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Obergericht beurteilt Fall im Glücksspielmilieu

Das bernische Obergericht befasst sich seit Dienstag mit einer Abrechnung im illegalen Glücksspielmilieu.

Warum es zu der Abrechnung in einem illegalen Spielclub in Zollikofen kam, lässt sich kaum mehr klären (Symbolbild).
Warum es zu der Abrechnung in einem illegalen Spielclub in Zollikofen kam, lässt sich kaum mehr klären (Symbolbild).
Stefan Anderegg (Archiv)

Das bernische Obergericht tagt zu einem Fall aus dem illegalen Glücksspielmilieu: Der im vergangenen August zu einer 14-jährigen Freiheitsstrafe verurteilte Täter legte Berufung ein und hofft nun auf ein milderes Urteil in zweiter Instanz.

Die in erster Instanz ausgefällte Strafe erscheine im Vergleich sehr hoch, betonte Verteidiger Krishna Müller am Dienstag vor dem Obergericht. Es gebe zahlreiche Punkte, die nicht eindeutig bewiesen seien. Hier müsse das Obergericht nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» urteilen, forderte er.

Sein Mandant habe beispielsweise seine Kontrahenten nicht mit gezielten Schüssen aus einer Pistole töten wollen, sondern sich mit Warnschüssen Zeit für die Flucht verschaffen. Dadurch habe der Beschuldigte zwar das Leben anderer gefährdet, eine versuchte, vorsätzliche Tötung könne man ihm aber nicht unterstellen. Der Verteidiger forderte deshalb lediglich eine Freiheitsstrafe von maximal drei Jahren.

Staatsanwalt Christoph Scheurer hielt die Version der Warnschüsse für wenig glaubhaft. Der Mann habe den Tod seiner Widersacher in Kauf genommen, das lasse sich unter anderem aus dem Standort des Schützen und dem Schussbild ableiten.

Scheurer beharrte auf der 14-jährigen Freiheitsstrafe, die das erstinstanzliche Gericht ausgesprochen hatte.

Nur dank Zufall keine Toten

Dass die erstinstanzliche Strafe seinerzeit so hoch ausfiel, begründete das Regionalgericht Bern-Mittelland unter anderem damit, dass der Mann innert weniger Stunden seine Schusswaffe gleich zweimal gegen Menschen eingesetzt hatte. Es sei nur dem Zufall zu verdanken, dass es keine Toten gegeben habe.

Das Gericht sprach von «massiver und sinnloser Gewalt». Der Angeklagte habe immer die Freiheit gehabt, sich für oder gegen einen Schusswaffeneinsatz zu entscheiden. Der Mann habe auch keine Einsicht oder Reue gezeigt und sich stattdessen stets als Opfer dargestellt.

Negativ wirkten sich auch die zahlreichen Vorstrafen aus. Deren Palette reicht von Drogen- über Vermögensdelikte, Körperverletzungen bis hin zu Delikten gegen die Freiheit und Widerhandlungen gegen das Waffengesetz.

Widersprüchliche Aussagen

Warum es zu der Abrechnung in einem illegalen Spielclub in Zollikofen im November 2010 kam, lässt sich wohl letztlich kaum mehr klären. Zu gegensätzlich sind die Aussagen aller Beteiligten.

Der damals 46-jährige Schweizer kosovarischer Herkunft soll mit einer Pistole und - je nach Aussagen - mit einem nicht näher definierten Schlagwerkzeug bewaffnet in einem illegalen Spielclub in Zollikofen aufgetaucht sein, in dem sich ein Brüderpaar aufhielt.

Der Täter forderte einen der beiden auf, nach draussen zu kommen, um etwas zu klären. Es kam zu einem Handgemenge. Bei der tätlichen Auseinandersetzung wurden schliesslich sowohl die beiden Brüder wie auch der Angreifer verletzt. Beim Verlassen des Schauplatzes schoss der Täter Richtung Club.

Ein Warnschuss, um sich die Flucht zu ermöglichen, behauptet der Täter, ein Schuss auf seine Widersacher, sind die Opfer überzeugt.

Schüsse auf Polizei

Nach der Auseinandersetzung fuhr der Angeschuldigte nach Hause ins Berner Gäbelbachquartier. Als am nächsten Morgen eine Sondereinheit der Polizei auftauchte, um ihn zu verhaften, schoss der Mann durch die aufgebrochene Wohnungstüre. Dabei traf er einen Polizisten, der aber nicht getötet wurde.

Er habe geglaubt, die beiden serbischen Brüder stünden vor der Tür, um sich zu rächen, gab der Angeschuldigte zu Protokoll.

Das sei nun wirklich kein abwegiger Gedanke, befand der Verteidiger am Dienstag in seinem Plädoyer vor Obergericht. Genauso habe der Mann aber auch mit dem Auftauchen der Polizei rechnen müssen, hielt der Staatsanwalt entgegen.

Am Obergericht ist es nun zu beurteilen, ob der Mann mit einer milderen Strafe davon kommt oder ob es bei der 14-jährigen Freiheitsstrafe bleibt. Das Urteil wird am Mittwochnachmittag eröffnet.

SDA/hjo

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