Rolf Zbinden versucht Comeback in Biel

Der unbequeme Berner Ex-PdA-Stadtrat fordert in Biel die etablierte Linke heraus.

Der unbequeme Berner Ex-PdA-Stadtrat Rolf Zbinden fordert ?in Biel die etablierte Linke heraus.

Der unbequeme Berner Ex-PdA-Stadtrat Rolf Zbinden fordert ?in Biel die etablierte Linke heraus.

(Bild: Keystone)

Reto Wissmann@RetoWissmann

Im Frühling 2015 hat sich der Kommunist aus dem Stadtberner Politikbetrieb abgemeldet und ist nach Basel gezogen. Eineinhalb Jahre später taucht Rolf Zbinden nun auf einer Liste für die Bieler Stadtratswahlen vom kommenden Wochenende wieder auf. Zusammen mit Gleichgesinnten hat er die Bieler Partei der Arbeit wiederbelebt. «Wir wollen Wählerinnen und Wähler hinter dem Ofen hervorholen, die der abgekarteten Politik der etablierten Parteien überdrüssig sind», sagt Zbinden.

Als einziger PdA-Vertreter hatte Zbinden in der rot-grün dominierten Bundesstadt Opposition von links betrieben und sich etwa gegen das Tram Region Bern oder die Überbauung des Viererfelds gewehrt. National bekannt wurde der 63-Jährige allerdings als ausserparlamentarischer Aktivist. An einer unbewilligten SVP-Gegendemo 2007 stand er zusammen mit dem Schwarzen Block an vorderster Front und schwenkte ein Transparent mit der Aufschrift «Welcome to hell». Dies brachte ihm zwei Verurteilungen und eine Kündigung seines Teilzeitjobs an der Berufsschule Bern ein – seinem politischen Engagement tat es jedoch keinen Abbruch.

In Biel gibt es noch Freiräume

Nach einem knappen Jahr in Basel ist Zbinden nach Biel, der ehemaligen Heimatstadt seiner Eltern, gezogen, und hat mitgeholfen, die PdA für die Wahlen fit zu machen. Ihn fasziniere die Zweisprachigkeit und die Offenheit der Stadt. «Biel ist noch nicht so umfänglich ein Museum wie Bern», sagt Zbinden. Hier gebe es noch Freiräume und beispielsweise auf dem Bahnhofplatz ein Nebeneinander unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen.

Im Gegensatz zu Bern existieren in Biel allerdings links der Grünen keine politischen Kräfte. In Bern bringen neben der PdA die Junge Alternative, die Grüne Partei Bern – Demokratische Alternative und die Alternative Linke Bern Farbe ins linke Spektrum. In Biel sind SP sowie Grüne in den Gemeinderat eingebunden – links davon kommt nichts mehr. Zbinden will denn auch gleichermassen gegen die SVP wie gegen die «unternehmerfreundliche Linie» der SP kämpfen und die PdA als «einzige unabhängige linke Partei» profilieren. Projekte wie die Überbauung Agglolac auf dem ehemaligen Expo-Areal, die vom SP-Stadtpräsidenten vorangetrieben werden, gehen für ihn gar nicht. «Das kommt sowieso nur Gutbetuchten zugute», sagt Zbinden.

SP-Wahlliste «nicht wählbar»

Im Wahlkampf bezeichnete die PdA die Gemeinderatsliste der SP gar als «nicht wählbar», weil ein Kandidat in einem Interview bemängelt hatte, die Stadt werde zu wenig wie ein professionelles Unternehmen geführt. Doch hilft ein Gezänk innerhalb der Linken nicht vor allem dem politischen Gegner? Vor vier Jahren musste Rot-Grün bereits die Mehrheit im Stadtrat abgeben. Zbinden verneint. Mit der «Anbiederung an die Mitte» und «Geschmacksverirrungen» von Gemeinderatskandidaten setze die Linke falsche Signale und vergraule die Basis. Der Berufsschullehrer ist sich allerdings bewusst, dass es für die PdA schwierig wird: «Die Herausforderung ist, jene Enttäuschten wieder an die Urne zu locken, die mit dem Parlamentarismus bereits abgeschlossen haben.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt