budget der Gemeinde. Im letzten Dezember wies das Parlament das vorgelegte Budget zurück und verlangte Einsparungen in der Höhe von einer halben Million Franken. Also hat der Gemeinderat den Rotstift angesetzt. Eines der Sparopfer ist die Weihnachtsbeleuchtung.

Die Aktion sei der Versuch, etwas auf die Beine zu stellen, sagt der Initiator Rolf Rickenbach. «Das gab es bisher in Ostermundigen noch nicht.» Darum habe er sich bei der Gemeinde nach den Kosten für die Weihnachtsbeleuchtung erkundigt. Der Betrag von 20 000 Franken enthalte vor allem die Arbeit für das Montieren und Instandhalten der Beleuchtung. Um die grosse Tanne aufzustellen, müsse die Gemeinde einen Pneukran mieten. Die Weihnachtsbeleuchtung sei in Ostermundigen beliebt, sagt Rickenbacher. Nebst zahlreichen positiven Rückmeldungen habe er innerhalb eines Tages schon 2500 Franken erhalten.

Kritik von links

Die Aktion stösst aber nicht nur auf positives Echo. Auf Facebook hat sie zu regen Diskussionen geführt. Priska Zeyer (parteilos) ärgert sich über Rickenbachs Aktion. «Mich stören Rickenbachs Prioritäten», sagt sie. Zeyer findet, dass Rickenbach wenn schon für soziale Anliegen wie die Aufgabenhilfe sammeln müsste. «Aber für die Weihnachtsbeleuchtung zu sammeln, ist viel einfacher», sagt sie. Zeyer räumt aber ein, dass es aus ihrer Sicht falsch wäre, wenn künftig vermehrt Private für Bildungs- und Integrationsaufgaben aufkommen müssten. «Die Gemeinde hat in diesem Bereich einen Auftrag, den sie wahrnehmen muss.»

Ruedi Mahler, Fraktionspräsident SP/Grüne, wendet sich mit einem Leserbrief an den «Bund» und schreibt, Rickenbach halte sich nicht an Regeln des Parlamentsbetriebs. Er vermische seine Rollen als Parlamentarier und Privatperson. Denn er und seine Partei hätten die Einsparungen von einer halben Million im Budget gefordert. «Nun scheinheilig Geld zu sammeln, damit die Weihnachtsbeleuchtung trotzdem installiert werden kann, ist schon starker Tobak», schreibt Mahler.

Von anderen Politikern erhält Rickenbach aber auch Lob, etwa von Silvia Fels (EVP). Man müsse nicht immer alles von der Gemeinde erwarten und könne, so wie Rickenbach, auch einmal selber für etwas die Verantwortung übernehmen, schreibt sie auf Facebook.

Oft privat finanziert

Weihnachtsbeleuchtungen werden nicht überall von Gemeinden finanziert. In Bern etwa sponsern Private einen wesentlichen Teil davon. In der unteren Berner Altstadt kommen grösstenteils die Leiste für die Dekoration auf. Die Stadt beteiligt sich nur mit einem kleinen Beitrag am Schmuck. Das EWB sponsert die benötigte Energie. Auch in Köniz und Wichtrach sorgen Private und Gewerbetreibende für die weihnächtliche Stimmung im Dorf. Andere Gemeinden bezahlen zwar die Weihnachtsbeleuchtung, aber nur mit Mühe. So fehlt etwa in Thun das Geld, um die Festbeleuchtung zu erneuern. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.02.2018, 15:02 Uhr

Weihnachtsbeleuchtung

Oft privat finanziert.

Die Weihnachtsbeleuchtung wird nicht automatisch von der Gemeinde finanziert. Auch in Bern sponsern Private einen wesentlichen Teil des Weihnachtsschmucks. In der unteren Berner Altstadt kommen grösstenteils die Leiste für die Dekoration auf. Auch in Köniz und Wichtrach sorgen Private für die weihnächtliche Stimmung im Dorf. (nj)

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