«Moospinte ist nicht der Paradeplatz»

Nicolas Hafer wollte Astronaut werden, bis er eine Brille bekam. Nun ist er der neue Chefkoch und Pächter der Moospinte bei Münchenbuchsee.

In den letzten sieben Jahren stand Nicolas Hafner als Küchenchef am Herd des Restaurants zum Kropf am Zürcher Paradeplatz.

In den letzten sieben Jahren stand Nicolas Hafner als Küchenchef am Herd des Restaurants zum Kropf am Zürcher Paradeplatz.

(Bild: zvg)

Herr Hafner, das letzte Wirtepaar in der Moospinte hat eine Übernahme in Form einer Pacht ausgeschlagen. Waren Sie mutiger als diese?
Zur Entscheidung meiner Vorgänger kann ich keine Stellung beziehen, da ich über diese zu wenig gut informiert bin.

Welche Strategie verfolgen Sie, um sowohl der langjährigen Geschichte des Lokals als auch der Wirtschaftlichkeit Rechnung zu tragen?
Ich strebe keine Spitzengastronomie an. Das heisst nicht, dass man das, was ich mache, nicht als spitze bezeichnen kann. Die Gastroführer «Gault Millau» und «Guide Michelin» stellen an Spitzengastronomie aber weitergehende Ansprüche.

Was heisst das konkret?
Sie haben Ansprüche an die Infrastruktur, die ich nicht erfüllen kann, etwa in Bezug auf die Tischgedecke. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass zum Beispiel das Besteck aus Silber sein muss. Deshalb hat es für mich nicht oberste Priorität, dieses Ziel zu erreichen.

Sie waren Angestellter bei Oskar Marti, der als «Chrüteroski» die Moospinte einst stark prägte. Wollen Sie an sein Konzept anknüpfen?
Was das Kochen angeht, nicht. Es ist für mich aber sicherlich eine Rückkehr zu meinen persönlichen Wurzeln.

Weshalb distanzieren Sie sich von ihm?
Marti ist eine Koryphäe, die nicht imitiert werden kann. Deshalb kann ich seine Nachfolge auch nicht antreten. Meine Positionierung ist zudem eine andere. Meine direkten Vorgänger waren in der Hochgastronomie tätig. Für mich ist auch dies nicht das Ziel. Ich möchte eine bürgerliche Küche anbieten – ohne Ansprüche auf Sterne.

Was motiviert Sie dann?
Ich wollte immer selbstständig sein. Jeder richtige Koch will das. Als Angestellter in meinem Metier verdient man ausserdem zu wenig. Nicht, dass das die Hauptmotivation wäre. Mein Vater kannte gute Köche – aber auch den Raumfahrer Claude Nicollier. Deshalb wollte ich zuerst Astronaut werden. Als ich meine erste Brille bekam, erfüllte ich die körperlichen Voraussetzungen dafür aber nicht mehr. Seither ist Koch mein Traumberuf.

Köche brauchen Inspiration. Woher holen Sie Ihre Ideen?
Aus meiner langjährigen Erfahrung in der Gastronomie.

Die Moospinte ist zwar stadtnah, aber nicht zentral gelegen; auf «Gault Millau»-Punkte setzen Sie nicht. Womit wollen Sie die Gäste in Ihr Restaurant holen?
Der Standort ist gut. Das muss er auch sein. Ausserdem baue ich auf den schönen Umschwung, den die Moospinte bietet, und auf die Nähe zum Golfplatz. Die Moospinte ist nicht der Paradeplatz in Zürich. Dort muss man die Leute fast hinaustreiben, hier muss man sie hereinholen.

In welcher Preislage werden Sie ab März in der Moospinte kochen?
Das steht noch nicht ganz fest. Einen Hauptgang mit Salat oder Suppe wird man ab rund 20 Franken bekommen.

Der Bund

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