Mit dem Hund im Bordgepäck

Mit ihrem Hund in der Sporttasche wollte eine Frau auf dem Belpmoos eigenmächtig zum Flugzeug gelangen. Das kommt sie teuer zu stehen.

Der Jack Russell Terrier durfte nicht in einer Sporttasche mitfliegen (Symbolbild).

Der Jack Russell Terrier durfte nicht in einer Sporttasche mitfliegen (Symbolbild).

(Bild: Colourbox)

Markus Dütschler

Die 43-jährige Frau glaubte, alles richtig gemacht zu haben. Lange vor dem Flug nach Berlin hatte sie sich bei der Fluggesellschaft Skywork nach den Bedingungen für das Mitnehmen ihres Hundes an Bord erkundigt. Die spärlichen Auskünfte verstand sie so, dass sie ihren Jack Russel Terrier in einer Sporttasche mitführen dürfe. Auf dem Belpmoos lief zuerst alles rund. Beim Check-in-Schalter, wo an jenem Tag eine unerfahrene Kraft im Dienst war, gab es keine Einwände. Bei der Security wurde die Tasche – ohne Hund – durchleuchtet, auch das Trinkwasser wurde akzeptiert.

Schwierigkeiten gabs erst in der Abflughalle. Skywork-Mitarbeiter sagten, das Tier dürfe nicht in einer Sporttasche reisen, es brauche ein geschlossenes Behältnis. Die Frau bot an, mit dem Sackmesser Luftlöcher in das Tuch zu schneiden, doch es half nichts. Es kam zu einer längeren Diskussion mit steigendem Lautstärkepegel. Die Frau bekam Angst, den Flug zu verpassen, und begab sich zur Türe. Diese war schon zu, aber nicht abgeschlossen. Also öffnete sie die Tür und ging aufs Vorfeld.

Dort telefonierte sie ihrem Freund und bat ihn, das Tier zu holen, sie dürfe es nicht mitnehmen. Die Crew drängte zum Abflug. Die Flughafenpolizei kam hinzu. Ein Polizist holte die Frau ein, bevor sie die Maschine erreicht hatte, und forderte sie mehrfach auf, in die Abflughalle zurückzukehren. Als das Zureden nichts fruchtete und sie weiter telefonierte, packte er sie am Oberarm und schob sie in Richtung Halle, ziemlich grob, wie sich die Frau am Mittwoch vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland beklagte.

Die Staatsanwaltschaft hatte sie wegen Hinderung einer Amtshandlung, Widerhandlung gegen das Luftfahrtgesetz und das Tierschutzgesetz zu einer Busse von 500 Franken verurteilt. Dagegen erhob sie Einsprache.

Kontrollen legal durchlaufen

Ihr Anwalt sagte, seine Klientin habe keine Amtshandlung behindert und sei nicht in einen Sicherheitsbereich eingedrungen, sie habe sich allen Prozeduren korrekt unterzogen. Zudem hätte der Hund in der Tasche auf der eher kurzen Reise keinerlei Qualen erlitten. Sie sei in allen Punkten freizusprechen.

Gerichtspräsidentin Christine Schaer als Einzelrichterin folgte ihm nur zum Teil. Die Frau habe die Anordnung des Polizisten nicht befolgt, was aber keine Hinderung einer Amtshandlung sei. Sie habe versucht, sich seinem Griff zu entwinden, «ein Grenzfall», doch reiche es nicht für einen Schuldspruch. Als Kunde dürfe man aber Türen nicht eigenmächtig öffnen – «auch nicht auf dem kleinen Belpmoos» – und die Anweisungen des Personals missachten. Hier habe sie sich schuldig gemacht, so Schaer. Auch habe sie das Tierschutzgesetz übertreten, wenn auch nicht in einem schweren Fall. Sicherlich habe sie dem Hund kein Leid zufügen wollen.

Die Frau, die wegen ärztlich dokumentierter psychischer Probleme überzogen auf Stress und Kränkungen reagiert, sagte unter Tränen, es tue ihr leid: «Ich dachte, alles richtig gemacht zu haben.» Schaer reduzierte die Busse auf 400 Franken. Wegen des Freispruchs im ersten Punkt gibt es auch keinen Strafregistereintrag.

Der Bund

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