Nachtlandungen: «Ausreisser müssen sich in Grenzen halten»

Trotz Nachtflugverbot sind heuer bereits 50 Linienflüge nach 23 Uhr in Bern gelandet. Anrainergemeinden mahnen zur Zurückhaltung.

Ein Linienflugzeug beim Landeanflug auf den Flughafen Bern-Belp.

Ein Linienflugzeug beim Landeanflug auf den Flughafen Bern-Belp. Bild: Adrian Moser

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Diesmal hats gereicht: Sieben Minuten vor Betriebsschluss erreichte der Skywork-Dornier aus London am Mittwochabend um 22.53 Uhr den Flughafen Bern. Das war nicht immer so: In den letzten Monaten sind auf dem Flughafen Bern 50 Linienflüge während der Nachtflugsperre gelandet, die ab 23 Uhr gilt.

Die meisten waren Skywork-Flüge aus London-City, die jeweils in Basel zwischenlanden. Laut dem Aviatik-Portal «Flightstats.com» erreichten die Skywork-Flieger aus London den Euroairport mit Durchschnittlich 27 Minuten Verspätung. Dementsprechend oft landen die Flieger bei einer geplanten Ankunftszeit um 22.50 Uhr in Bern auf den letzten Drücker – oder setzen eben während des Nachtflugverbots auf.

Die Dornier-Flugzeuge fliegen zu später Stunde im Endlandeanflug tief über die Bundesstadt. Dies hat auch Gemeinderat Reto Nause registriert, der bis vor kurzem die Stadt im Verwaltungsrat des Flughafens vertreten hat. «Landungen während des Nachtflugverbots sind auch für die Stadt Bern ein sehr sensibles Thema», so Nause. Denn die späten Anflüge gingen allesamt mitten über das Stadtgebiet. «Der Flughafen muss sich bewusst sein, dass Nachtlandungen für die Akzeptanz nicht gerade förderlich sind.»

Auch zu Randzeiten «unerwünscht»

Auf dem letzten Kilometer bis zur Pistenachse gleiten die Flugzeuge über den Villenhügel in Muri. «Die späten Flüge sind sehr störend für die Anwohner», sagt Thomas Marti, Leiter Umwelt & Verkehr der Gemeinde Muri. Marti sind nicht nur die Flüge während des Nachtflugverbots ein Dorn im Auge. Die Gemeinde geht einen Schritt weiter.

Flüge seien auch in den Randzeiten von 22 bis 23 Uhr und 6–8 Uhr «unerwünscht», so Marti. Die Gemeinde hat deshalb mehrmals beim Bundesamt für Zivilluftfahrt interveniert. Das Anliegen der Gemeinde ist aber nicht in die neue Betriebskonzession des Flughafens aufgenommen worden.

Klar ist: Weder Skywork, die Flughafenverantwortlichen noch die Bevölkerung hat grundsätzlich ein Interesse daran, dass die Maschinen Bern-Belp während des Nachtflugverbots anfliegen. «Die Airline und der Flughafen geben alles, damit sich die Verspätungen in Grenzen halten», sagt Christian Wasserfallen, Präsident der IG Berner Luftverkehr (IGBL). Der Berner FDP-Nationalrat setzt sich seit Jahren für eine starke Berner Luftfahrt ein.

Aber auch Wasserfallen meint: «Die Zahl der Ausreisser punkto Nachtlandungen muss sich in Grenzen halten.» Oberstes Ziel sei, dass die Flugzeiten eingehalten werden. Dies nicht zuletzt, damit der Flughafen weiterhin von einer breiten Bevölkerung getragen werde. Wasserfallen hofft, dass sich das Problem mit den Nachtlandungen spätestens Ende Oktober erledigt. Dann will Skywork in London früher starten – entsprechend grösser wird der Zeitpuffer bei Verspätungen.

Dem Vernehmen nach hat Skywork in London bereits für diesen Somer eine frühere Abflugszeit beantragt – ohne Erfolg.

Fluglärmgegner prüfen Anzeige

Die Vereinigung gegen Fluglärm (VgF) führt über jeden verspäteten Flug Statistik. «Wir werden beim Bundesamt für Zivilluftfahrt eine Protestnote gegen die vielen Nachtflüge deponieren.» Nächsten Dienstag findet eine Mitgliederversammlung des Vgf statt. «Wir halten uns alle Optionen offen, auch gegen den Flughafen Anzeige einzureichen.» (Der Bund)

Erstellt: 24.06.2016, 07:14 Uhr

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