Privatjet-Airline will in Bern Fuss fassen

Ein Jungunternehmen aus Österreich verkauft Businessclass-Tickets von Bern nach München und London.

Linienflüge mit dem Privatflugzeug gibt es nun auch ab Bern-Belp (Archivbild).

Linienflüge mit dem Privatflugzeug gibt es nun auch ab Bern-Belp (Archivbild). Bild: Christian Pfander

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Bern-Belp ist wieder mit der Welt verbunden. Zumindest zweimal pro Woche – und zum Businessclass-Tarif. Nach dem Konkurs von Skywork ist das Unternehmen Jetclass in die Bresche gesprungen: Es bietet jeden Dienstag einen Flug nach München und zurück und jeden Mittwoch einen Flug nach London City und zurück an.

Dabei handelt es sich nicht um normale Linienflüge, sondern um Plätze in einem Privatjet, die wie bei einem Linienflug einzeln gebucht werden können. Der Preis: 490 beziehungsweise 590 Euro – pro Weg. An gewöhnliche Städtereisende richtet sich das Angebot also nicht.

Bern–Brüssel als Option

Jetclass ist ein Start-up-Unternehmen mit Sitz in Wien. Mitgründer Vladislav Zenov beschreibt die Firma als «virtuelle Airline». Das heisst: Die Flugzeuge werden gechartert, Piloten und Bordpersonal sind nicht bei Jetclass angestellt.

Man wähle die Verbindungen mittels Analyse von grossen Mengen an Flugdaten, sagt Zenov. «In Bern müssen wir nun schauen, wie unser Angebot aufgenommen wird.» Die ersten Jetclass-Flüge ab Bern sind vor drei Wochen gestartet. Aktuell sind Verbindungen bis Ende November buchbar. Man erstelle derzeit den Winterflugplan, so Zenov. «Neben München und London wäre auch Bern–Brüssel eine interessante Stecke.»

Bereits ab einer Buchung garantiert Jetclass, dass der Flug durchgeführt wird. Das wäre für das Unternehmen ein Verlustgeschäft. Denn in der teuren Luftfahrt zählt jeder Sitz. So werden für die Flüge ab Bern je nach Nachfrage auch andere Businessjets eingesetzt: bis vier Passagiere eine Cessna Citation Mustang, darüber verschiedene grössere Modelle bis zur Cessna Citation XLS mit Platz für maximal acht Passagiere.

Im Winter alleine in Bern

Der Flughafen Bern-Belp sucht derzeit händeringend nach in- oder ausländischen Fluggesellschaften, die das Belpmoos anfliegen möchten – ansonsten drohen dem Flughafen einschneidende Sparmassnahmen. Als erste Redaktion hat die Flughafen Bern AG im September bekannt gegeben, alle Ausbauprojekte zu sistieren und zehn Stellen zu streichen.

Diese Woche hat der Flughafen die Verbindungen von Jetclass nun auf seinen offiziellen Flugplan im Internet aufgenommen. Neben den beiden Jetclass-Flügen erscheinen dort nur noch die letzten Charterflüge der Sommersaison. Flughafen-Kadermann José González sagt, man sei erfreut über das neue Angebot von Jetclass. Skywork habe mit wöchentlich elf Flügen nach München jedoch ein anderes Publikum angesprochen als Jetclass mit einem Flug pro Woche.

Nicht unbedingt günstiger

Jetclass bietet bereits seit vergangenem Jahr ab Zürich und Genf auch andere europäische Destinationen an. Seine Flüge verkauft das Unternehmen nicht nur über die eigene Website, sondern auch über grosse Flugportale wie Kayak und Swoodoo. Im Vergleich zu den Businessclass-Tickets der grossen Airlines ist Jetclass nicht unbedingt günstiger. Auch die Leistungen an Bord halten sich mit «Snacks sowie alkoholfreien und alkoholischen Getränken» sowie einem Handgepäck plus einem Koffer bis 25 Kilogramm im Rahmen.

«Wir verkaufen nicht Luxus, sondern Zeit», erklärt Mitgründer Zenov. Denn im Gegensatz zu den grossen Airlines würden die Jetclass-Flüge an den Privatjet-Terminals halten, wo man das Gepäck direkt ausgehändigt erhalte und nach 10 Minuten im Taxi sitze. Zudem müsse man auch an den grossen Flughäfen erst 15 bis 30 Minuten vor Abflug ankommen.

Zweite Airline kommt 2019

Wie die «Berner Zeitung» am Donnerstag berichtete, plant eine zweite virtuelle Airline, Flüge ab Belp anzubieten. Die erst vor einem Jahr in Genf gegründete Gesellschaft La Nova will ab Anfang nächsten Jahres zehn Destinationen anfliegen: Figari, Hamburg, Hyères, Ibiza, London, München, Nizza, Olbia, Palma und Strassburg. (Der Bund)

Erstellt: 11.10.2018, 07:06 Uhr

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