Ehre für den Arzt, der Flüchtlinge versteckte

Ostermundigen ehrt den Arzt Peter Zuber, der mit seiner Frau für eine menschlichere Asylpolitik kämpfte und selbst tat, was er für richtig hielt. Nach ihm wurde nun einen Strasse benannt.

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Von Flüchtlingswelle sprach man auch in den 1980er-Jahren. Tamilen aus Sri Lanka kamen, ein Volk, dessen Namen die meisten noch nie gehört hatten. «Manche hätten zurückgeschickt werden sollen in das Bürgerkriegsland», erinnert sich die 74-jährige Ostermundigerin Heidi Zuber. Dem stellte sie sich entgegen, sie und ihr Mann Peter, der in Ostermundigen eine Arztpraxis betrieb. Sie versteckten Flüchtlinge bei sich im «Waldheim» und leisteten so zivilen Ungehorsam. Medien berichteten darüber. «Die Gemeinde war uns gut gesinnt», findet Heidi Zuber, «sie hätten die Polizei vorbeischicken können».

Nachdem der junge nassforsche Nationalrat Markus Ruf von der Nationalen Aktion (heute Schweizer Demokraten) eine Anzeige eingereicht hatte, kam das Ehepaar Zuber vor Gericht und erhielt bedingte Haftstrafen. «Und kurz darauf eine Ehrung durch die theologische Fakultät der Uni Bern», sagt Heidi Zuber dem «Bund», es sei wirklich ein Kontrastprogramm gewesen.

Unzählige Morddrohungen

Die Wogen der öffentlichen Meinung gingen hoch. Zum einen schaffte es das Ostermundiger Ehepaar bis ins deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Andrerseits bekam es von erzürnten Leuten Morddrohungen, rund 10'000 an der Zahl, verteilt auf 17 Jahre, wie Heidi Zuber schätzt. Was waren das für Leute? «Rassisten sind oft Menschen, die zu kurz gekommen sind», sagt die Ostermundigerin. Einmal habe ihr ein Mann am Telefon «alle Schande» gesagt. Sie habe ihn gefragt, wo sein Problem liege, worauf er seine Benachteiligungen schilderte. Zubers liessen ihm einen ansehnlichen Geldbetrag zukommen. «Der Dankesbrief war dann in einem ganz anderen Ton abgefasst», sagt Heidi Zuber.

Sie sagt, ihr Engagement sei einer christlichen Haltung entsprungen. «Die Barmherzigkeit war mir schon als Kind wichtig.» Dann habe sie den richtigen Mann kennengelernt: «Er dachte genau so wie ich.» Trotz der Hilfsbereitschaft musste das Ehepaar auch schlechte Erfahrungen machen. Ein ausländischer Mann, den sie aufgenommen und viel für ihn getan hatten, geriet in kriminelle Kreise. Dann lotste er zwei Komplizen in ihr Haus, wo diese brutal gegen den Arzt vorgingen und ihn entführten. Heidi Zuber weiss genau, was damals ihre Kritiker dachten: «Das haben sie nun davon.» Doch Heidi Zuber sagt, sie blicke gerne auf ihr Leben zurück und sei dankbar: «Ich bereue nichts.»

Peter Zuber ist 1999 gestorben. Der Arzt litt an Muskelschwäche, weshalb er die Praxis schon 1991 aufgegeben hatte.Seine Frau pflegte ihn. Heidi Zuber hatte sich durch persönliche Erlebnisse in ihrem nächsten Umfeld intensiv mit der Frage befasst, wie man Schwerkranke pflegt – und wie man Angehörige entlasten könnte, damit sie an ihrer schweren Aufgabe nicht zerbrechen. Aus diesem Engagement sind Organisationen entstanden, in denen sich Freiwillige – meist Frauen – dieser Arbeit widmen.

Alles dauerte viel länger

Schon früh kam die Idee auf, den Arzt zu ehren. Der Anthropologie-Professor Rupert Moser, SP-Gemeindeparlamentarier und später GGR-Präsident, reichte 1999 einen Vorstoss ein: Man möge mit einem Strassennamen an Doktor Zuber erinnern. Zuerst sollte die Forelstrasse umbenannt werden, da der berühmte Wissenschaftler Auguste Forel grausame Versuche an Menschen vorgenommen habe. Doch die Forelstrasse heisst heute noch so. Als Strasse zu Ehren Zubers fungiert nun die Zufahrt zur ehemaligen Künti­grube, in der Kies abgebaut worden war. Derzeit vollenden Arbeiter dort die Wohnüberbauung Sommerrain.

Die Überbauung war schon früher geplant, denn die Überbauungsordnung wurde noch in der Ära von Theo Weber beschlossen, dem vorletzten Gemeindepräsidenten. So versammelten sich erst gestern Mitglieder des Gemeinderates samt Präsident Thomas Iten, um im Beisein Heidi Zubers, Rupert Mosers und weiterer Interessierter an einer schlichten Feier das Strassenschild zu enthüllen – das, wie man am unteren Teil sieht, auch jetzt noch nicht ganz fertig ist. (Der Bund)

Erstellt: 06.09.2016, 15:34 Uhr

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