Nidauer Agglolac-Hochhaus spaltet die Gemüter

Die Mitwirkung zum Projekt Agglolac ist ausgewertet. Vor allem das Hochhaus stösst auf Ablehnung.

Umstritten: Das geplante Hochhaus (oben rechts).

Umstritten: Das geplante Hochhaus (oben rechts).

(Bild: zvg/Projektgesellschaft Agglolac)

Für das grosse Bauprojekt Agglolac in Nidau, wo Wohnungen für 1500 Menschen entstehen sollen, liegt nun die detaillierte Auswertung der Mitwirkungseingaben vor. Resultat: Die zentralen Punkte stossen vorwiegend auf Zustimmung - mit Ausnahme des geplanten Hochhauses.

41 Prozent der 327 Personen und Organisationen, welche sich an der Mitwirkung beteiligten, lehnen ein 70 Meter hohes Gebäude neben dem Nidauer Barkenhafen ab. 35 Prozent stimmen ihm zu. Das gaben Nidauer und Bieler Behörden am Donnerstag in Nidau vor den Medien bekannt.

Widersprüchlich fielen auch die Aussagen zur geplanten Anzahl Parkplätze aus: Gleich viele Mitwirkungsteilnehmer wünschen sich mehr Parkplätze wie sich weniger Parkplätze wünschen. Geplant ist, dass pro Wohnung 0,7 Parkplätze zur Verfügung stehen sollen.

Auch begrüssen viele Mitwirkungsteilnehmer, dass zugunsten von mehr Platz entlang dem Bielerseeufer weiter landeinwärts die Bauten konzentriert werden sollen. Anderseits sind vielen Leuten die Gebäude zu hoch, nicht nur das Hochhaus.

Die Mitwirkung vom Herbst 2015 betraf die Änderung der baurechtlichen Grundordnung Nidaus. Nur mit einer solchen Änderung kann das Wohnbauprojekt realisiert werden. Dafür rechnet die Zürcher Immobiliengesellschaft Mobimo mit einem Investitionsvolumen von 400 bis 500 Millionen Franken, wie Vertreter an der Medienkonferenz sagten.

Nidau und Biel halten an Planung fest

Trotz der mehrheitlichen Ablehnung des Hochhauses und der widersprüchlichen Aussagen zu Parkplätzen und Verdichtung wollen die Nidauer und Bieler Behörden an der Agglolac-Planung festhalten. «Die Resultate bestärken uns darin weiterzumachen», sagte Nidaus Stadtpräsidentin Sandra Hess.

Nur dank dem Hochhaus entstünden auf dem Areal jene 120'000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, welche Nidau und Biel Mobimo zur Verfügung stellen wollten, sagte Hess. Der Verkauf des Landes gebe den beiden Städten jenes Geld in die Hand, das es brauche, um die Freiflächen zu vergrössern, sagte Biels Stadtpräsident Erich Fehr.

Angst vor Verdichtung sei fehl am Platz, sagte Fehr weiter. Schliesslich seien Altstädte noch viel dichter gebaut als das nun geplante Quartier, und Verdichtung sei heute ein Gebot der Stunde. Abgesehen von zwei Tennisplätzen werde auch nichts Bestehendes verdrängt, sagte wiederum Hess.

Nach weiteren Arbeiten an der Revision der Zonenplanung und des Baureglements von Nidau soll dieses nun im Herbst öffentlich aufgelegt werden. Schon zuvor geht das Dossier an den Kanton Bern zur Vorprüfung. Für Ende 2017 oder Anfang 2018 ist die Volksabstimmung über die Änderungen geplant.

In Biel und Nidau braucht es auch eine Abstimmung über den Landverkauf an den Investor Mobimo. Es geht um Land auf Gebiet der Gemeinde Nidau, das sich mehrheitlich in Besitz der Stadt Biel befindet und im Bieler Stadtrat als grösste Brache mit Seeanstoss der Schweiz bezeichnet wurde.

Zum Projekt gehört auch die Verlängerung des Nidauer Barkenhafens, so dass am Fuss des geplanten Hochhauses ein Bootshafen entstünde. In Südfrankreich bewundere man solche «Ports de Plaisance», sagte Fehr. Unter anderem zu dieser Idee gibt es auf einer eigens errichteten Internetseite neue Visualisierungen.

Gewisse Opposition dürfte bleiben

Im Jahr 2012 unterzeichneten rund 3300 Bieler und rund 350 Nidauer je eine Gemeindeinitiative für ein freies Bielerseeufer. Die Initianten wollten damit erreichen, dass das Ufer des Bielersees zwischen Bieler und Nidauer Strandbad naturnah bleibt und dass genügend öffentlich zugängliche Flächen bleiben.

Die Initiative wurde aber von Biels und Nidaus Stadtregierungen für ungültig erklärt - ein Entscheid, der anschliessend vom Statthalter bestätigt wurde. Heute ist dieser Entscheid rechtskräftig, wie der Bieler GLP-Stadtrat Max Wiher auf Anfrage sagt.

Die Initiative habe dennoch einiges bewirkt, führt der Präsident des Initiativkomitees weiter aus. Die heutige, auf dem sogenannten «Citélac«-Wettbewerbsprojekt beruhende Planung berücksichtige in qualitativer Hinsicht 80 bis 90 Prozent der Initativ-Forderungen, in quantitativer Sicht 50 Prozent.

Ob der Agglolac-Planung weiterhin Opposition entgegenschlage, müsse sich zeigen. Ein Teil der Personen, welche die beiden Initiativen unterzeichneten, sei grundsätzlich gegen Agglolac.

zec/sda

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