«Ostermundigen erhält erstmals ein Zentrum»

Am Mittwoch starteten die Bauarbeiten für das Ostermundiger Hochhaus. Der Architekturexperte Benedikt Loderer sagt, dass solche Zentren in Zukunft noch wichtiger werden.

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Herr Loderer, wo in Ostermundigen bisher der traditionelle Landgasthof Bären stand, wird nun ein modernes Rekordhochhaus gebaut. Inwiefern ist das für eine Gemeinde ein radikaler Wechsel?
Dieses Hochhaus in Ostermundigen symbolisiert für mich den Schritt der Gemeinde vom Dorf zur Stadt. Die Ostermundiger haben gemerkt, dass sie kein Dorf mehr sind, sondern eine Agglomeration und damit Teil der Stadt. Deshalb haben sie dem Bau ja auch deutlich zugestimmt.

Was ändert sich für die Gemeinde Ostermundigen mit dem neuen Bau?
Dank des neuen Baus weiss man überhaupt, wo Ostermundigen liegt. Vorher bestand Ostermundigen mehr oder weniger aus der Unterführung. Mit dem neuen Hochhaus und dem Platz vor dem Hochhaus und neben dem Bahnhof erhält Ostermundigen zum ersten Mal überhaupt eine Mitte und ein Zentrum.

Ist es nicht etwas übertrieben, einem einzelnen Bau eine derartige Wirkungskraft zuzuschreiben?
Es geht nicht nur um das Bauwerk. Damit ergibt sich auch ein anderer Anschluss an den Bahnhof. Dieser war bis jetzt mit dem Dorf gar nicht wirklich verbunden. Der Vorplatz des Hochhauses wird in Ostermundigen auch eine Art Bahnhofplatz.

Architekt und Publizist Benedikt Loderer. (Bild: Archiv)

Wie verändert ein solches Zentrum das Leben der Bevölkerung konkret?
Wenns gut kommt, gibt es da dann einen Märit, die Leute sitzen im Sommer draussen und beleben den Platz.

Gehen Sie in Ostermundigen von einer Belebung aus?
Wissen Sie, wir sprechen immer von Belebung. Meistens sind die Plätze ja aber sowieso leer, in der Nacht oder im Winter beispielsweise. Für eine ständige Belebung sind wir auch schlicht in der falschen Klimazone. Die Frage sei deshalb erlaubt: Muss dieser Platz denn wirklich so furchtbar belebt sein? Entscheidend ist aber auch die räumliche Fassung.

Wie meinen Sie das?
Der Platz muss architektonisch so umgesetzt werden, dass er als Platz wirkt und auch als solcher genutzt wird.

Die Belebung ist aber nicht so wichtig.
Ach wissen Sie, Ostermundigen ist doch als Einrichtung sowieso auf Bern ausgerichtet. Das eigentliche Zentrum von Ostermundigen ist und bleibt in Bern und nicht in Ostermundigen selbst.

Wie kann dann der «Bäre tower» dennoch um die Gunst der Ostermundiger buhlen?
Ein Dorfzentrum muss gut erschlossen sein, über Parkplätze verfügen, und die Ostermundiger müssen in die neue Beiz wollen. Sie ist sicher das wichtigste Element in Ostermundigen. Das muss eine Beiz sein, in die alle Leute gehen wollen. Gefragt ist keine 7-Stern-Beiz, sondern eine, in der sich auch der Turnverein wohlfühlt.

Auch in anderen Ortszentren in der Agglomeration wird gebaut, beispielsweise in Münsingen. Ist das Errichten moderner Zentren in der Agglomeration eine allgemeine Tendenz?
Da wäre ich vorsichtig. In den meisten Fällen war ja an den Orten bereits etwas, bevor neue Überbauungen errichtet werden. Neue Zentren entstehen in der Regel nicht aus dem Nichts.

Warum müssen bestehende Zentren dann modernisiert und ersetzt werden?
Der finanzielle Aspekt ist in diesem Zusammenhang wichtig. Das Stichwort lautet Steuersubstrat. Gemeinden erhoffen sich, mit neuen Zentren gute Steuerzahler anzulocken. Einerseits Privatpersonen mit teuren Wohnungen und andererseits Gewerbebetriebe.

Können neue Zentren diese Hoffnungen denn auch erfüllen?
Das lässt sich nicht so allgemein sagen. Der finanzielle Erfolg von Dorfzentren muss man auch in Relation zur Grösse und Finanzstärke der Gemeinde setzen. In grossen Gemeinden sind die finanziellen Auswirkungen natürlich geringer als bei kleineren Gemeinden.

Kennen Sie Beispiele von Gemeinden, deren Zentrum besonders gut gelungen ist?
Ein gelungenes Beispiel ist Köniz. Da ist das Dorfzentrum mit der Verkehrsführung und dem neuen Gemeindehaus an und für sich sehr gut geworden.

Haben sich die Bedürfnisse an ein Dorfzentrum verändert?
Die Ansprüche an ein Dorfzentrum haben sich zusammen mit unseren Konsumgewohnheiten verändert. Zentren werden grösser, dichter und wichtiger. Wir müssen da unseren Wocheneinkauf erledigen können. Deshalb wächst das Angebot, es gibt ganze Shoppingzentren und grössere Filialen. Als Folge davon ebbt das Angebot ausserhalb des Zentrums zunehmend ab.

Wohin führt diese Entwicklung längerfristig?
Ich denke, dass die angesprochene Veränderung als Tendenz anhalten wird: In Agglomerationen, die verkehrstechnisch gut erschlossen sind, werden moderne Zentren in Zukunft noch wichtiger und grösser. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.10.2018, 16:49 Uhr

Baustart für den Ostermundiger «Wolkenkratzer»

Rund drei Jahre nach dem Ja der Stimmbevölkerung haben am Mittwoch die Bauarbeiten für den 100,5 Meter hohen «Bäre Tower» in Ostermundigen begonnen. Doch bevor in die Höhe gebaut wird, müssen die alten Gebäude auf der Parzelle abgetragen werden.

Die Rückbauarbeiten dauern voraussichtlich bis Mitte Dezember. Anschliessend erfolgt der Aushub der Baugrube. Ab Frühjahr 2019 wächst das Hochhaus pro Woche um ein Stockwerk, wie die Bauherrschaft am Mittwoch mitteilte. Die Aufrichte ist für Juli 2020 vorgesehen.
Für die Gebäudehülle und den Innenausbau rechnen die Verantwortlichen mit einem weiteren Jahr Arbeit. Ende 2021 soll das Projekt dann beendet sein. Das Hochhaus wird als Stahlbetonskelettbau errichtet. Gearbeitet wird ohne ein äusseres Gerüst, über einen Betonkern mit einer Kletterschalung.

Die Halter Gesamtleistungen realisiert den Bau im Auftrag der Helvetia Versicherungen. Entstehen sollen 155 Mietwohnungen, Büros ein Panoramarestaurant und ein Hotel. Mit dem Hochhausprojekt soll das Gebiet beim Bahnhof Ostermundigen weiterentwickelt werden.
Anders als etwa in Basel oder Zürich gibt es im Grossraum Bern bisher keine markanten Hochhäuser. Dennoch wird der «Bäre Tower» nicht das höchste Gebäude werden, denn das Berner Münster überragt ihn noch immer um einige Zentimeter. (sda)

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